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Es gibt wichtigere Gerechtigkeitsbaustellen

Am Mittwoch hat der Verein Deutsche Sprache einen sinnvollen Umgang mit eben dieser angemahnt. Er prangert eine gegenderte Sprache an und kritisiert, dass dies ein zerstörerischer Eingriff in die Sprache ist. Dies war ein wichtiger Debattenbeitrag. Trotzdem hat unsere Gesellschaft ganz andere Baustellen abzuarbeiten, an denen es an Gerechtigkeit mangelt. Ein Kommentar von Johannes Blöcher-Weil
Von PRO
Duden

Foto: Kalligraf, Wikipedia | CC BY-SA 4.0 International

Wieviel Eingriff in die deutsche Sprache ist erlaubt? Das Gendersternchen gehört für unseren Kommentator nicht dazu

Normalerweise bin ich ein Mensch, der wenig Emotionen zeigt. Richtig aufbrausend werde ich fast nur bei Spielen meiner Lieblingssportvereine. Aber auch die Debatte über eine gendergerechte Sprache in der vergangenen Woche trägt bei mir nicht zu einem ruhigen Puls bei.

An der Universität haben ich mich mit meinen Kommilitonen immer lustig gemacht, wenn unsere Politik-Professorin großen Wert auf das Binnen-I gelegt hat. Die Sprache sollte gendergerecht sein. Sie fand, das weibliche Geschlecht könnte sich diskriminiert fühlen, wenn lediglich von Studenten die Rede ist. Deswegen sprach sie von StudentInnen und WissenschaftlerInnen. Das ist jetzt fast 20 Jahre her. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass Frauen sich eingeschlossen fühlen dürfen, wenn ich die Sammelbezeichnung wähle und von Studenten rede. Die deutsche Grammatik ist da ebenfalls auf meiner Seite.

Es gibt größere Probleme

In meiner Lokalzeitung durfte ich diese Woche lesen, dass die Verwaltung der hiesigen Universitätsstadt jetzt in ihren amtlichen Schreiben den Genderstern nutzt. Mein Puls steigt. Ich glaube, wir haben größere Probleme auf der Welt als die Nutzung dieses sprachlichen Mittels, was in der deutschen Grammatik nicht vorgesehen ist. Ich will nicht in Hysterie verfallen, aber mir spricht der Aufruf des Vereins Deutsche Sprache gegen den „Gender-Unfug“ aus der Seele.

Die Wortwahl des Aufrufs ist an machen Stellen diskussionswürdig. Häufig braucht es aber auch eine klare Sprache, um seine Aussagen verständlich an den Mann – und natürlich auch die Frau – zu bringen. Die Mahner zum Widerstand gegen „gendergerechte Sprache“ sehen darin einen „zerstörerischen Eingriff“ in die deutsche Sprache. Unterzeichnet haben den Appell unter anderem „Sprachpapst“ Wolf Schneider, aber auch der Schauspieler Dieter Hallervorden und der Evangelist Theo Lehmann.

Debatte nervt

Eine Umsetzung erzeuge „eine Fülle lächerlicher Sprachgebilde“ und leiste „keinen Beitrag zur Besserstellung der Frau in der Gesellschaft“. Der Staat dürfe nicht von oben in die Sprache eingreifen und zum Spielball politischer Interessen werden. Ich gebe zu: Mich nervt diese Debatte und ich glaube, sie ist auch nur für wenige Menschen relevant. Ich bin für eine kurze und effektive Sprache. Gendergerechte Sprache ist umständlich und viel schwerer lesbar. Ohne Binnen-I und Genderstern wären manche Bücher, amtliche Dokumente und wissenschaftliche Hausarbeiten nicht nur besser lesbar, sondern manchmal auch deutlich dünner – ohne den Inhalt zu verfälschen.

Für mich gibt es andere Möglichkeiten und Chancen, die Welt „gerechter“ zu machen, die Sprache wäre dabei nicht das allererste Mittel der Wahl. Wir können uns für Gerechtigkeit einsetzen gegenüber Menschen, Männern und Frauen, die in der Gefahr stehen missbraucht, diskriminiert und unterdrückt zu werden. Vielleicht können Sie sich an das letzte gute Wort oder eine helfende Hand aus Ihrem Umfeld erinnern. Wenn ich wertgeschätzt werde und Unterstützung erfahre, tut mir das gut. Dann steigt mein Puls, aber nicht vor Ärger, sondern vor Freude. Wenn wir es schaffen, das dem anderen zu zeigen, ist das wichtiger als ein Genderstern oder das Binnen-I.

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