Frankreich brennt: Welche Rolle spielt Religion?

Linksextremisten, Islamisten – und ganz normale Studenten: Die Journalistin Carola Bruhier ordnet die Ausschreitungen in Frankreich ein. Dass auch Kirchen angegriffen werden, erklärt sie unter anderem mit der Geschichte des Landes.
Von Nicolai Franz

Die freie Journalistin Carola Bruhier sieht in Frankreichs historischem Verhältnis zur Kirche einen Erklärungsansatz für Angriffe auf Gotteshäuser. Kirche sei dort stärker als in Deutschland ein „Symbol für Establishment und Macht“, sagte Bruhier im PRO-Podcast „Glaube. Macht. Politik.“. Zugleich plädierte sie dafür, jungen Menschen zuzuhören und ihre Fragen nach Sinn und Zukunft ernst zu nehmen.

Bruhier verwies auf die Französische Revolution, während der sich die Gewalt auch gegen Kirchen und Klöster gerichtet habe. Bis heute würden Kirchen mit den alten Eliten verbunden. Gleichzeitig hätten viele junge Menschen kaum noch Kenntnisse über den christlichen Glauben. Aus ihren Ausführungen leitete Bruhier jedoch keine eindeutige Zuordnung der aktuellen Angriffe zu einer bestimmten Tätergruppe ab.

Auch die Ausschreitungen insgesamt ließen sich nach ihrer Einschätzung nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. Neben sozialen Problemen und Perspektivlosigkeit spielten Radikalisierung über soziale Medien sowie linksextreme und islamistische Kräfte eine Rolle. Diese nutzten Proteste, um Unruhe zu stiften und staatliche Strukturen zu schwächen. Bruhier sprach von sehr unterschiedlichen Kräften, die dabei teilweise „Hand in Hand zu gehen“ schienen.

Berechtigte Forderungen nach besserer Bildung

Die ursprünglichen Anliegen der Schüler verteidigt Bruhier ausdrücklich. Sie berichtete von Lehrermangel, überfüllten Klassen, Unterrichtsausfall und maroden Schulgebäuden. Auch die Vergabe von Studienplätzen werde von jungen Menschen und ihren Familien als ungerecht empfunden. „Die Forderungen der Schüler sind durchaus berechtigt.“

Mit besseren Schulgebäuden allein seien die tiefer liegenden Probleme nach Bruhiers Einschätzung nicht zu lösen. Jugendliche fragten auch danach, welchen Wert sie hätten, wo sie gebraucht würden und welche Zukunft ihnen offenstehe. Diese Fragen dürften unter der Vermittlung von Wissen nicht verloren gehen.

Junge Menschen brauchen Antworten auf Sinnfragen

Darin sieht Bruhier auch eine Möglichkeit für Christen, mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Dazu gehöre, zuzuhören, andere religiöse Überzeugungen zu kennen und sich auch mit Verfehlungen der eigenen Glaubensgeschichte auseinanderzusetzen. Auf dieser Grundlage könnten Christen von dem Gott der Liebe erzählen, der sich in Jesus zeige.

Eine Lösung der politischen Krise erwartet Bruhier weder von der extremen Linken noch von der extremen Rechten. Von einer weiteren Eskalation profitiere letztlich niemand: „In so einer Situation sind nachher alle Verlierer.“

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