„Das Musical hat mir auf meinem eigenen Glaubensweg geholfen“

15.000 Menschen haben die Uraufführung des Musicals Judith in der Dortmunder Westfalenhalle gesehen. PRO hat mit Texter Kevin Schröder gesprochen, der bei der Entstehung des Stücks selbst wieder zurück zum Glauben gefunden hat.
Von Johannes Blöcher-Weil
15.000 Zuschauer hat das Musical Judith am vorvergangenen Wochenende in seinen Bann gezogen

Wie kam die Zusammenarbeit mit der Stiftung „Creative Kirche“ zu „Judith“ zustande?

Kevin Schröder: Die „Creative Kirche“ wollte gerne die Schöpfungsgeschichte thematisieren. Das Stück sollte aber auch die modernen Themen unserer Zeit, wie die Bewahrung der Schöpfung und den Klimawandel aufgreifen. Diesen Themenkosmos haben wir gemeinsam betreten und ich durfte alles umsetzen – was nicht immer leicht war.

Wie sind Sie weiter vorgegangen?

Ich wollte den Menschen ein unterhaltsames und sinnliches Theatererlebnis bieten und nicht die abendliche „Tagesschau“ auf die Bühne bringen. Es war spannend, das mit dem biblischen Kontext zu koppeln. Die Hauptprotagonistin des Stückes hat zwar einen biblischen Namen, aber der ist für den Inhalt nicht relevant. Die „Creative Kirche“ hatte bei einem Vorgänger-Stück eine Umfrage unter den Zuschauern gemacht. Dabei kam heraus, dass besonders die jüngeren Zuschauer, eher pessimistisch und mit Angst in die Zukunft blicken. Das sollte das Stück thematisieren und daraus ist die Hauptfigur der Geschichte entstanden. Die junge Frau Judith muss mit den Konflikten in Familie und Umfeld umgehen. Das verunsichert sie zwar, aber sie findet ihren Weg zum Glauben an Gott und an die Zukunft.

Wie sieht Ihr eigener Bezug zum christlichen Glauben aus?

Für mich kam die Anfrage zu diesem Stück zu einem interessanten Zeitpunkt. Vor etwa zwei Jahren war ich auf meinem eigenen Weg zum Glauben. Ich hatte begonnen, wieder in der Bibel zu lesen, mich mit unterschiedliche Auslegungen, gerade auch der Schöpfungsgeschichte zu beschäftigen und hörte wieder öfter Predigten zu. Durch „Judith“ habe ich mich dann natürlich noch intensiver mit der Schrift und dem Glauben beschäftigt und bin Gott in dieser Zeit wieder sehr viel nähergekommen. In gewisser Hinsicht spiegelt Judiths auch meine Reisen wider.

Kevin Schröder Foto: Privat

Kevin Schröder

Kevin Schröder schreibt seit fast 20 Jahren Buch- und Liedtexte für verschiedene Musicals. Er war ursprünglich nach seiner Schauspiel-, Tanz- und Gesangausbildung selbst Musicaldarsteller. Zu seinen bekanntesten Werken zählen so unterschiedliche Stücke wie Fack Ju Göhte, Robin Hood oder Frankenstein. Außerdem schrieb er die deutschen Texte für viele große Broadway Musicals wie Disneys Die Eiskönigin oder Aladdin, aber auch für andere Titel wie Sister Act oder Hamilton. Das Stück „Judith“ war sein erstes Stück im Auftrag der „Creativen Kirche“.

Was begeistert Sie persönlich an der Schöpfung?

Die Schöpfung ist größer als alles, was wir uns menschlich ausdenken oder begreifen können. Ich bin in meiner Arbeit ja oft „im Kopf“. Nichts holt mich dort so sehr heraus wie das Staunen über all das, was uns umgibt. Die Texte der Bibel dazu haben mich schon lange vor „Judith“ fasziniert, weil in ihnen eine unglaubliche Tiefe und Wahrheit steckt. Durch die zwei Schöpfungsberichte der Bibel gibt es ja schon zwei unterschiedliche Perspektiven, die dann auch noch auf sehr vielfältig Arten ausgelegt werden. Sich damit zu beschäftigen, ist ein Geschenk und deswegen war mir dieses Projekt auch so wichtig.

Das heißt, Sie haben vor zwei Jahren mit dem Texten begonnen?

Vor zwei Jahren haben sich alle Beteiligten zum ersten Mal getroffen: die Musiker, die Texter und die Vertreter der „Creativen Kirche“. Danach habe ich am Buch gearbeitet. Nicht durchgängig, weil ich mich natürlich auch immer mit den anderen Gewerken abstimmen musste und weil es auch Pausen braucht, um wieder einen frischen Blick darauf zu haben.

Welche Antworten gibt das Stück im Blick auf den Umgang mit der Schöpfung?

Die Schöpfungsgeschichte klingt groß, erhaben und philosophisch. Aber ich wollte eine menschliche emotionale Geschichte erzählen. Judith muss mit ganz unterschiedlichen Konflikten und verschiedenen Standpunkten in ihrer Familie umgehen. Der Schluss sollte nicht zu moralisch und erwartbar sein. Ich persönlich empfinde, dass es gerade bei vielen Themen in unserer Gesellschaft tiefe Gräben gibt. Diese sollten durchaus miteinander konkurrieren ohne das Gegenüber zu verurteilen.

Die Figuren tragen die Konflikte aus und versuchen am Schluss, einen gemeinsamen Weg zu finden. Das ist für mich das wichtigste Anliegen dieses Stücks. Wir Menschen müssen uns wieder mehr zuhören, um gemeinsam unsere Probleme zu lösen. Das Musical sollte nicht Antworten auf den Klimawandel geben, das wäre für solch einen Abend zu viel verlangt, aber die Geschichte mit ihren verschiedenen Perspektiven sollte helfen, wieder zusammenzufinden, um, in all unsere Vielfalt, gemeinsam voll Hoffnung in die Zukunft zu blicken.

Wie können wir denn die Gräben in unserer Gesellschaft zuschütten?

Ein Titel des Stückes heißt „Hör zu!“. Das finde ich enorm wichtig, auch anderen Meinungen zuzuhören. Natürlich sind Klima- und Umweltschutz eng mit dem biblischen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung verbunden. Andererseits ist es aus christlicher Sicht auch eine gefallene Schöpfung, deren Erlösung nicht in ihrer Rettung liegt, vor allem nicht durch uns Menschen. Wir bewegen uns im Spannungsfeld: Einerseits ist der Auftrag zur Verantwortung da. Andererseits dürfen wir auch darauf vertrauen, dass nicht alles in unserer Hand liegt.

Welchen Wunsch verbinden Sie mit der Tournee, die nächstes Jahr im Januar startet?

Ich hoffe, dass die Tournee eine ähnliche Wirkung wie die Premiere hat, indem alle Beteiligten mitgenommen werden und über das Gehörte reden. Ich möchte mit diesem Stück sowohl Christen als auch Menschen, die mit Gott und dem Glauben Berührungsängste haben, zusammenbringen. Gerade über die Schöpfungsgeschichte herrschen bei vielen Nichtgläubigen auch oberflächliche Halbwahrheiten. Ich habe mich bemüht, den biblischen Inhalt nicht im Sinne von Hollywood weichzuspülen und gleichzeitig über die Tonalität und die Ehrlichkeit der Konflikte auch die Leute zu erreichen, die sonst vielleicht nicht unbedingt zu christlichen Veranstaltungen gehen.

Kann das Stück ein Türöffner für die biblische Botschaft sein?

Das hoffe ich sehr. Wenn ich an meine eigene Geschichte in den letzten zwei Jahren denke, kann es sogar mehr als ein Türöffner sein. Wir hoffen, dass es mit dem Stück gelingen kann, diese Erzählung ins Publikum zu bringen. Das würde mich sehr freuen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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