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Chinas Kommunisten werben in der FAZ

China kämpft für ein besseres Image in der Welt. An einer ganzseitigen Anzeige in der FAZ lässt sich studieren, wie die Kommunistische Partei dabei vorgeht. Menschenrechte sind dabei kein Thema.
Von Jonathan Steinert
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China Flagge
Die „Rote Fahne“ wurde als chinesische Nationalflagge am 1. Oktober 1949 das erste Mal gehisst

Nur wenige Länder legen so viel Wert darauf, wie sie in anderen Ländern wahrgenommen werden, wie China: „Öffentliche Diplomatie“ spielt eine zentrale Rolle für die diplomatische Strategie Chinas, schreibt Ingrid d’Hooghe, Forscherin am niederländischen Leiden Asia Center in ihrem Buch „China’s Public Diplomacy“ von 2015. Hinter diesem Konzept steht das Bemühen eines Staates, zu beeinflussen, wie „relevante Öffentlichkeiten“, also zum Beispiel die Medien anderer Länder, ihn und seine Aktivitäten wahrnehmen – mit dem Ziel, deren Sympathien und Unterstützung zu gewinnen. China fühlt sich vor allem von westlichen Medien missverstanden und zu Unrecht kritisiert, während sie Erfolge ausblendeten, fasst der Sinologe Frank Hartig von der Universität Frankfurt Erkenntnisse verschiedener Studien zusammen und zitiert einen Kollegen: Das Selbstbild Chinas und sein Missverhältnis zum Bild, das im Rest der Welt von dem Land herrscht, könnte seine größte diplomatische Bedrohung sein.

China nutzt verschiedene Instrumente, um sein Bild in der globalen Öffentlichkeit aufzuhellen. Internationale Infrastrukturprojekte oder auch Hilfe und Unterstützung für andere, ärmere Länder können dazu dienen. Auch PR-Firmen werden gezielt angeheuert, schreibt Hartig. Die staatlichen Medien wie die Nachrichtenagentur Xinhua stehen ebenfalls im Dienst, das Image Chinas zu polieren.

Eigenlob aus dem Munde Anderer

Ein treffendes Beispiel für Chinas Eigen-PR ist eine ganzseitige Anzeige, die Xinhua am Donnerstag im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) schaltete – zum einhundertjährigen Jubiläum der Kommunistischen Partei Chinas. Laut den Mediadaten kostet eine Standard-Anzeige dieser Größe fast 70.000 Euro. Die Anzeige war gekennzeichnet und durch ein anderes Design als im Rest der Zeitung auch als solche zu erkennen. Aufgemacht war sie aber wie ein journalistischer Beitrag. Der beschreibt, wie verschiedene Besucher aus anderen, vorwiegend westlichen Ländern, im Laufe der hundertjährigen Geschichte der Partei China besuchten, dort lebten, das Land und die Partei kennenlernten – und sie dann „richtig“ verstanden und ihre Errungenschaften wertschätzten. Das Ganze belegt mit deren Zitaten: Eigenlob aus dem Munde Anderer.

Ausschnitt der Anzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 29. Juli 2021

So heißt es etwa:

„Die Kommunistische Partei Chinas ist nach Meinung des britischen Politikwissenschaftlers Martin Jacques wohl die erfolgreichste Partei der Welt im letzten Jahrhundert gewesen.“

Oder:

„‚Die Kommunistische Partei Chinas gibt sich alle Mühe, für die Zukunft des Landes zu denken und zu handeln‘, sagte Shunsuke Nakajima, ein Japaner, der seit Jahren den bilateralen Austausch fördert und China schon oft besucht hat.“

Ihn als Zeugen heranzuziehen, soll offenbar besondere Glaubwürdigkeit vermitteln, schließlich nimmt der Text auch zweimal Bezug auf die „japanische Aggression“, den Krieg zwischen den beiden Ländern während des Zweiten Weltkrieges. Und ein weiteres Beispiel:

„Israel Epstein besuchte Yan’an im Jahr 1944 als Reporter im Auftrag von US-Medien (…) ‚Was er am meisten schätzte, war, dass die Kommunistische Partei für die Armen da ist und dem Volk hilft‘, sagte Epsteins Witwe.“

Oder:

„Laurance J. Brahm, ein internationaler Senior Fellow am Zentrum für China und Globalisierung sagte (sic!), dass die chinesische Demokratie, die anders als die des Westens ist, ein System der Konsensbildung sei.“

Chinas Botschaft: Die Welt braucht China

In dieser Art enthält die Anzeige zahlreiche Lobreden auf die Partei und das Land. Auch in Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise. Hier fällt auf, wie militärisch die Sprache wird. Von einer „landesweiten Mobilisierung“ gegen die Pandemie ist die Rede, von Parteimitgliedern, die „an vorderster Front“ dabei waren und ihr Leben verloren.

Der Text vermittelt das Bild: Die Kommunistische Partei Chinas will das Beste für den Menschen, er steht im Mittelpunkt, ihm will sie dienen. Die Partei hat das Land aus der Armut herausgeführt und auf die internationale Bühne gebracht. Sogar eine Abhängigkeit des Auslandes von China wird konstatiert: „Andere große Länder müssen mit China zusammenarbeiten, um globale Probleme … zu lösen“, lässt der Text wiederum einen Zitatgeber sagen. Auch mit Verweis auf die chinesischen Spenden von Corona-Schutzausrüstungen und medizinischen Gütern sowie das Projekt der Neuen Seidenstraße wird die Botschaft deutlich: Die Welt braucht China.

Mehrere Fotos illustrieren beispielhaft, wie die internationale Kooperation und das Engagement Chinas aussehen. Eines zeigt etwa einen Arzt aus Gabun und einen chinesischen Kollegen – der Parteimitglied ist. Ein anderes zeigt einen australischen Tierzuchtexperten mit dem chinesischen Leiter einer Tierzuchteinrichtung fachsimpeln. Auch ein Foto aus der Corona-Krise ist dabei von einem chinesisch-kongolesischen Ärzteteam in der Hauptstadt des afrikanischen Landes. Sie haben bereits verstanden, wie die Kommunistische Partei wirklich tickt, scheinen diese Bilder zu sagen.

Verlag will Meinungen nicht zensieren

Davon, dass in China etwa religiöse Minderheiten unterdrückt und Journalisten – auch welche im Dienst ausländischer Medien – in der freien Berichterstattung behindert werden, findet sich freilich nichts. Erst jüngst hetzten Parteimedien und Ministeriumssprecher gegen westliche Medien und warfen ihnen Fake News und Propaganda vor. Unter anderem die FAZ berichtete davon – just an dem Tag, an dem auch die Anzeige erschien. Da ist sie: die strategisch riskante Differenz zwischen Selbst- und Fremdbild Chinas.

Politische Anzeigen und solche mit starkem Meinungsgehalt seien Grenzfälle für einen Verlag, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage von PRO. Über die grundsätzliche Annahme solcher Anzeigen werde nach interner Prüfung entschieden. „Für den Inhalt der Anzeigen ist allein der Anzeigenkunde verantwortlich. Natürlich aber prüfen wir die Anzeigensujets und verweigern solche, die offensichtlich gegen geltendes Recht verstoßen“, teilte sie mit. Hier habe man „der freien Meinungsäußerung den Vorrang gegeben“. Kritische oder provokante Anzeigen „in einer Art vorauseilender Zensur zu verhindern“, sei mit der demokratisch legitimen freien Meinungsäußerung nicht vereinbar. Zur Berichterstattung seitens der Redaktion und den Anzeigen gebe es keinen Zusammenhang.

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3 Antworten

  1. In einem staatlich kontrollierten Land ,bis hin zur Gesichtserkennung, muß wahrscheinlich auch die FAZ gucken, daß sie von dort noch berichten darf. Eine solche Partei Anzeige mit praktisch vorgeschriebenen Fake News darf in einer freien deutschen Zeitung eigentlich so nicht veröffentlicht werden. Wenn eine Veröffentlichung unvermeidbar war, dann hätte dies aber nur mit einem anschließenden kritischen Kommentar zum Text der Werbeanzeige erfolgen dürfen. Was dort veröffentlich wurde muß eigentlich gleichgesetzt werden mit einer Anzeige zum Thema Medikamente oder Düngemittel ( z. B. Glyphosat o.ä. ) wo die aufgeklärte Allgemeinheit schon vorab weiß , daß die Produkte auch Gefahren für Umwelt und Bürger beinhalten ! Die chinesischen Bürger , Christen und unterdrückten Bevölkerungsgruppen die von den Parteistrategen und Behörden schon jahrelang drangsaliert und weggesperrt wurden, müssen sich durch diese Anzeige in einer vermeintlich freien oder unter Druck gesetzten deutschen “Großzeitung” ja förmlich verraten vorkommen.

  2. Jede Ideologie birgt die Gefahr des Totalen. Das gilt besonders bei Religionen. Die Kommunisten haben ihre
    Ideologie zur Totalen erhoben. Damit ist der Toleranz kein Raum oder nur geringer Raum gegeben. Die totalitären Staatsführer geben dafür ein beredetes Beispiel, da sind eben diese Personen die Definition der Toleranz die sie zulassen. Hitler läßt grüßen, auch er hatte seine Claqueure. Einig die christliche Religion
    hat die Freiheit der Toleranz, auch wenn diese nicht immer geübt wurde.

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