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EKD in Frauenhand

Drei Frauen werden das Schiff, das sich evangelische Kirche nennt, in die Zukunft lotsen. Jürgen Mette findet die Besetzung passend.
Von Jürgen Mette
Jürgen Mette

Foto: PRO/Jürgen Mette

Jürgen Mette freut sich über die drei Frauen, die jetzt in der Kirche voran gehen

Drei taffe Frauen sollen künftig das EKD-Schiff durch die raue See navigieren:

vorbei an den Klippen der Aufarbeitung sexueller Gewalt innerhalb der Landeskirchen und der Diakonie,

dem fortgesetzten Mitgliederverlust den auferstandenen Jesus Christus entgegenpredigen

und das hohe Amt mit ganzer Hingabe und in bewusster Demut geistlich führen.

Anna-Nicole Heinrich als jüngste Präses in der EKD-Geschichte, leitet die Sitzung des hohen Kirchenhauses burschikos und sympathisch, wie seinerzeit Norbert Lammert den Bundestag, als hätte sie nie etwas anderes getan. Bei der Frisur unterscheidet sie sich deutlich von Lammerts verloren gegangenem Haupthaar: Sie trägt eine tolle Tolle. Sie ist nahbar, unkompliziert und tolerant gegenüber allen, die einen anderen Frömmigkeitsstil pflegen. Eine Type zwischen Kindergottesdiensthelferin und Klimaaktivistin, bereit, das höchste Kirchenparlament sanft aber beharrlich voranzubringen.

Eine Hoffnungsträgerin

Annette Kurschus wirkt nicht so, als hätte sie auf die Berufung zur Ratsvorsitzenden im ersten Wahlgang begehrlich gewartet. Aber sie verkörpert trotzdem das Paulus-Zitat: Wer ein Bischofsamt begehrt, der begehrt ein köstliches Amt! Als frühere Kirchenkreischefin von Siegen ist sie mit allen Ausprägungen evangelischer Frömmigkeit vertraut. Sie hat die gesegnet, die mit Blumen nach ihr geworfen haben, an denen die Töpfe noch dranhingen. Und es ihr Verdienst, dass der innerkirchliche Pietismus und manche CVJM-Gruppen nicht geistlich emigriert sind. Sie wird ihr Amt theologisch reflektiert und geistlich führen.

Sie ist eine Hoffnungsträgerin für die EKD. Da sie auch Mitherausgebende des evangelischen Magazins chrismon ist, erwarte ich mehr Evangelium in diesem Blatt, das mich nach der Lektüre oft kopfschüttelnd zurückgelassen hat. Sie ist eine gute Nachfolgerin von Heinrich Bedford-Strohm, der meiner Meinung nach von der konservativen Presse oft zu Unrecht gescholten wurde. Er war einer, der nicht grob besohlt daherkam. Er wird mir als die Verkörperung des Bildes von Jesaja 52,7 in Erinnerung bleiben:

„Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Boten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!“

Eine Frau, die vorangeht

Der neuen und dem scheidenden Ratsvorsitzenden wünsche ich ein Hören auf Gott und die Vollmacht, in seinem Namen das alte Evangelium auf zeitgemäße Weise zu leben und zu verkündigen.

Als Dritte im Frauentrio die charismatische Bischöfin Kirsten Fehrs als stellvertretende Ratsvorsitzende. Die Art und Weise, wie sie sich für das Versagen der Kirche bezüglich der Aufarbeitung sexueller Gewalt entschuldigt hat, hat mich tief beeindruckt. Auch diese Frau macht Hoffnung auf Kirche, die demütig zu den Menschen geht. Sie selbst wird nicht „vorsitzen“, sondern mit guten Beispiel voran „gehen“.

Und dann denke ich an die vielen Frauen, die ehrenamtlich treu und verbindlich die Gemeinden gestalten, die Altäre mit Blumen schmücken, die Räume mit Liebe und Kreativität fluten und so manche Männerwirtschaft in Kirchenvorstandssitzungen aufgemischt haben. Wenn Frauen im Kirchenvorstand mitarbeiten, kultivieren sie die Altherrenrunde so, dass mancher Spruch erst gar nicht das Gebiss der alten Männer verlässt.

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18 Antworten

  1. Ich schließe mich voll und ganz der Meinung von Jürgen Mette an, was die neue Ratsvorsitzende der EKD, Annette Kurschus betrifft. In einer ersten Radiomeldung nach ihrer Wahl wurde gesagt, sie würde sich politisch mehr zurückhalten als Bedford-Strohm. Und den Schwerpunkt mehr auf die Verkündigung des Evangeliums legen. Das halte ich für sehr klug, genau das braucht die EKD. Frau Kurschus ist eine begabte Predigerin des Wortes, nichts, was sie sagt, ist oberflächlich dahergeredet. Ich kenne sie noch von ihren theologischen Anfängen im Kirchenkreis Siegen. Ich hoffe sehr, dass diese körperlich eher kleine und zierliche Person, musisch begabt und aktiv als frühere Cellistin und Kantoreisängerin, unter der großen Last, die dieses Amt ohne Zweifel mit sich bringt, nicht zerbricht. Gott segne ihr Tun und gebe ihr viel Kraft im Spitzenamt der EKD!

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  2. Herr Mette scheint wohl in der Bibel übersehen zu haben, dass Gott der Frau andere Aufgaben zugedacht hat als die der Lehre und Führung gegenüber Männern. Daher sind alle drei Frauen Fehlbesetzungen, einfach weil ihre Berufungen nicht dem Willen Gottes entsprechen. Dass Herr Bedford-Strohm auf dem Tempelberg in Jerusalem als Botschafter Christi versagt hat, hat Herr Mette wohl schon vergessen. Und dass er mit dem Schiff im Mittelmeer vor allem das Geschäft der Schleuser anfeuert, da er ja die Menschen nicht rettet, um sie in ihre Herkunftsländer zurückzubringen, sondern sie nach Europa transportieren will, scheint Herrn Mette völlig gleichgültig zu sein. Herr Bedford-Strohm vermischte da leider auch Politik und Kirche.

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    1. Sie haben wohl etwas wesentliches übersehen.
      Es geht nicht um Mann oder Frau sondern um Kompetenz. Jesus macht auch keine Unterschiede.
      Schade, dass diese Haltung in unserer Kirche noch vorhanden ist.

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    2. Lutheranus.
      Sie sorgen sich, ob ich etwas in der Bibel überlesen habe.Solche Kritiken beginnen oft mit “Kennt der Bischof seine Bibel nicht!” oder “In meiner Bibel steht aber nichts von … !” Gehen Sie mal davon aus, dass HBS den biblischen Befund kennt. Darf ich Sie mal fragen, ob Sie möglicherweise Phil. 2,1-4 “überlesen haben?

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  3. “Wenn Frauen im Kirchenvorstand mitarbeiten, kultivieren sie die Altherrenrunde so, dass mancher Spruch erst gar nicht das Gebiss der alten Männer verlässt.”
    Achso, Frauen passieren keine verbalen Entgleisungen! Und Frauen können gar keine Vorurteile haben! Stimmt sogar – sie rutschen höchstens auf ihrer PC-Maus aus.

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  4. Juhu, jetzt ist der Feminismus endlich in der ev. Kirche angekommen, wo man hinschaut starke Frauen.
    Zu biblischen Zeiten saßen die alten Männer im Tor und regelten die Geschicke der Stadt, Männlichkeit und Alter hatten einen Stellenwert. Natürlich war das kulturell bedingt und selbst der Herr des Universums war dem unterjocht, ein schwerer Fehler, die Einsetzung von ausschließlich männlichen Apostel. Mal sehen ob die Männerwelt als Ganzes sich der Begeisterung von Jürgen Mette anschließen will, oder ob eine unerkannte Fluchtbewegung einsetzt, schaut man in die Versammlungen nimmt man einen Frauenüberschuss wahr oder sollte man sagen eine Absetzbewegung der Männer?

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    1. Stammtischbruder: Ja, die “biblischen” Zeiten. Ach wer bringt sie uns zurück? Da saßen die Männer im Tor und regierten die Stadt im Sitzen. Die Mädchen wurden von ihren Eltern so bald sie geschlechtsreif .verheiratet. Die Frauen hatten durchschnittlich 10 Kinder zu versorgen. Und der Herr des Hause sitzt im Tor und präsidiert.. schöne alte Welt.

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      1. ja die schöne neue Welt, da wird den Mädchen sobald sie geschlechtsreif sind die Pille verschrieben, mit 30 sind sie dann verbraucht und desillusioniert, wer will da noch Kinder bekommen ?
        Was für eine Errungenschaft, was für eine Entwicklung zum Guten. Von den Männer haben wir noch gar nicht gesprochen, Porno oder spielsüchtig verweigern sie sich der Fortpflanzung oder finden immer mehr Gefallen aneinander.
        Jetzt hab ich mich der Polemik angeschlossen, aber schönen Dank für den Versuch einer Entgegnung !

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        1. Eine Polemik könnte ja geistreich sein, aber was Sie einmal mehr präsentieren, ist nichts weiter als ein kulturpessimistisch, reaktionäres Geschwurbel. Das Horror-Bild, das Sie von heutigen Menschen zeichnen, ist schlicht Unfug… (“finden immer mehr Gefallen aneinander” – das ist empirisch völlig ungedeckt!) Übrigens hat schon Bonhoeffer für eine Anerkennung der Mündigkeit des modernen Menschen geworben und ein frommes Madigmachen abgelehnt! Wer Emanzipation, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung nur als antigöttlichen Verfall wahrnehmen kann, versteht die Moderne, die Demokratie und den Wert einer freiheitlichen Gesellschaft nicht.
          MfG

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    2. Zuerst: vielen Dank Herr Mette, Ihrem Kommentar kann ich nur zustimmen. Und er hat einige Herren dazu gebracht, sich so zu äußern, dass offensichtlich wird, wie seltsam ihr Denken ist. Natürlich ist die Bezeichnung “seltsam” eine Ehre für diese Herren, denn sie haben ja den Herrn auf ihrer Seite. Aber versteht hier irgendjemand die Kommentare von Stammtischbruder? Sollen sie ironisch oder polemisch sein oder denkt er ernsthaft so? Er kann sich jederzeit rausreden, dass das doch anders gemeint war. Das einzige was mir dazu einfällt: frauenfeindlich ist dieser Kommentar auf jeden Fall. Das wird er natürlich ablehnen, schließlich weiß er ja, welche Rolle Frauen vom Schöpfer zugedacht ist. Nur die Evangelisten haben etwas nicht verstanden, als sie davon berichten, dass Frauen die ersten Zeugen der Auferstehung waren und die Engel ihnen den Auftrag gegeben haben, den anderen zu berichten. Die Worte von Frauen zählen doch gar nicht, wie dumm also von den Evangelisten. Aber jetzt geh ich zurück an meinen Herd und Putzschrank, da gehör ich ja hin. Damit ich nicht schuld bin an der “Absetzbewegung der Männer” – für mich der absolute Höhepunkt der Äußerungen von Stammtischbruder, aber das ist sicher nur ironisch gemeint.

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  5. Danke ,Herr Mette, für den instruktiven und wohlwollenden Kommentar.
    Und den lautstarken Reaktionären hier haben Sie damit auch wieder einmal die Möglichkeit gegeben, die hässliche Seite des Glaubens zu präsentieren.
    Da weiß man, was man hat, und auch was man sicher nicht will!

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    1. Bevor ich Ihnen, Herr Carvalho; ein schönes Wochenende wünsche:
      Eine andere Meinung ist nicht gleich reaktionär und präsentiert auch nicht eine hässliche Seite sondern ist einfach ANDERS.

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      1. Aber die bestimmte Meinungen, die hier geäußert werden, sind reaktionär und präsentieren eine lebensfeindlichen und hässlichen Glauben. Es ist aber immer wieder amüsant, dass gerade diejenigen, die anderen die (bzw. ihre) einzig biblische Wahrheit um die Ohren hauen, eine pseudo-liberalen Diskurs anmahnen, wenn sie auf Widerspruch stoßen….
        MfG

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  6. Herr Mette und Carvalho scheinen zu vergessen, dass in der weltweiten Christenheit ihre Position nur eine Minderheitenmeinung ist. In Deutschland sehen die Mehrheiten anders aus, aber in weiten Kreisen ist die Ablehnung der Frauenordination eine verbreitete Einstellung. Mit Gehässigkeiten und Ironie wie in den Kommentaren ersichtlich verweigert man sich einem fruchtbaren Dialog unter Christen verschiedener Standpunkte.

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    1. Stammtischbruder kommentiert nicht gehässig und ironisch oder? Lutheranus und Kriti-Sir natürlich auch nicht, die sind alle ausgesprochen sachlich formuliert. Ich kann das nur nicht erkennen, woran das wohl liegt? Was bedeutet denn für Sie ein “fruchtbarer Dialog”?

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  7. Wenn wir es als Christen nicht schaffen in einem Ton und in ruhiger, sachlicher Weise uns mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen – wer sonst. Wir können Gott um Weisheit bitten. Kaum ein großer Mann in der Bibel ist ohne große Schuld gewesen. Aber liebevoll auf Versäumisse hinweisen ist voll in Ordnung.
    Bei so viel Hass in unserer Gesellschaft ist jeder und jede mutig, wenn sie ein öffentliches Amt übernehmen.
    Wir können für sie beten, wir können das positiv anerkennen, was wir sehen oder lesen.

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  8. Vielleicht sollte dem biblischen Leitsatz “An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen” größere Bedeutung beigemessen werden als Gemeindeordnungen, die nicht direkt auf den HERRN zurückgehen. Ansonsten müssten wir Frauen in der Gemeindeversammlung auch wieder den Schleier tragen.

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