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Meinung

Das Neue Testament im Magazinformat

Oliver Wurm hat das Neue Testament als Magazin herausgebracht. Mit vielen künstlerischen Elementen und teils herausfordernder Bebilderung versucht das Magazin Leser auf einer neuen Ebene abzuholen.
Von PRO
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Bibel als Magazin – Neues Testament Foto: pro/Jonathan Schradi
Der gekreuzigte Jesus als Titelfoto des Neuen Testaments als Magazin

„Das Neue Testament als Magazin“ ist ein experimentelles Format des Journalisten und Medienunternehmers Oliver Wurm, herausgegeben vom Katholischen Bibelwerk. Laut der eigenen Website www.bibelalsmagazin.de ist die Idee hinter dem Magazin, den vollständigen Text des Neuen Testaments nach katholischer Einheitsübersetzung kunstvoll und typographisch in Szene zu setzen. Ein Teil des am weitesten verbreiteten Buches der Welt, soll hier den Menschen in ganz unkonventionellem Format und „ohne Barrieren“ zugänglich gemacht werden.

Wurm hatte bereits 2011 eine Magazin-Version des Neuen Testaments entwickelt. Vor zwei Jahren brachte er das Grundgesetz in diesem Format heraus.

Zentrale Aussagen hervorgehoben

Vor jedem biblischen Buch wird auf einer Seite in den Text eingeführt. Ähnlich den Studienbibeln werden Angaben zu Verfasser, der Abfassungszeit und der Thematik des Buches auf einer Seite zusammengefasst. Mit der Einheitsübersetzung erwartet den Leser ein Text in gehobenem Gegenwartsdeutsch, der leicht verständlich ist.

Durch ein farbliches Register kann der Leser einfach zwischen den verschiedenen Oberkategorien des neuen Testaments auswählen. So sind beispielsweise die vier Evangelien in Grün gehalten, die Apostelbriefe in Violett, die Offenbarung in Schwarz. Für einen genauen Überblick sorgt dann das Inhaltsverzeichnis am Anfang. Die Seitenzahlen sind leider auf den ersten Blick etwas schlecht zu entdecken, da sie sich am oberen Seitenrand zum Falz hin befinden.

Die Bibeltextseiten haben immer eine helle Hintergrundfarbe. Dadurch ist der Text darauf angenehm lesbar. Einzelne Absätze sind mit Überschriften versehen. Somit wirkt es sehr aufgeräumt. Allerdings schiebt der Autor immer wieder Verse durch veränderte Schriftgröße ein. Dadurch sollen besonders zentrale Botschaften, zum Beispiel zur Person Jesu, hervorgehoben werden. Durch die einladende Typografie fällt es möglicherweise auch Nichtchristen leichter, sich mit der Botschaft des Evangeliums zu befassen. An einzelnen Stellen sind die Seiten sogar durchgehend mit riesigen Buchstaben bedruckt. Das stört allerdings den Lesefluss und wirkt unruhig, fast schon aufdringlich.

Einen ausgesprochen interessanten Service bieten die 16 Seiten Infografiken am Ende des Magazins. Sie liefern mit verschiedensten Diagrammtypen, Grafiken und Symbolerklärungen, sowie sinnvoller Farbgestaltung wertvolles Hintergrundwissen. Die Verfügbarkeit der Bibel in den Sprachen der Welt, die Zehn Gebote oder ein Verzeichnis über die Frauen des Neuen Testaments sind nur einige davon.

Problematische Bilder

Das mit 354 Seiten stattliche Magazin wirkt durch Hochglanz-Cover, neongrüne Beschriftung und Magazinrücken sehr auffällig. Den Einband ziert die fotographische Darstellung eines jungen Mannes, dessen Hände mit schwarzen Ledergürteln an einem Holzbalken befestigt sind. Mit verzweifeltem Blick wendet er sein Gesicht nach oben. Die Bedeutung ist schnell klar: Jesus Christus hängt am Kreuz. Das weckt Aufmerksamkeit. Die Hauptfigur des Neuen Testaments auf der Titelseite – so gehört es sich für ein Magazin. Gleichzeitig schreit die große Darstellung eines jungen Mannes am Kreuz geradezu nach einem Vergleich mit dem eigenen Jesusbild.

Dieses und auch die anderen 20 Fotos im Bibel-Magazin stammen aus dem Film „Jesus cries“ von Regisseurin Brigitte Maria Mayer aus dem Jahr 2015, der die Jesus-Geschichte in die Gegenwart holt. Jesus wirde darin gespielt von Sabin Tambrea. Teilweise stimmen diese Bilder aber nicht mit der biblischen Beschreibung überein. So ist die Kreuzigung Jesu mit nur einem statt mit drei Kreuzen dargestellt. Zudem macht es die einheitliche, moderne Geschäftskleidung der Personen schwierig zu erkennen, um welche biblische Szene es sich tatsächlich handelt. Tatsächlich verwirren solche Bilder aber eher und sind keine hilfreiche Ergänzung zum Bibeltext.

Das Neue Testament in Form eines Magazins soll sich wohl eher an ein Publikum richten, das leichten Zugang zur Bibel sucht. Wer nicht an tiefem Bibelstudium interessiert ist, eher kursorisch in einzelnen Abschnitten herumblättern will und eine farblich sowie typografisch frische Gestaltung des Evangeliums wünscht, der könnte mit dem Magazin das richtige Medium gefunden haben. Wer die Bibel an Frischbekehrte, Konfirmanden, zu Evangelisationszwecken verteilen oder selbst vertieft darin lesen will, sollte jedoch lieber die Buchform bevorzugen – ohne Bilder und typografische Finessen, die bei der Lektüre die Wahrnehmung lenken.

Von: Jonathan Schradi

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Eine Antwort

  1. Nachdem vor etlichen Monaten schon eine Bibel in Zeitungsform neu a. d. Markt kam,ist es genauso gut , auch bibl. Texte in einer neuen Revue abzudrucken. Nur müssen die abgedruckten Bibeltexte auch Bibel treu und nicht in aller modernster Gender gerechter Sprache veröffentlicht werden. Wenn mit dieser neuen Bibel in “Zeitschrift Art” auch wieder Bürger zum Lesen der Bibel, neu oder auch nur wieder gewonnen werden,
    kann die Idee der Redakteure nur gut sein, danke und eine frohe Osterzeit !

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