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Der Club der bekehrten Dichter – Teil 2

Es scheint, als sei sein Repertoire unerschöpflich. Matthias Hilbert porträtiert in einem neuen Buch erneut den Lebensweg bedeutender Schriftsteller-Persönlichkeiten auf ihrem Weg zu Gott.
Von Johannes Blöcher-Weil
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Der Dichter Karl May

Foto: Erwin Raupp

Der Schriftsteller Karl May ist Bestandteil im neuen Buch von Matthias Hilbert, in dem es um Dichter-Bekehrungen geht

Für historisch und literarisch interessierte Menschen ist das neue Buch von Matthias Hilbert fast eine Pflichtlektüre. Der Autor hat wieder etliche Kurzporträts von Dichtern und Autoren verfasst, die ihren Sinn des Lebens bei Gott gefunden haben. Neben bedeutenden Persönlichkeiten wie T. S. Elliot und Blaise Pascal gehören dazu auch weniger gängige Namen wie die englische Schriftstellerin Dorothy L. Sayers.

Dieses Mal startet der pensionierte Lehrer Hilbert bereits in der Frühgeschichte beim Kirchenvater Augustinus, der eine Kehrtwende vom religiösen Skeptiker und Ketzer zum überzeugten Christen machte. Dass mit diesem Schritt nicht alle Probleme beseitigt sind, verdeutlicht die kurze Biografie. Trotz seiner Anfechtungen geht es Augustinus darum, Gott anzubeten und ihm für die Erlösung durch Jesus zu danken.

Etwas anders gelagert ist der Fall beim britischen Schriftsteller T. S. Elliot. Kaum ein Autor war zu Lebzeiten so verehrt und angesehen wie der Amerikaner. Seine frühen Werke sind eher von einem melancholischen und resignativen Grundton durchzogen. Seine Bekehrung vollzieht sich sukzessive. Der christliche Glaube hatte ihm die befriedigendste Lösung „seiner existenziellen und weltanschaulichen“ Fragen geboten.

Herausgeforderter Glaube im Dritten Reich

Hilbert gelingt es, seinen Lesern auch in diesem Buch ein lebendiges und differenziertes Bild der Protagonisten zu vermitteln. Er erklärt dabei, wie der Glaube die dichterische Arbeit der jeweiligen Autoren beeinflusst hat. Bei jedem seiner Protagonisten schaut er auch in Werke und bemüht Originalquellen, um seine Thesen zu stützen.

Spannend liest sich auch die Lebensgeschichte des protestantischen Dichters Willy Kramp. Hilbert zitiert hierzu aus Quellen, in denen Kramp als Heranwachsender an einem Zeltlager der Nationalsozialisten teilgenommen hat. Dort trifft er auf ein menschenverachtendes Menschenbild. Die Ängste der Nazizeit arbeitet Kramp in seinen Büchern auf. Sich selbst will er nicht als „Mann des Widerstandes“ sehen, da er lediglich um „Befreiung von diesem Übel“ gebetet habe.

Geläufiger dürfte den meisten Lesern der Name des Winnetou-Schöpfers Karl May sein. Geprägt von seiner „weisen und frommen“ Großmutter, ist er als junger Erwachsener hin- und hergerissen zwischen „positiven Taten“ und „destruktiven Verhaltensweisen“. Eine vierjährige Zuchthaus-Strafe hilft ihm bei der Resozialisierung. Es dauert allerdings, bis er zum Erfolgsschriftsteller avanciert. Seine Romane unterfüttert er auch mit moralischen Ansprüchen. Bis zu seinem Tod versteht er sich als Christ, auch wenn viele die „Echtheit“ seines Glaubens anzweifeln.

„Ein Genie begegnet Gott“

Die Bandbreite der beschriebenen Schriftstellerpersönlichkeiten ist groß. Der wohl prominenteste dürfte Blaise Pascal sein. Das Kapitel hat Hilbert mit den Worten „Ein Genie begegnet Gott“ überschrieben. Der Begründer der Experimentalphysik und „Erfinder“ der Wahrscheinlichkeitsrechnung war Zeit seines Lebens von Krankheiten und körperlichen Einschränkungen geplagt. Vor allem nach seiner Bekehrung möchte er „Gott wohlgefällig“ leben. Auch seine körperlichen Schmerzen vertraute er Gott an – „zu seiner Ehre und seinem Heil“.

Aber es lohnt sich auch ein Blick in die Lebensgeschichte der eher unbekannten Namen des Buches. So hatte sich der deutsche Rudolf Alexander Schröder mit 16 Jahren vom Glauben seines Elternhauses abgewandt. In privaten Schicksalsschlägen entdeckt er den Trost, den der christliche Glaube ihm bietet. Die Entmythologisierung und die liberale Theologie lehnte er ab. Er wisse nicht, warum die Geschichten der Bibel „zu frommen Zwecken ausgedachte Märchen“ missbraucht werden sollten.

Im letzten der 14 Porträts widmet sich Hilbert der norwegischen Nobelpreisträgerin Sigrid Undset. Die 1882 geborene norwegische Dichterin wuchs in einem agnostisch geprägten Elternhaus auf, das aber dem Protestantismus Achtung entgegenbrachte. Irgendwann in ihrem Leben erkennt sie, dass Jesus ein „religiöses Genie“ war und dass es mit ihm „mehr auf sich haben könnte“. Für sie hieß dies alsbald eine konsequente Nachfolge

Auch in dieser Ausgabe hat Hilbert wieder eine spannende Mischung an Namen zustande bekommen. Auf jeweils maximal 15 Seiten, aber trotzdem tiefgründig, erläutert der Autor, warum die Schriftsteller mit ihrer Lebensgeschichte noch eine Bedeutung haben sollten. Insgesamt ist es ihm gelungen, kurzweilig und im Kontext der Zeit ein abwechslungsreiches, wenn auch nicht ganz billiges, Büchlein zu schreiben. In Originalquellen kommen die Schriftsteller selbst zu Wort. Wer sich tief gehender mit der jeweiligen Person beschäftigten möchte, bekommt noch entsprechende Literaturtipps.

Matthias Hilbert: „Gottfinder. Dichter-Bekehrungen durch die Jahrhunderte. Vierzehn Dichterporträts“, 144 Seiten, 16,80 Euro, Steinmann, ISBN 9783927043831

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Eine Antwort

  1. Habe gerade Band I erstanden und freue mich schon auf die Lektüre. Eignet sich sicher auch gut, Referate zu unterfüttern. Hilbert ist’n Guter!

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