Ein fröhliches Gesicht für die Kirche

Normalerweise gibt die Moderatorin Yvonne Willicks im Fernsehen Tipps für den Alltag. Aber die Katholikin kann auch den christlichen Glauben guten Gewissens empfehlen. PRO erzählt sie, warum sie sich um die Zukunft der Kirche keine Sorgen macht.
Von Johannes Blöcher-Weil
Die Moderatorin Yvonne Willicks möchte die Kirche an den Stellen prägen, wo sie kann.

Yvonne Willicks kann sich noch genau an die erste Begegnung mit Alfred Markfort im Religionsunterricht erinnern. Bis dahin hatte das kleine Mädchen mit Glauben und Religion wenig am Hut: „Ich wusste gar nicht, ob ich evangelisch oder katholisch war.“ Die Lebensfreude des Pfarrers und der Elan seiner monatlichen Schulgottesdienste sollten dies ändern. Seine Art, den Glauben zu leben, steckte Yvonne Willicks an. Irgendwann lud der charismatische Pfarrer sie und ihre Schwester in den Sonntagsgottesdienst ein.

Willicks ahnte nicht, wie sehr diese Einladung ihr weiteres Leben prägen würde. Was sie in der Gemeinde hörte, war relevant für ihr Leben. Hier konnte sie sich ausprobieren, Fragen stellen und den Glauben näher kennenlernen. Auch die Eltern wurden in der Gemeinde heimisch. Der Großteil des Familienlebens spielte sich bald dort ab. Die Familie erlebte hautnah, wie sich der Satz der Oma bewahrheitete, dass der liebe Gott alles fügt. Willicks war beeindruckt, wie Christen ihre Werte lebten und welche Freude und Zuversicht sie ausstrahlten.

Erfolg der Kirche nicht nur an Zahlen messen

Auch 40 Jahre später ist es ihr wichtig, ihren Glauben öffentlich zu bekennen und darüber zu reden. Wer daran Interesse hat, dem empfiehlt sie, sich mit der Bedeutung christlicher Feiertage zu beschäftigen: „Das hilft enorm, um die Grundlagen zu verstehen. Ich würde nicht gleich über die jungfräuliche Empfängnis diskutieren.“ Im katholischen Rheinland, wo Willicks heute lebt, falle ihr das leichter. An ihren vorigen Wohn- und Arbeitsorten in Hamburg oder Berlin sei sie für ihren Glauben oft nur milde belächelt worden.

Aktuell moderiert sie viele Sendungen für den WDR, unter anderem das Verbrauchermagazin „Servicezeit“. Dort wissen ihre Arbeitskollegen um ihren christlichen Hintergrund, sagt sie. In Hamburg und Berlin habe sie das seltener thematisiert, aber trotzdem versucht, ihre christlichen Werte zu leben. Sie hat den Kommunionsunterricht in der Gemeinde mitgestaltet und sich für eine konfessionelle Schule eingesetzt.

Auch ihr privates Glück hat die 55-Jährige der Kirche zu verdanken. Ihr heutiger Mann leitete einen Chor, in dem sie gesungen hat. Willicks wünscht sich eine mutige Kirche, die neue Wege geht, um den Glauben zu leben. Dass es die Institution seit zwei Jahrtausenden gibt, zeige, dass die Idee nicht ganz falsch sein könne. Dies habe der Heilige Geist ermöglicht. Allerdings nutze Kirche zu selten die Chance, Menschen mit ihrer Botschaft zu begeistern und zu erreichen.

Man dürfe nicht den Fehler machen, den Erfolg von Kirche an den Gottesdienstbesuchern zu messen, findet sie: Das Ergebnis wäre ernüchternd. Doch die biblische Botschaft werde auch in kirchlichen Kindergärten, Krankenhäusern oder der Caritas weitergegeben. Beeindruckt zeigt sie sich etwa vom 175. Geburtstag des Kolping-Werks vor wenigen Wochen. Dort habe sie eine bunte und fröhliche Kirche erlebt, die ihre Glaubensinhalte vermittelt. Es brauche nicht immer viele Menschen, um Impulse zu setzen: „Es reicht, wenn wenige für ihre Werte und Glaubensvorstellungen einstehen und den Glauben sichtbar machen.“ Obwohl die Zahl der Christen sinke, könnten sie immer noch das Salz in der Suppe sein. Sie verweist auf die Kölner St.-Agnes-Gemeinde, die jedes Jahr Gottesdienste an Rosenmontag feiere: mit guter Musik und ansprechenden Impulsen aus der Lebenswelt der Menschen: „Besucher werden gestärkt und kommen im nächsten Jahr gerne wieder.“ Diese Beispiele lassen sie hoffen, dass Glaube auch in Zukunft relevant bleibt.

Als ehrenamtliches Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken möchte sie dabei mithelfen, die Kirche zu öffnen und relevant zu bleiben. Gerade ist die Journalistin für eine zweite Amtszeit gewählt worden. Ihr geht es darum, Machthierarchien ab- und Vertrauen aufzubauen: „Wenn sich das nicht ändert, bleiben die Austrittszahlen hoch.“ Gerne bringt sie dafür auch ihre journalistische Kompetenz ein und moderiert viele kirchliche Veranstaltungen. Dabei möchte sie ihrer Kirche ein fröhliches Gesicht geben: kurzweilig und auf Augenhöhe. Eine ganz normale Alltagssprache wünscht sie sich auch für die Gottesdienste am Sonntag: „Die Priester sollten reden wie du und ich.“

Glaube gehört mitten ins Leben

Darüber hinaus ist sie Schirmherrin der Aktion „Nikolaus im Fahrerhaus“ der Katholischen Arbeitnehmerbewegung. An Nikolaus verteilt sie auf Rastplätzen an LKW-Fahrer aus aller Welt kleine Tüten mit Nikoläusen und Obst, um den Fahrern eine Freude zu machen: „Wenn ich sehe, wie viele Menschen sich hier ehrenamtlich einbringen, mache ich mir keine Gedanken, dass Deutschland komplett atheistisch wird.“ Aber auch im Gemeindeleben vor Ort in Kamp-Lintfort bringt sie sich ein, wenn sie gebraucht wird. Kirche brauche Identifikationsfiguren vor Ort: „Wenn ein Pfarrer sonntags zehn Gemeinden betreut, wird das schwierig.“ Wenn Kirche konfessionelle Schulen schließe, sei das schwer nachvollziehbar: „Das sind Räume, wo sie als erstes gebraucht wird, weil dort Bildung und religiöse Erziehung möglich sind.“

Natürlich hadere sie wie jeder andere mit Leid und Ungerechtigkeit: „In der Bibel gibt es ja genug Beispiele dafür. Selbst Jesus hat sich am Kreuz von Gott verlassen gefühlt. Aber ich weiß mich sicher in Gottes Hand.“ Sie hat nie daran gezweifelt, dass es Gott gibt und sie ihm vertrauen darf. Willicks ist überzeugt, dass Gott es gut mit den Menschen meint. Deswegen beeindrucke sie auch die Geschichte mit dem Zöllner Zachäus so, in der Jesus zeigt, dass er die Menschen so annimmt, wie sie sind.

Der Glaube gehört für Yvonne Willicks mitten ins Leben. Das wird auch in dem Buch deutlich, das sie geschrieben hat – „Glaube ganz einfach“. Vielleicht ist er auch eine Erklärung für die Lebensfreude, die sie ausstrahlt. Sie persönlich betrachtet es als Geschenk, dass ihr der Glaube Zuversicht gibt. Die Journalistin beobachtet, dass die Menschen sich nach Sinn und einer glaubwürdigen Botschaft sehnen. Willicks hofft, dass sie diese im Glauben finden, und möchte ihren Beitrag dazu leisten. „Christen können gute Vorbilder sein, wenn sie authentisch sind.“ Glaube biete zwar nicht immer schnelle und einfache Lösungen. Aber es lohne sich trotzdem, auf Gottes Zusagen zu vertrauen.

Yvonne Willicks: „Glaube ganz einfach. Eine persönliche Spurensuche“, Bonifatius, 200 Seiten, 18 Euro.

Yvonne Willicks (*1970) ist Fernsehmoderatorin und Buchautorin. Nach dem Abitur absolvierte sie die Meisterprüfung zur staatlich geprüften Hauswirtschafterin und war als Dozentin und Ausbilderin im Bereich Hauswirtschaft tätig. Seit 20 Jahren moderiert die verheiratete Mutter von drei Kindern verschiedene Verbraucher-Formate, unter anderem „Servicezeit“ und „Der Haushaltscheck mit Yvonne Willicks“ im WDR. Ehrenamtlich ist sie im Kolpingwerk und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) aktiv. Willicks hat kürzlich das Buch „Glaube ganz einfach“ im Bonifatius-Verlag veröffentlicht, in dem sie sich auf eine persönliche Spurensuche des Glaubens begibt. Auf ihrem Blog beantwortet sie Zuschauerfragen zu ihren Sendungen rund ums Thema Haushalt, Kochen, Einkaufen und Verbraucherschutz:    yvonnewillicks.de/blog

Der Artikel ist erstmals in der Ausgabe 4/2025 des Christlichen Medienmagazins PRO erschienen. Das Heft können Sie hier kostenlos bestellen.

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