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Die Zukunft der Kirche nicht pessimistisch sehen

Die Kirchen entwickeln eine merkwürdige Lust am Untergang. Dies beobachtet der Theologe und Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Johann Hinrich Claussen. In einem Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung schreibt er, warum sich die Kirchen liberaler und zugleich konservativer zeigen sollten.
Von PRO
Johann Hinrich Claussen hat sich in einem Gastbeitrag der Süddeutschen Zeitung Gedanken über die Zukunft der Kirchen gemacht

Foto: Michael Lucan, Wikipedia

Johann Hinrich Claussen hat sich in einem Gastbeitrag der Süddeutschen Zeitung Gedanken über die Zukunft der Kirchen gemacht

In Berlin sind nur noch 25 und in ganz Deutschland 55 Prozent der Menschen Mitglieder der beiden christlichen Volkskirchen – Tendenz fallend. Für Johann Hinrich Claussen, den Kulturbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland, führt dies für die Kirchen zu Herausforderungen und Konflikten. Das Ende des Christentums sieht er darin aber nicht.

In den 1950er Jahren sei die Gesellschaft fast vollständig von einem institutionell gebundenen Christentum durchdrungen gewesen. Die sinkenden Zahlen der Kirchenmitglieder seitdem sieht er als Normalisierung an. Trotz dieser Veränderung mahnt er zur Gelassenheit, auch wenn Religionssoziologen und Meinungsforscher in ihren Umfragen oft die Punkte betonten würden, an denen die religiöse Sozialisation nachlasse.

Laut aktueller Studien nehme der Glaube an die Trinität, die Schöpfung, den Gottessohn Jesus Christus und die leibliche Auferstehung beständig ab, schreibt der Theologe in seinem Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung. Claussen findet es jedoch fragwürdig, Christlichkeit an der Zustimmung zu einzelnen Lehrsätzen zu messen und den Glauben der Menschen so zu beurteilen.

Viele Kirchenmitglieder entsprechen nicht der Norm

„Auch die Fokussierung auf traditionelle Frömmigkeitspraktiken wie Gottesdienst oder Tischgebet führt dazu, dass eine theologisch und kirchlich definierte Christlichkeit als Norm aufgestellt wird, der schon die meisten Kirchenmitglieder nicht entsprechen“, schreibt Claussen. Dann aber wäre der Niedergang des Christentums der eigenen Definition geschuldet.

„Denn das medial verstärkte Untergangsreden bleibt nicht folgenlos“, folgert er. Obwohl viele Menschen der Kirche den Rücken kehrten, gebe es weiterhin Bedürfnis nach religiöser Orientierung. Die Meinungsforscher bestätigten sogar, „dass die Wertschätzung des Christentums als kultureller Kraft und Wurzel eigener Identität deutlich zugenommen hat“. Viele Deutsche blieben bewusst Mitglied in der Kirche, obwohl sie keinen sozialen Druck mehr dafür hätten.

Soziologische Erkenntnisse haben begrenzte Aussagekraft

Claussen bemängelt, dass Menschen abgewertet würden, die sich selbst der Kirche zugehörig fühlen, aber eben nicht allen Lehrsätzen zustimmen könnten. Das „Weihnachtschristentum“ falle oft aus dem Rahmen dessen, was als christlich gelten solle: „Die Kirchen wären sehr gut beraten, sich hier liberaler und zugleich konservativer zu zeigen. Denn sie bewahren ein Erbe der eigenen Kultur, indem sie es für die Zukunft öffnen und mit all denen teilen wollen, die sich wirklich dafür interessieren.“

Soziologische Studien lieferten zwar wertvolle Erkenntnisse, hätten aber nur eine begrenzte Aussagekraft: „Statistische Niedergangsszenarien kommen objektiv und unwiderlegbar daher. Allein aber eröffnen sie keinen offenen Blick auf das religiöse Leben der Gegenwart und der Zukunft“, schreibt Claussen und warnt davor, die Zukunft der Kirche zu pessimistisch zu sehen.

Von: Johannes Weil

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