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Computerspielsucht: Eine Mutter berichtet

„Für die meisten Kinder ist offline sein echt schlimm. Viele können sich kaum entspannen und denken nur an eines: Wie komme ich wieder online?“ Ulrike Wolpers hat erlebt, wie die Computerspielsucht ihres elfjährigen Sohnes aussah und hat über das Thema ein Buch geschrieben.
Von Jörn Schumacher
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Die dreifache Mutter Ulrike Wolpers hat ein Buch geschrieben über die Computerspielsucht ihres elfjährigen Sohnes

Ihr Sohn habe durch Käufe innerhalb dieser Apps Hunderte von Euros ausgegeben, er spähte Passwörter aus, um die „In-App-Käufe“ auf dem Smartphone zu aktivieren und schmuggelte die Konsole nachts in sein Zimmer und spielte: Die 49-jährige Ulrike Wolpers berichtet im Interview mit der Tageszeitung Die Welt von der Computerspielsucht ihres elfjährigen Sohnes Lenny. Die Wissenschaftsjournalistin und dreifache Mutter aus Köln hat ein Buch zum Thema verfasst, das den Titel trägt „Mein fremdes Kind“.

„Eine dreiviertel Million Kinder und Jugendlicher sind Experten zufolge aktuell von der Computerspielsucht betroffen, Tendenz: steigend“, berichtet die Welt. Zudem besäßen mittlerweile 93 Prozent der Zwölf- bis Siebzehnjährigen ein Smartphone. Ulrike Wolpers’ Sohn zockte Computerspiele wie „Fortnite“ bis tief in die Nacht, schließlich musste die Familie einsehen: Der Elfjährige ist süchtig.

„Technischer Jugendschutz ist wichtig“

Der Junge hatte binnen weniger Wochen ein echtes Suchtverhalten entwickelt. „Immer wieder überschritt er seine erlaubte Mediennutzungszeit, nahm heimlich das Handy seiner Schwestern, wenn das eigene konfisziert war, versuchte, Passwörter auszuspähen, verzockte Geld bei In-App-Käufen“, sagt Wolpers.

Sie bemerkte erstmals etwas von der Sucht ihres Sohnes, als dieser an Halloween eine Nacht lang „Fortnite“ mit seinen Freunden spielen wollte. Die Mutter verbot ihm das und wollte, dass er um 21 Uhr den Computer ausschaltete. „Er war so verzweifelt, dass er körperlich und seelisch zusammenbrach. Er schwitzte, wurde ganz fahl im Gesicht, die Augen waren starr. Er wütete herum.“ Der Mutter sei an diesem Tag klar geworden: „Mein Sohn war wie ferngesteuert – die Spiele hatten die Kontrolle über ihn übernommen.“

Im Nachhinein sieht sie einen Fehler darin, dass ihr Sohn im Alter von zehn Jahren ein eigenes Smartphone bekommen habe. „Ein internetfähiges Smartphone empfehlen Experten erst ab zwölf“, sagt Wolpers, „aber die allermeisten Kinder haben ja schon früher eines.“

Die Autorin warnte vor Spielen wie „Brawl Stars“, bei denen suchtfördernde Elemente des Glücksspiels eingesetzt würden, um die Kinder so lange wie möglich im Spiel zu halten. Das seien zum Beispiel Schatzkisten mit Waffen, Schätzen oder Gegenständen, die man als Belohnung für langes Spielen erhalte. „Die Game-Entwickler bedienen ja gezielt die Glückshormone beim Spielenden. Die hacken quasi die Psyche der Kinder, aber auch der Erwachsenen.“

Ihr Sohn habe nun einen Therapeuten. Doch auch die Eltern trügen Verantwortung, sie müssten kontrollieren, wie lange das Kind online ist oder spielt. Wolpers rät: „Technischer Jugendschutz ist wichtig, um die Gesundheit unserer Kinder zu schützen – genauso wichtig wie gesunde Ernährung. Ich investiere jede Woche zwei bis drei Stunden für die Kontrolle und Update der Sicherheitseinstellungen und Recherche. Mein wichtigster Tipp ist: Kontrollieren Sie einfach direkt den Router.“

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