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Erfurter Theologe vermisst „echte“ Reformationsdekade

Die Lutherdekade erinnerte von 2008 bis 2017 an die durch Martin Luther angestoßene Reformation. Einem Theologie-Professor aus Erfurt ist das nicht genug.
Aufgrund seiner Einstellung zu Minderheiten ist Martin Luther für eine Berliner Initiative kein erinnerungswürdiger Name

Foto: Harald Lange, fotolia

Am 18. Dezember 1521 hatte der Theologe Martin Luther mit der Übersetzung des Neuen Testaments begonnen. Im September 1522 lag die Übersetzung dann in gedruckter Form vor.

Der Erfurter Theologie-Professor Michael Haspel dringt auf eine Fortsetzung des Reformationsgedenkens. Die 500-Jahr-Feier des Thesenanschlags 2017 könne nicht der Endpunkt dafür gewesen sein, schreibt der frühere Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen in einem Gastbeitrag für die in Weimar erscheinende Kirchenzeitung „Glaube+Heimat“ (Ausgabe vom 9. Januar). Das Reformationsgedenken hätte da erst losgehen müssen oder sei „das Pulver schon verschossen oder feucht geworden“, so Haspel.

2022 biete die Gelegenheit, sich mit den großen Themen der protestantischen Glaubenslehre auseinanderzusetzen: „Denn jetzt reihen sich die 500. Jubiläen zentraler reformatorischer Ereignisse aneinander, die nicht nur zum Gedenken einladen, sondern theologische und ethische Auseinandersetzung verdient hätten“, so der Professor für Systematische Theologie. Er beklagte das Fehlen eines Konzeptes, wie die „echte“ Reformationsdekade, die von diesem Jahr bis zur 500-Jahr-Feier des Augsburger Bekenntnisses von 1530 reiche, gestaltet werden könne.

Die Reformationsdekade von 2008 bis 2017 sei in einer beispiellosen Kooperation von Staat, Kirchen und zivilgesellschaftlichen Organisationen aufwändig inszeniert worden. Doch jetzt fehle es scheinbar an Ideen, Finanzen und der Bereitschaft, eine weitere inhaltliche Reformationsdekade umzusetzen. „Aber lohnen würde es sich allemal“, versicherte der Theologe etwa mit Blick auf die Bibelübersetzung Martin Luthers (1483-1546) auf der Wartburg und ihrem ersten Erscheinen in Buchform als „Septembertestament“ vor einem halben Jahrtausend.

Anlass der bundesweiten Lutherdekade war der legendäre Thesenanschlag von Martin Luther am 31. Oktober 1517 in Wittenberg. Das Ereignis gilt als Beginn der Reformation. Von 2008 bis 2017 waren zur Erinnerung an die Reformation in jedem Jahr inhaltliche Schwerpunkte definiert und in Form von Großveranstaltungen öffentlichkeitswirksam umgesetzt worden.

epd
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2 Antworten

  1. Das Vermissen des Reformprozesses nach den 500 jährigen Jubiläums -Feiern ist eine interessante sachlich Feststellung , die nicht nur bei schade, daß wars !, enden darf . Es wäre interessant, nach 500 Jahren in Erfahrung zu bring, wie weit die 95 Luther Thesen abgearbeitet wurden und als erledigt abgehakt werden können ?

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  2. Das 500-Jahr-Reformations-Jubiläum hat leider nicht zu einer erneuten Reformation der Kirche geführt, die dringend notwendig gewesen wäre. Insofern war das Ganze schlicht und einfach umsonst. Die Kirchen sind leider weiterhin auf dem steilen Weg abwärts, wenn es ohne Rückkehr zum primär Notwendigen bleibt: dem unverfälschten Inhalt der Heiligen Schrift und den daraus zu ziehenden Konsequenzen für Glaube und Lebenswandel.

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