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Friedensfeste in einer gespaltenen Gesellschaft

Das jährliche Augsburger Friedensfest am 8. August hat seinen Ursprung im Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten im 17. Jahrhundert. Heute ist unsere Gesellschaft vielfältiger, die Trennlinien sind mehr geworden. Deshalb wären Friedensfeste im ganzen Land sinnvoll. Ein Kommentar von Jonathan Steinert
Von PRO
Gesellschaftliche Vielfalt aktiv gestalten, das ist das Anliegen des jährlichen Ausgburger Friedensfestes

Foto: Christian Menkel

Gesellschaftliche Vielfalt aktiv gestalten, das ist das Anliegen des jährlichen Ausgburger Friedensfestes

Jedes Jahr am 8. August feiert Augsburg das Hohe Friedensfest – seit 1650. Dafür haben die Augsburger einen eigenen gesetzlichen Feiertag. Ursprünglich erinnerte das Fest daran, dass die Protestanten nach dem Dreißigjährigen Krieg in der Stadt ihren Glauben wieder ausüben durften. Das war ihnen am 8. August 1629 verboten worden. Vorher waren beide Konfessionen in Augsburg gleichberechtigt, die öffentlichen Ämter paritätisch besetzt. Mit dem Westfälischen Frieden, der das Ende des großen Krieges markierte, bekamen die Protestanten in der Stadt ihre Rechte zurück. Augsburg wurde zur Paritätischen Reichsstadt.

Damals trennten die Menschen konfessionelle Grenzen. Heute will die Friedensstadt Augsburg die durch Zuwanderung geprägte gesellschaftliche Vielfalt aktiv gestalten. Das versteht sie als ihren historisch begründeten Auftrag. Im Sinne dieses Anliegens wären Friedensfeste für das ganze Land eine gute Idee.

Rückzug auf die eigene Scholle

Seit dem Ende des Kalten Krieges vor 30 Jahren ist die Welt näher zusammengerückt – politisch, wirtschaftlich, medial. Gleichzeitig sind innerhalb unserer Gesellschaft neue Trennlinien entstanden oder wenigstens sicht- und spürbarer geworden. Die massenhafte Zuwanderung der vergangenen Jahre hat das befördert, auch wenn die eigentlichen Ursachen sicherlich tiefer liegen.

Diese inneren Grenzen verlaufen längst nicht nur zwischen Migranten und Einheimischen, sondern auch über das Thema der Zuwanderung hinaus, etwa zwischen Stadt und Land, nach wie vor zwischen Ost und West und zunehmend zwischen politisch rechts und links. Mit der wachsenden gesellschaftlichen Vielfalt haben auch Skepsis und Ablehnung ihr gegenüber zugenommen. Vor 18 Jahren hat die A-capella-Gruppe „Wise Guys“ dieses Gefühl ironisch auf den Kehrvers gebracht: „Wir bau’n die Mauer wieder auf, denn langsam wird uns das zu dumm. Aber nicht mehr mitten durch, diesmal bau’n wir außen rum.“ Zeilen mit frappierender Aktualität. Der Rückzug auf das Eigene und ein Zaun drum herum geben Orientierung und Sicherheit, seien es die Nation, die religiöse Überzeugung oder die politische Meinung.

Unterschiede anerkennen und aushalten

So nachvollziehbar das ist: Die Gesellschaft ist nun einmal vielfältiger geworden. Im 16. Jahrhundert markierte eine neue Konfession eine grundlegende gesellschaftliche und politische Trennlinie. Um Grenzen zwischen Konfession und Denomination wird in der immer weiter ausdifferenzierten christlichen Szene nur noch intern gestritten. Außerhalb sind zahlreiche andere Konfliktlinien aufgebrochen. Wenn wir eine Zukunft in sozialem Frieden wollen (ganz abgesehen vom Weltfrieden), haben wir keine andere Wahl, als das Miteinander des in mannigfacher Hinsicht Vielfältigen in unserer Gesellschaft aktiv zu gestalten – so wie es sich Augsburg auf die Fahne geschrieben hat.

Das soll nicht heißen, alle Differenzen zu ignorieren, sondern im Gegenteil: sie bewusst wahrzunehmen, zu akzeptieren und auszuhalten. Und darauf zu verzichten, den anderen dafür zu verurteilen und abzulehnen, dass er auf einer anderen Scholle sitzt. Wie wäre es, genau mit ihm heute ein persönliches Friedensfest zu feiern?

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