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„Der blinde Fleck 2022“: Darüber haben die Medien zu wenig berichtet

Nicht alle relevanten Nachrichten machen Schlagzeilen. Am vergangenen Freitag hat die Jury der Initiative Nachrichtenaufklärung die zehn wichtigsten Themen präsentiert, die aus ihrer Sicht in der medialen Berichterstattung zu kurz gekommen sind.
Von Johannes Blöcher-Weil
Große Auswahl an Zeitungen
Die Zeitungsredaktionen treffen täglich eine Auswahl an Nachrichten. Dabei fallen bestimmte Themen unter den Tisch und wurden im vergangenen Jahr zu wenig beachtet, findet die Initiative Nachrichtenaufklärung.

Viele Themen haben es im vergangenen Jahr nicht in die Nachrichten geschafft. Eine Jury wählt jedes Jahr diejenigen aus, die nicht ausreichend medial berücksichtigt werden. Unter den zehn Top-Themen, die vernachlässigt wurden, sind etliche soziale und ethische Probleme.

Die schleichende Abschaffung der Lernmittel-Freiheit ist für die Jury der Initiative Nachrichtenaufklärung eines der Top-Themen, das in der journalistischen Berichterstattung im vergangenen Jahr unter den Tisch gefallen ist. Die Lernmittelfreiheit soll garantieren, dass Schulbücher oder Übungshefte kostenlos bereitgestellt werden, damit Schulbildung nicht vom Geldbeutel abhängt. Mittlerweile gebe es schon vier Bundesländer, die keine Lernmittel-Freiheit für Schulbücher mehr hätten. Das für Menschen mit schulpflichtigen Kindern sehr relevante Thema finde kaum mediale Beachtung.

In den Medien thematisiert werden solle auch die hohe Zahl an Kindern und Jugendlichen, die Angehörige pflegten. Damit leisteten sie einen enormen Dienst für die Gesellschaft. Trotzdem fehle den 480.000 Kindern und Jugendlichen in der öffentlichen Diskussion eine Lobby, die für ihre Interessen eintrete und eine Überforderung der Minderjährigen vermeide.

Ein weiteres ethisches Thema ist aus Sicht der Jury die Palliativversorgung von Wohnungslosen. Viele der 417.000 Wohnungslosen müssten nicht nur ums Überleben, sondern auch um einen würdevollen und schmerzfreien Tod kämpfen. In einem Hospiz könnten sie nur mit einer Diagnose aufgenommen werden. Viele hätten aber Angst sich behandeln zu lassen oder gar keine Krankenversicherung.

Männerdomänen erschweren politischen Aufstieg

Bis zur aktuell aufgekommenen Debatte innerhalb der Partei „Die Linke“ lief auch das Thema „Sexismus in politischen Parteien“ unter dem Radar der Medienhäuser. Laut einer Studie hatten vier von zehn Politikerinnen schon Sexismus und Belästigungen erlebt. Das erschwere ihr politisches Engagement genauso wie „intransparente Nominierungsprozesse und sogenanntes Platzhirschgehabe“.

Zu wenig auf dem Schirm der Medien sei auch das Thema „Lücke im deutschen Gesundheitssystem: Unzählige Menschen nicht krankenversichert“. In Deutschland fielen rund 143.000 Menschen durch das soziale Netz der Solidargemeinschaft. Bürokratische Hürden und Gesetzeslagen verhinderten oftmals eine Versicherung bestimmter Personengruppen. Aufgrund mangelnder Berichterstattung sei vielen Menschen die Lücke im System nicht bewusst, heißt es vonseiten der Jury.

Außerdem in die Top 10 geschafft haben es die Themen „Aussterben der Schmetterlinge“, „Nachhaltige Bauinnovationen“, „Keine Macht den Räten? Betriebsrätemodernisierungsgesetz fast unbekannt“, „Nachhaltige Autobahn aus Asche“ und „Psychischer Missbrauch im Tanzsport“. Die Jury der Initiative Nachrichtenaufklärung setzt sich zusammen aus Wissenschaftlern, Journalisten sowie Rechercheuren. Sie veröffentlicht regelmäßig die Top Ten der vergessenen Nachrichten.

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3 Antworten

  1. Das ist ja schwer eine eingeschränkte Brille die diese Jury hat. Zu meinen vergessenen Top Ten gehören: der Hunger in der Welt; die schon viele Jahre dauernden Kriege wie Sudan, Jemen; der immer größer werdende Einfluss von China in der 3. Welt und dabei die immer schlechter werdende wirtschaftliche Lage in Afrika; Wasser als Risiko für Krisen in der Welt; die fortwährend asymmetrischen Konflikte wie Drohnen ab Ramstein usw. DAS sind Krisen, die vielmehr Einfluss auf das Weltgeschehen haben und damit auf uns wie deutsche B und C Probleme

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  2. Sicher ist es tatsächlich so, dass die Medien kurzatmig von Hype zu Hype, von Skandal zu Skandal springen, dafür andere wichtige Themenu nter den Tisch fallen.
    Ob aber diese hier genannten Themen “die zehn wichtigsten Themen” sind, das steht doch sehr in Frage. Mir kommt diese Sammlung sehr beliebig vor und scheint mir eher von den persönlichen Präferenzen der “Jury” gesteuert.
    Wer ist diese “die Jury der Initiative Nachrichtenaufklärung” denn eigentlich?

    Wenn es tatsächlich ein Thema gibt, das weitgehend von den Medien unterschlagen wurde, dann ist es doch das positive Engagement vieler Bürger in Kirchen, sozialen Initiativen, in Nachbarschaftshilfe, im Besuchsdienst in Krankenhäusern und in Gefängnissen, bei den Pfadfindern, im Naturschutz, Mutter-Kind-Initiativen, Schutz des ungeborenen Lebens, und viele andere engagierte, selbstlose und wertvolle Hilfe für unsere Mitmenschen.

    Dass aber viele Medien das Wahre, Gute und Schöne unter den Tisch fallen lassen um Aufmerksamkeit und “Clicks” stattdessen durch skandalisierende Berichterstattung zu erzielen, das ist der eigentliche ganz große Skandal der Medien.

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  3. Ein Thema, das ich persönlich interessant fände (ich weiß nicht, wie es anderen geht): Aufklärung über Psychiatrie. Ende letzten Jahres berichteten Medium nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung über den zeitweise sehr bekannten Kinderpsychiater Michael Winterhoff. Wenigstens da haben Medien mal wieder berichtet. Steckt hinter diesem Machtmissbrauch System? Welchen Einfluss hat die Pharmaindustrie? Müssen wirklich so viele Menschen Psychopharmaka schlucken? Wie wirken die Mittel, welche Neben- und Folgewirkungen gibt es, welche Entschädigungen hat die Industrie in den letzten 30 Jahren bereits gezahlt? Wie kommt von von Psychopharmaka wieder runter? Stimmt es, dass Menschen eine “Gehirnerkrankung” haben und es ein “chemisches Ungleichgewicht” gibt, dass mit Pillen ausgeglichen wird? Wie geht es Menschen nach Jahren und Jahrzehnten Psychiatriekontakt? Und wie geht es Betroffenen verglichen mit psychisch Leidenden in ärmeren Ländern, die fast ohne westliche Psychiatrie auskommen, z.B. Indien? (Interessanterweise laut Studien weitaus schlechter, trotz oder gerade wegen des intensiven Psychopharmaka-Gebrauchs, dass ja das “chemische Ungleichgewicht” eigentlich heilen soll. In Indien dagegen haben die meisten wenige Krankenphasen, die dann mit der Zeit selbst ausheilen.)
    Von der Psychiatrie sind inzwischen so viele Menschen betroffen, so vielen Menschen werden irgendwelche Diagnosen verpasst und leichtfertig Psychopharmaka verschrieben, dass das durchaus ein sehr relevantes gesundheitspolitisches Thema ist. Und ich vermute, dass das Thema auch viele Menschen interessiert. (?)

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