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Corona: Journalist Prantl enttäuscht von seiner Kirche

Der katholische Journalist Heribert Prantl ist enttäuscht davon, wie sich seine Kirche zu Beginn der Corona-Pandemie präsentiert hat. Er habe sich allein gelassen gefühlt.
Von PRO
Heribert Prantl ist Journalist und Katholik. Er leitete unter anderem mehrere Jahre das Meinungsressort bei der Süddeutschen Zeitung.

Foto: pro/Nicolai Franz

Heribert Prantl ist Journalist und Katholik. Er leitete unter anderem mehrere Jahre das Meinungsressort bei der Süddeutschen Zeitung.

Er sei noch nie so enttäuscht von der Kirche gewesen wie zu Anfang der Corona-Pandemie, sagte der Journalist Heribert Prantl vergangenen Freitag im Interview von domradio.de. Prantl bezog sich in dem Gespräch vor allem auf die katholische Kirche und bezeichnete deren Haltung zu Beginn der Krise als „kleinmütig, zurückhaltend, zu wenig, phantasielos“. Mittlerweile feiere man Gottesdienste unter freiem Himmel. Doch warum sei das nicht schon zu Beginn der Pandemie getan worden, fragte der Journalist.

Um Covid-19 einzudämmen, hatten die Bundes-und Länderregierungen Anfang März vorübergehend verfügt, dass religiöse Zusammenkünfte wie in Gottesdiensten verboten sind. Anfang Mai lockerte sich das Verbot vielerorts und Gottesdienste und andere religiöse Zusammenkünfte durften unter strengen Hygiene-Auflagen wieder stattfinden. Viele Gemeinden begegneten dem vorübergehenden Versammlungsverbot auf kreative Weise und veranstalteten zum Beispiel Online-Gottesdienste. Einige Kritiker hielten den Beschluss der Bundesregierung jedoch für übertrieben. Auch Prantl selbst äußerte sich im April dazu und bezeichnete das Verbot als „ungeheuerlich“ und als einen Eingriff in die Religionsfreiheit.

Freiluft-Gottesdienste als „gute Möglichkeit“

Im Interview von domradio.de warf der katholische Journalist seiner Kirche nun vor, man habe die Gläubigen zu Beginn der Krise allein gelassen. Am ersten Sonntag des Versammlungsverbots habe er an der St. Ludwig-Kirche in Berlin lediglich die Nachricht „Wegen Corona geschlossen.“ ohne jegliche Erklärung vorgefunden. Es habe nichts gegeben, „was ein Ersatz hätte sein können für einen Gottesdienst oder das Nachdenken, das Beten zu unterstützen“. Prantl glaubt, mit der „phantasielosen“ Reaktion der Kirche sei die Distanz der Menschen zur Institution Kirche gewachsen.

Mittlerweile habe er Gottesdienste im Freien erlebt, bei denen man Singen dürfe und auf eine Maske verzichten könne. „Ich habe mir gedacht: Das ist doch eine Möglichkeit, und ich verstehe es nach wie vor nicht, warum Handreichungen für solche etwas ungewöhnlichen Aktionen in merkwürdigen Zeiten nicht viel stärker und nicht viel zahlreicher sind“, sagte Prantl.

Von: Swanhild Zacharias

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