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„Der Glaube ist die tiefe Grundlage unserer Ehe“

Hanna und Arno Backhaus feiern Ende August Goldene Hochzeit. In Eheseminaren geben der Evangelist und die Sozialpädagogin ihre jahrzehntelang gesammelten Erkenntnisse weiter. Auch einen Eheratgeber haben sie geschrieben. Doch ihr Anfang als Paar war schwierig.
Von Martina Blatt

Foto: PRO/Martina Blatt

Hanna und Arno Backhaus sind seit 50 Jahren verheiratet

PRO: Sie sind seit 50 Jahren verheiratet. Herzlichen Glückwunsch! Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an Ihre Hochzeit am 26. August 1972 denken?  

Hanna Backhaus: Mir fällt Glückseligkeit ein. Ich habe mir immer gewünscht, zu heiraten. Und das war ein Traum, der in Erfüllung ging. Damals wusste ich noch nicht, was alles auf uns zukommt. 

Arno Backhaus: Ich hatte keine schöne Kindheit mit meiner Mutter. „Jetzt bin ich endlich dem Druck meiner Mutter entronnen“ – das war mein erster Gedanke. 

In Ihrem Buch „Verliebt, verlobt, verheiratet, verschieden“ beschreiben Sie, dass es in den ersten Jahren Ihrer Ehe viel Streit gab. Daraus: „Ich, Arno, bin eher ein Freak, meine Frau eher eine Dame, das ist klar. Es braucht, bis man zusammenpasst.“ Welche Herausforderungen brachten diese Verschiedenheiten? 

Hanna Backhaus: Wir haben entdeckt, wo wir überall unterschiedlich sind, welch verschiedene Bedürfnisse und Erwartungen wir aneinander haben. Das war wie die Konfrontation eines Traumes mit dem wirklichen Leben. Mich hat das erst einmal erschreckt. 

Arno Backhaus: Mich hat das nicht erschreckt, sondern ich war Kämpfen und den Streit von meinen Eltern gewohnt. Und so habe ich auch mit Hanna gestritten. Sie wollte und konnte das aber nicht. Anfangs verstummte sie, wenn wir heftig stritten. Wir mussten das konstruktive Streiten erst lernen. Ich war damals noch nicht lange Christ gewesen und noch ziemlich kaputt. Ich musste vieles lernen, das brauchte ein paar Jahre. Schließlich habe ich aber gemerkt, dass nicht nur ich an mir arbeiten musste, sondern Hanna in einer anderen Weise auch an sich. Das hat mich ein bisschen getröstet, aber sie nicht unbedingt. 

Hanna Backhaus: Nein, weil ich den Lebensstilsatz hatte: „Ich bin schön lieb, dann werde ich geliebt.“ Und das hat in der Ehe nicht mehr ausgereicht. Ich war schockiert, dass man so viel an mir entdecken kann, was schräg und schief ist und womit man nicht auskommen kann. 

Herr Backhaus, was fanden Sie denn „schräg“ an Hanna? 

Arno Backhaus: Ganz viel. Sie hat ein ganz anderes Tempo und eine andere Einstellung zu Pünktlichkeit. Ich wurde mit Schlägen zu Pünktlichkeit erzogen und Hanna ist bei dem Thema freier – auf zehn Minuten kommt es ihr nicht an. Zudem war ich und mein ganzes Leben experimentell, auch musik- und kleidungsmäßig, ich war immer sehr bunt und grell: Ich habe einen Hippie-Mantel getragen, auf den Rücken mit Filzstift ein Peacezeichen aufgemalt und „Gib Jesus eine Chance“ draufgeschrieben. Und sie war ein ganz bescheidenes Blümchen im Hintergrund.

Hanna Backhaus: Ich kam aus dem christlichen Elternhaus und ich wollte den Glauben nicht so plakativ nach außen tragen, weil wir im Dorf oft dafür gehänselt wurden, dass wir Baptisten waren – also Außenseiter. Deswegen war ich ein bisschen scheu.

Wie haben Sie letztlich zu Einigkeit gefunden?

Arno Backhaus: Immer wieder streiten, diskutieren, auch miteinander weinen. Und dann? Ich war oft derjenige – das war auch einer der Streitpunkte –, der um Vergebung gebeten hat, sie weniger. Ich habe von Kindheit an immer Mist gebaut und musste ständig um Vergebung bitten. Es war für mich keine Hürde, das auch in der Ehe zu tun.

Hanna Backhaus: Ich suche oft die Schuld beim anderen. Ich stülpe ihm manches über, das ist heute noch mein Problem. Ich lerne die ganze Zeit daran, dass ich mich nicht in eine Opferrolle begebe.

Foto: privat
Hanna und Arno Backhaus heirateten 1972

Sie haben viele Jahre gebraucht, eine gemeinsame Sexualität zu entwickeln. In Ihrem Ehe-Buch schreiben Sie, Arno, dass Sie körperfeindlich erzogen wurden. „Sex hätte sich Gott sparen können“, war der unausgesprochene Leitsatz Ihrer Familie. Hanna, Sie wurden körperfreundlich erzogen: „Sexualität war Gottes größte Idee.“ Wie haben Sie körperlich zusammengefunden?

Arno Backhaus: Das frag ich mich auch. (lacht)

Hanna Backhaus: Für mich ist Sexualität in der Ehe ein tiefes Grundbedürfnis. Zumal ich ein Beziehungstyp bin. Als Kinder haben meine Geschwister und ich immer auch einen liebevollen Körperkontakt von unseren Eltern bekommen, wir wurden in den Arm genommen und getröstet.

Arno Backhaus: Der einzige Körperkontakt, den ich in meiner Kindheit erlebt habe, waren Schläge. Ja, ich wurde nie getröstet, nie in den Arm genommen.

Hanna Backhaus: Er hatte demzufolge eine völlig andere Erwartung als ich. Ich fühlte mich missachtet und konnte gar nicht nachvollziehen, wie man so wenig an Sexualität denken kann. Er wiederum konnte gar nicht verstehen, dass ich so etwas erwarte. Arno sagte: Das musst du mir wenigstens sagen. Und ich dachte: Dafür bin ich zu stolz.

Arno Backhaus: Sie hat mich manchmal überfordert, weil sie nichts gesagt hat. Ich habe ihre Bedürfnisse nicht erkannt. Das war ein beidseitiges Problem. Es hat lange, tiefe Verletzungen, tiefe Gespräche und Weinen gebraucht. Aber wir haben das nach 20 Jahren gut organisiert – obwohl „organisiert“ so hart klingt.

Hanna Backhaus: Es ist eine fließende Entwicklung. Das Bedürfnis hat sich ein Stück verändert beim Älterwerden. Jetzt verabreden wir uns und sind da sehr kompatibel. Wir regeln das über den Kopf, wir wollen das und schlafen dann miteinander, wenn wir beide Freude und Lust dazu haben. Ich bin damit sehr zufrieden. Auch, weil Arno eine Art hat, liebevoll mit mir und meinem Grundbedürfnis nach Gesehenwerden, Annahme und Treue umzugehen, und es stillt. Hier gilt der Spruch „Treue gibt der Entwicklung und Freiheit Raum“. Wenn man treu zusammensteht über viele Jahre, dann kann sich etwas entwickeln, was man sich am Anfang der Ehe nicht hätte vorstellen können.

Foto: privat
Hanna Backhaus bei ihrer Hochzeit 1972

Was empfehlen Sie für ein lebenslanges lebendiges Liebesleben?

Arno Backhaus: Ich finde das schwierig, weil sexuelle Erwartungen und Erfahrungen sehr unterschiedlich sind, auch der Ausdruck der Sexualität. In unseren Seminaren geben wir keine Pauschaltipps.

Hanna Backhaus: Jedes Ehepaar – und das wissen viele nicht – lebt und entwickelt eine ganz individuelle Sexualität im Laufe der Zeit. Viele denken: So, wie es uns durch die Pornoindustrie vorgestellt wird, muss es laufen. Aber das ist es nicht. Das führt uns weg von der Lebendigkeit der Ehe. Die Erwartung, dass sofort alles blühen muss in der Sexualität, ist einfach falsch. Ein Paar muss sich erst kennenlernen, muss streiten, sich austauschen und dann die Art der Sexualität entwickeln, die beiden entspricht. Das war auch unser Prozess. Ich glaube, dass diese individuelle, über die Jahre entwickelte Paar-Sexualität die Ehe über Jahrzehnte lebendig hält.

Arno Backhaus: Je mehr der Mann bereit ist, mit der Frau zu kommunizieren und zu reden, desto eher ist sie bereit, sich auch sexuell zu öffnen. Wenn er sich verschließt, verschließt sie sich sexuell. Hinzu kommt: Es gibt Paare, die sind schon mit 50 oder 60 Jahren sexuell abgewöhnt und leben damit gut. Den Druck, bis ins hohe Alter gemeinsam Sexualität haben zu müssen, finde ich merkwürdig. Wichtig ist auch Seelsorge und Therapie, wenn es dieser in bestimmten Fällen bedarf.

„Ich schätze an Hanna, dass ich mich unheimlich gut mit ihr unterhalten kann. Und ich schätze an ihr, dass sie sehr schön ist. Sie hat einen tollen Humor, ist fleißig. Und: Sie korrigiert und hinterfragt mich. Das schätze ich, auch wenn es nicht immer ganz leicht ist.“

Arno Backhaus

Welche weiteren Tipps haben Sie für Paare, die in die Ehe starten?

Hanna Backhaus: Einen Ehe-Vorbereitungskurs sollte ein Paar auf jeden Fall wahrnehmen und auch anderen Paaren Fragen stellen wie: Was hat euch zusammengehalten? Trotzdem ist es ein eigener individueller Weg, den jeder miteinander geht.

Arno Backhaus: Die ersten Jahre haben wir einmal im Jahr eine Ehe-Freizeit besucht und Ehebücher gelesen. Ein weiterer Tipp: Geduld, Humor – ganz viel Humor – und Dinge aufarbeiten.

Hanna Backhaus: Dazu kommt die Frage: Welche gemeinsamen Prioritäten bestimmen unser Leben? Das ist der Punkt, den man sich am Anfang der Ehe klar machen muss. Wer kommt an erster Stelle für uns beide? – Gott, Jesus, unser Glaube und dann der Ehepartner.

Arno Backhaus: Und noch ein allgemeiner Punkt: Frauen lieben Komplimente und Männer brauchen von der Frau Respekt und Achtung vor dem, was sie arbeiten und leisten.

Wie pflegen Sie Ihre Ehe?  

Arno Backhaus: Indem wir miteinander reden. Bei langen Autofahrten haben wir intensive, ungestörte Redezeiten. Wir fahren mit einem befreundeten Paar in den Urlaub und tauschen uns aus. Wir sind gemeinsam in der Gemeinde aktiv, haben einen Garten. Ehepflege ist gemeinsam zu arbeiten – nicht jeder für sich.

Hanna Backhaus: Daraus entwickeln sich gemeinsame Interessen und gleiche Ziele, die uns wirklich wichtig sind. Die Seniorenarbeit liegt uns zum Beispiel beiden mittlerweile auf dem Herzen. Das bereitet uns Freude. Wir geben gemeinsam Ehe­seminare, hören uns dann zu, erinnern uns immer wieder selbst an Sätze, die wir sagen.

Arno Backhaus: Unsere Enkel und Kinder wohnen über uns, auch das tut uns gut.  

„Arno ist treu geblieben und nicht auf Nebengleise gefahren. Er hat die Schwierigkeiten, die ich ihm als Frau gemacht habe, mit mir gemeinsam durchgestanden. Er ist sehr wertschätzend und sagt mir oft gute Dinge über mich. Ich spüre, ich bin für ihn einmalig und wertvoll.“

Hanna Backhaus

Was empfehlen Sie Paaren mit Kindern, um in ihre Ehe zu investieren?

Arno Backhaus: Wir empfehlen, die Kinder immer wieder wegzugeben, und Auszeiten nur für sich als Paar zu nehmen. Wir haben unseren Kindern früher immer gesagt, ab 21 Uhr ist das Wohnzimmer für uns reserviert. Wir haben sie zu Freizeiten geschickt, zu Freunden, um dann bewusst unsere Ehe zu pflegen. Den Kindern haben wir stets in unseren Familienkonferenzen gesagt: Wir müssen uns zuerst um uns als Ehepaar kümmern und als zweites um euch. Ihr seid nicht an erster Stelle, denn ihr werdet und müsst uns eines Tages verlassen. Wir bleiben zusammen.  

Hanna Backhaus: Wenn Arno von einer Reise wieder nach Hause kam, hat er bewusst mich zuerst begrüßt. Die Kinder müssen wissen: Wir als Paar sind die erste Priorität füreinander und wir lieben euch, aber ihr seid unsere Kinder, nicht ihr bestimmt hier den Alltag. Das gibt ihnen Sicherheit und ein Fundament für ihr Leben. Das ist heute wirklich ein Problem bei vielen, dass das nicht mehr so benannt wird.

Foto: SCM

Arno Backhaus ist Musiker, Aktionskünstler, Evangelist, Sozialarbeiter und Autor. Er begeistert sein Publikum seit mehreren Jahrzehnten mit humorvollen, aber auch ernsten und tiefgründigen Vorträgen und Predigten. Anfang der 1970er Jahre startete er mit Andreas Malessa als Duo „Arno & Andreas“ musikalisch durch.

Hanna Backhaus ist Sozialpädagogin mit einer Weiterbildung in Seelsorge und Lebensberatung. Sie arbeitet als selbständige Referentin, Seelsorgerin und Autorin. Für Vortragswochen und -wochenenden sowie Eheseminare ist das Paar deutschlandweit und darüber hinaus unterwegs. Gemeinsam haben sie den Ratgeber „Verliebt, verlobt, verheiratet, verschieden“ geschrieben. Die beiden 71-Jährigen haben drei Kinder und neun Enkel.

Welche Rolle spielt der Glaube in Ihrer Ehe?

Arno Backhaus: Der Glaube ist die tiefe Grundlage unserer Ehe. Wir sind im Hauskreis, im Gottesdienst, wir beten regelmäßig, lassen uns segnen und von Freunden aussenden, wenn wir einen längeren Dienst haben.

Hanna Backhaus: Wir ähneln uns, wie wir auf Gott hören, wie wir mit Beten und Bibellesen umgehen. Und wir freuen uns einfach an unserem Glauben, reden über das, was uns neu aufgeht. Er findet ganz natürlich in unserem Alltag statt.

Wie gehen Sie damit um, dass einer den anderen überleben könnte?

Arno Backhaus: Wir sprechen öfter über den Tod. In dem Kinderbuch „Frederick, die Maus“ sammelt das Tier im Sommer Farben und Worte, und als im Winter alles trüb ist, holt sie diese raus. Wir wollen wie Frederick, die Maus, die vielen schönen Erfahrungen, die wir haben, rausholen, wenn es trübe und traurig ist.

Hanna Backhaus: Wir üben Dankbarkeit ein für später. Und das wird dir, Arno, wahrscheinlich leichter fallen als mir.

Arno Backhaus: Wir gehen immer wieder auf Friedhöfe und überlegen, was auf dem Grabstein stehen sollte. Wir wollen auf jeden Fall in Schwarz-Weiß feiern: die Trauer und die Freude auf die Ewigkeit. 

Vielen Dank für Ihre Offenheit und das Gespräch.

Dieser Beitrag erschien zuerst in Ausgabe 4/2022 von PRO – das christliche Medienmagazin. Mehr zum Thema Ehe lesen sie in der Titelgeschichte dieser PRO. Sie können sie hier bestellen.

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3 Antworten

  1. Nicht der/die ideale PartnerIn, nicht die äußeren Bedingungen, nicht die Idealisierung einer ewigen Liebe sorgen für echte “Gold!”hochzeiten. Das ist eine Lebenserfahrung und taugt nicht für Poesiealben.
    Einer der für mich schönsten Kommentare zum Gelingen einer Ehe, den ich von Arno kenne, lautet ungefähr so: “Wir gehören noch zu den Leuten, die Dinge reparieren, wenn sie mal kaputt gegangen sind”. Oder so ähnlich. Danke dafür Arno, da ist eine ganze Menge dran.

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