Frauen beten weltweit gemeinsam für Frieden

Über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg engagieren sich Frauen beim Weltgebetstag dafür, dass Mädchen und Frauen überall auf der Welt in Frieden, Gerechtigkeit und Würde leben können. Am 6. März kommt die Liturgie von Frauen aus Nigeria.
Frauen sitzen auf einer Bank und beten zusammen

Beim Weltgebetstag (WGT) engagieren sich Frauen über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg dafür, dass Mädchen und Frauen überall auf der Welt in Frieden, Gerechtigkeit und Würde leben können. Er gilt als die größte Basisbewegung christlicher Frauen weltweit. Darin sind Frauen in mehr als 150 Ländern und allen Regionen der Welt miteinander verbunden. In ökumenischer Zusammenarbeit koordinieren die Mitglieder der Komitees der unterschiedlichen Länder die Vorbereitungen der landesweiten Gottesdienste. Sie übersetzen den jährlichen Gottesdienst in ihre Landessprachen und entscheiden über den Einsatz der Kollekten. Dieses Jahr findet der Weltgebetstag der Frauen am 6. März statt.

Die Geschichte des Weltgebetstags begann vor über 130 Jahren in Nordamerika. Christliche Frauen feierten in den USA und Kanada 1887 die ersten Gebetstage. 1927 gilt als Geburtsjahr des internationalen Weltgebetstags, in diesem Jahr fand das erste weltweit ökumenische Gebet statt. 1947 feierten britische, amerikanische und deutsche Frauen den ersten ökumenischen Gottesdienst in Deutschland und setzten damit ein besonderes Friedenszeichen.

Logo kommt aus Irland

1949 wurde der Weltgebetstag erstmals deutschlandweit gefeiert. 20 Jahre später, 1969, wurde der erste Freitag im März zusammen mit der Weltunion Katholischer Frauenverbände als gemeinsames Datum festgelegt. Das internationale Logo für den WGT wurde 1982 von irischen Frauen entwickelt. 1994 wurde ein gesamtdeutsches WGT-Komitee gegründet, 2002 folgte die Gründung des gemeinnützigen Vereins „Weltgebetstag der Frauen – Deutsches Komitee e.V.“.

Im kommenden Jahr begeht der internationale Weltgebetstag das Jubiläum seines 100-jährigen Bestehens mit dem Motto „United in Prayer für Justice and Peace!“. Die Liturgie wird vom internationalen Komitee erarbeitet. 2028 wird die Liturgie unter dem Motto „Leading the Way in Grace“ aus Costa Rica kommen, 2029 geht es mit „Compassion brings healing“ nach Italien und 2030 führt der WGT unter dem Motto „As the Earth rests, people can eat“ nach Nepal.

Starke Frauen schon in der Bibel

Auch die Bibel die Bibel kennt Frauen, die handeln, zweifeln, glauben, opponieren und retten. Sie führen Armeen, tricksen Könige aus, retten Völker, zwingen Propheten zum Nachdenken. Zwölf Bibelstellen, die zeigen, wie sehr die Heilige Schrift Frauen schon immer ernster nahm, als es die Jahrhunderte danach teilweise taten.

  • Die Suchende im Paradies: Eva (1. Mose 3,6). „Da nahm sie von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon.“ Nicht die naive Verführte, sondern die erste Fragende. Evas Hunger nach Erkenntnis macht sie zur Mutter aller Neugierigen.
  • Das Lachen des Glaubens: Sara (1. Mose 18,12). „Da lachte Sara bei sich selbst.“ Glauben beginnt mit Skepsis. Sara lacht Gott ins Gesicht – und bekommt einen Sohn. Isaaks Name („Gott lacht“) erinnert daran: Gott hat Humor.
  •   Die Prophetin mit der Pauke: Mirjam (2. Mose 15,20-21): „Und Mirjam nahm eine Pauke in ihre Hand Singt dem HERRN, denn er ist hoch erhaben.“ Nach dem Exodus stimmt sie das älteste Lied der Bibel an. Eine Frau formt Israels ersten Hymnus.
  • Die Richterin unter der Palme: Debora (Richter 4,4). „Zu der Zeit war Debora, eine Prophetin, Richterin in Israel.“ Sie führt das Volk mit Wort und Weisheit. Kein Schwert, kein König – nur Geist und Mut. Barak folgt ihr. Und das Land hat Ruhe.
  • Die Fremde mit dem großen Herzen: Ruth (Ruth 1,16). „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen.“ Ruth bleibt, als alles verloren scheint. Sie verwandelt Loyalität in Liebe; still, stark, weiblich.
  • Die Friedensstifterin: Abigajil (1. Samuel 25,33). „Gepriesen sei dein Verstand, und gepriesen seist du selbst.“ Diplomatie in biblischer Eleganz: Sie verhindert Blutvergießen mit Worten. David erkennt in ihr mehr Vernunft als in manchem Feldherrn.
  • Das Gebet, das sich in Gesang verwandelt: Hanna (1. Samuel 2,1). „Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN.“ Aus Schmerz wird Gesang, aus Klage Theologie. Hannas Lied ist gesungener Glaube, geboren aus Leid.
  • Die Königin, die Nein sagt: Esther (Esther 4,14). „Wer weiß, ob du nicht um dieser Zeit willen zum Königreich gekommen bist?“ Esther riskiert alles am Hof und rettet ihr Volk.
  • Die Mutter, die Gott vertraut: Maria (Lukas 1,38). „Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Maria stellt sich nicht blind unter, sondern nimmt eine einzigartige Berufung an, die ihr Leben grundlegend verändert. Wenig später singt sie das Magnificat (Lk 1,46ff.), ein Loblied, das Gottes Treue an den Niedrigen feiert.
  •  Die Missionarin am Brunnen: Die Frau am Jakobsbrunnen (Johannes 4,29). „Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat.“ Sie redet mit Jesus klug, kritisch, frei. Aus der Fremden wird die erste Verkünderin eines neuen Glaubens.
  • Die Theologin aus Bethanien: Martha (Johannes 11,27). „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes.“ Marthas Bekenntnis ist nüchtern und tief. Es übertrifft das vieler Jünger.
  • Die Apostelin der Apostel: Maria Magdalena (Johannes 20,18). „Ich habe den Herrn gesehen!“ Sie bleibt, als die Männer fliehen. Gott wählt sie zur Zeugin des Neuen. Die erste, die das Osterlicht sieht und es weiterträgt.

Vom ersten Schritt aus dem Paradies bis zum Ostermorgen zieht sich der Mut der Frauen wie ein roter Faden. Vielleicht auch deshalb gilt Gottes Urteil über seine Schöpfung – nicht nur für Frauen – bis heute: „Und siehe, es war sehr gut!“

epd
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