Das christliche Medienmagazin

„Das ist Beihilfe zur Aufplusterei“

Der Journalist Heribert Prantl hat Medien zur Zurückhaltung bei Ereignissen wie neulich in Amberg aufgefordert, nachdem betrunkene Asylbewerber Passanten geschlagen hatten. Die Berichterstattung über angebliche „Bürgerwehren“ sei „Beihilfe zur Aufplusterei“.
Von Nicolai Franz
Heribert Prantl leitet das Meinungsressort der Süddeutschen Zeitung
Heribert Prantl leitet das Meinungsressort der Süddeutschen Zeitung

„Die Lust auf Erregung und Aufblasen, was wir als Medien machen, ist Beihilfe zur Aufplusterei“, sagte der Journalist von der Süddeutschen Zeitung am Samstag dem Deutschlandfunk. Als Folge einer Schlägerei am Amberger Bahnhof habe die NPD erklärt, „Bürgerwehren“ in die oberpfälzische Stadt geschickt zu haben. „Vier Hampel laufen da in Warnwesten für eine halbe Stunde rum und wir machen eine Aufregung daraus, als wäre dort ein Bataillon von Neonazis aufmarschiert.“ Damit würden Medien der NPD zu einer Bedeutung verhelfen, die sie nicht habe. Prantl forderte Medienverantwortliche zur Zurückhaltung und Maßhalten auf.

„Twitterei“ nicht zu ernst nehmen

In der Medienlandschaft verschärfe sich der Kampf um Aufmerksamkeit. Dabei komme die Verhältnismäßigkeit unter die Räder. Journalisten sollten sich „dreimal überlegen“, ob sie zu Skandalisierungen greifen sollten, so Prantl. Oft werde „eine winzige Teilmenge der Wirklichkeit“ so aufgeblasen, dass der Eindruck entstehe, so sei das große Ganze. Ein entscheidender Faktor bei der Erregung um einen Vorfall sei die Ungewissheit darüber, was wirklich geschehen sei. Gerade bei großen Anschlägen werde das deutlich.

Zudem forderte Prantl, die „Twitterei nicht zu ernst zu nehmen“. Diese werde überbewertet, zumal viele Informationen dort unwahr seien. „Eine meinungsstarke Minderheit bekommt darin eine Aufmerksamkeit, die sie in dieser Fülle nicht verdient.“ Andererseits erhielten andere Ereignisse nicht die nötige Aufmerksamkeit. Als Beispiel nannte Prantl den „Jahrhundertskandal“ der Überwachung von Regierungen und Bürgern durch die NSA. Anders als bei Terroranschlägen fehlten dazu nämlich die aussagekräftigen Bilder.

Von: Nicolai Franz

Ihr Beitrag für christliche Werte in den Medien
Bei PRO sind alle Beiträge frei zugänglich und kostenlos - und das wird auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden.

Wir arbeiten in der PRO-Redaktion jeden Tag dafür, Ihnen solide Informationen zu liefern über Themen, die Sie interessieren.

Nur mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin den christlichen Journalismus bieten, den Sie von PRO kennen.

Viele PRO-Leser helfen schon mit. Sind Sie dabei?

Schreiben Sie einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien. Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden.

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen