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Erzbistum Köln droht Pfarrer nach Kritik an Woelki mit Konsequenzen

Im Erzbistum Köln mehrt sich die Kritik an Kardinal Woelki, der ein Gutachten zu Missbrauch unter Verschluss hält. Ein katholischer Pfarrer, der öffentlich Position bezogen hat, erhielt nun Post vom Personalchef.
Von PRO
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Entschuldigte sich für Kritik an seiner Person: Rainer Kardinal Woelki
Entschuldigte sich für Kritik an seiner Person: Rainer Kardinal Woelki

Nach öffentlicher Kritik an Kardinal Rainer Maria Woelki und dessen Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln drohen einem katholischen Pfarrer aus Dormagen dienstrechtliche Konsequenzen. Der Personalchef im Erzbistum, Mike Kolb, hat dem Pfarrer in einem Brief eine entsprechende Prüfung des Sachverhaltes angekündigt.

Er weise ihn darauf hin, „dass für Dich als leitender Pfarrer ein öffentliches Eintreten gegen die Katholische Kirche, das Erzbistum Köln oder dessen Amtsträger nicht mit Deinen Loyalitätsobliegenheiten im seelsorglichen Dienst vereinbar ist“, heißt es in dem Schreiben des Leiters der Hauptabteilung Seelsorge-Personal. Die „möglicherweise schwerwiegenden Verstöße“ könnten „Maßnahmen nach sich ziehen“.

Kolbs Brief ist vom 30. Dezember datiert. Darin bezieht sich der Personalchef auf einen Leserbrief und einen Artikel in der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ), in denen sich der Dormagener Pfarrer Klaus Koltermann kritisch zum Verhalten Woelkis geäußert hatte. Seiner Ansicht nach hat der Kardinal „jede restlich vorhandene Glaubwürdigkeit verspielt“, weil er im Umgang mit Missbrauchfällen im Erzbistum bislang keine „Gewissenforschung“ und damit ein Eingeständnis persönlicher Fehler erkennen lasse.

Konkret bezieht sich Koltermann auf die Christmette an Heiligabend, bei der Woelki sich in einem persönlichen Wort an die Gemeinde gewandt hatte. Ohne mögliche eigene Versäumnisse anzusprechen und auf konkrete Vorwürfe einzugehen, hatte der Erzbischof gesagt: „Was die von sexueller Gewalt Betroffenen und Sie in den letzten Tagen und Wochen vor Weihnachten im Zusammenhang mit dem Umgang des Gutachtens zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in unserem Erzbistum, was Sie an der Kritik darüber und insbesondere auch an der Kritik an meiner Person ertragen mussten. Für all das bitte ich Sie um Verzeihung.“

Woelki steht seit Monaten in der Kritik, weil er ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln wegen „methodischer Mängel“ unter Verschluss hält. Er gab stattdessen ein neues Gutachten in Auftrag, das im März veröffentlicht werden soll. Außerdem wird Woelki Vertuschung vorgeworfen, weil er 2015 nach Sicht der Personalakten einen mutmaßlichen Missbrauchsfall aus den 70er Jahren nicht an den Apostolischen Stuhl in Rom gemeldet hatte.

„Wir sind Kirche“ solidarisch mit Koltermann

Pfarrer Koltermann wies die Anschuldigungen gegen ihn in einer Stellungnahme an den Personalchef des Erzbistums „mit aller Entschiedenheit“ zurück. Eine „schwierige Gewissenssituation“ habe ihn dazu geführt, zum ersten Mal in seinem 28-jährigen Dienst als Priester öffentlich Position zu beziehen, schreibt der Pastor. „Zunehmende Kirchenaustritte und unüberhörbare Kritik sehr vieler Gläubiger am Verhalten des Herrn Kardinal Woelki, vor allem im Umgang mit den Missbrauchsfällen in unserer Erzdiözese und seiner persönlichen Verantwortung zumindest in einem Fall haben bei mir große Sorgen über die Zukunft unseres Erzbistums ausgelöst“, führt Koltermann aus. Er bestreitet zudem den Vorwurf Kolbes, den Rücktritt Woelkis gefordert zu haben.

Die katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ erklärte sich am Wochenende solidarisch mit Koltermann. Aufgabe eines Bischofs sei es, bei Differenzen das Gespräch zu suchen und „nicht sofort die Keule des Dienstrechts zu schwingen“, heißt es in einem Brief an den Pfarrer. Die Kirchenleitung in Köln wolle „mit Gewalt jeden Widerspruch niederwalzen“.

Er würde sich wünschen, dass sich die Pfarrer sowie haupt- und nebenamtlichen Mitarbeitenden im Erzbistum Köln ebenfalls mit Koltermann solidarisch erklären, sagte der Sprecher der Bewegung, Christian Weisner, dem epd. Es bestehe eine Loyalitätspflicht innerhalb der Kirche, aber die könne nicht unbegrenzt sein. „Das käme einem Maulkorb gleich.“

Von: epd

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