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„Fakultäten müssen das Beten wieder lernen“

In einem eigenen Forum der „MEHR“-Konferenz haben sich zehn Theologen der Frage gewidmet, wie es gelingen kann, die Kluft zwischen akademischer Theologie und Gemeinde zu überbrücken. Es wurde deutlich: Ansätze gibt es viele, aber eine Lösung ist noch nicht gefunden.
Von PRO
Zehn Theologen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich diskutierten auf der „MEHR“-Konferenz über Herausforderungen der Theologie

Foto: pro/Martin Schlorke

Zehn Theologen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich diskutierten auf der „MEHR“-Konferenz über Herausforderungen der Theologie

Nachdem auf der ökumenischen „MEHR“-Konferenz 2018 die Initiative „Mission-Manifest“ vorgestellt wurde, stand in diesem Jahr eine andere theologische Herausforderung auf dem Programm: Wie kann Theologie zur Erneuerung der Kirche beitragen? In dem Forum „MEHR-Theologie“ hielten zehn evangelische und katholische Theologen aus dem deutschsprachigem Raum Kurzreferate.

Darin wurde deutlich, dass die akademische Theologie ein unverzichtbarer Bestandteil christlichen Glaubens ist. „Ohne Theologie ginge es gar nie“, fasste Walter Dürr von der Universität Fribourg in der Schweiz die Debatte zusammen. Die akademische Theologie habe den Auftrag, Kirche und Glauben zu reflektieren. Diese Reflexion sei der Schlüssel zum Verständnis der Heiligen Schrift und könne darüber hinaus die Theologie erneuern.

Kirche war innovativ und soll es wieder sein

Die Innovationskraft, die alte Kirche ausgezeichnet hat, müsse heute wieder neu entdeckt werden, forderte der Neutestamentler Benjamin Schliesser (Bern). Die ersten Christen hätten sich von ihrem Umfeld unterschieden und seien neue Wege gegangen. Dies müsse beispielsweise im Bezug zu den neuen Medien auch heute geschehen. Optimistisch stimme ihn, dass er viele Parallelen zwischen der „prä-christlichen Zeit damals und der post-christlichen Zeit heute“ sehe.

In der Debatte widmeten sich die Theologen ebenfalls dem Gebet. Heute würden viele dem Gebet misstrauen, erklärte Ralph Kunz (Zürich). Die Ursachen dafür lägen in der Aufklärung. Emanuel Kant habe dagegen angekämpft, dass Gebet die Moral und das Denken ersetzt. Dabei gehörten Beten und Nachdenken eng zusammen. Gewissermaßen schloss sich Veronika Hoffman (Fribourg) dieser Kritik an. Auch Anbetung könne das Denken nicht ersetzen. Eine solche Annahme sei grundfalsch. Das habe nichts mit Frommheit zu tun, sondern sei denkfaul. Vielmehr könne Nachdenken in Anbetung münden.

Zweifel ist für Gläubige wichtig

Zum Glauben gehöre ebenso das Zweifeln, erklärte die Dogmatik-Professorin. „Ist Zweifeln gefährlich? – Ja, für die eigene Naivität, Bequemlichkeit und innere Unsicherheit.“ Wer zweifelt, mache sich über seinen Glauben Gedanken – das sei gut.

Gute Theologie müsse am Schluss ein „Diener des Wortes Christi, der Bibel und der Wissenschaft sein”, erklärte Gregor Emmenegger von der Universität Fribourg. Wer die Wahrheit suche, werde zwangsläufig Jesus finden. Diese demütige Haltung müsse die Theologie wieder neu entdecken und Buße tun, forderte Kunz. Sie sei von einer knienden Theologie zu einer sitzenden geworden. Daher „müssen die Fakultäten das Beten wieder lernen“, schloss Joachim Negel (Fribourg) die Debatte.

Von: Martin Schlorke

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