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Chefredakteur erhält gefälschte Quarantäne-Anordnung

Der Chefredakteur des Mindener Tageblattes, Benjamin Piel, hat offenbar ein gefälschtes amtliches Schreiben mit dem Aufruf zu einer zweiwöchigen Quarantäne zugeschickt bekommen. Das Schreiben teilte er auf Twitter. Bereits im November gab es Drohungen gegen die Presse in Minden.
Von Jörn Schumacher
Der gläubige Christ Benjamin Piel ist Chefredakteur des Mindener Tageblattes. Er erhielt eine gefälschte Aufforderung zu einer zweiwöchigen Quarantäne per Post zugeschickt, wie er per Twitter mitteile.

Foto: Monika Zurek

Der gläubige Christ Benjamin Piel ist Chefredakteur des Mindener Tageblattes. Er erhielt eine gefälschte Aufforderung zu einer zweiwöchigen Quarantäne per Post zugeschickt, wie er per Twitter mitteile.

„Was einem nicht alles so passiert“, schrieb der Chefredakteur des Mindener Tageblattes am Donnerstag auf Twitter. „Heute wurde ich vom Kreis scheinbar unter Quarantäne gestellt – tatsächlich handelte es sich um eine Fälschung. Die Spurensicherung war schon da. Was für verrückte Zeiten…“ Das Schreiben, von dem Piel ein Foto anhängte, stammt auf den ersten Blick von der Landrätin des Kreises Minden-Lübbecke.

In dem täuschend echt aussehenden Brief ist die Rede von einer „Anordnung einer häuslichen Quarantäne zur Bekämpfung übertragbarer Krankheiten auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes“. Piel werde demnach infolge eines Kontaktes mit einer Person, die mit dem Coronavirus infiziert ist, dazu aufgerufen, „eine behördlich angeordnete häusliche Quarantäne“ einzuhalten. Die gelte vom 17. bis zum 31. Januar.

Im Interview mit pro hatte der gläubige Journalist im November vorigen Jahres gesagt, er erlebe in der Corona-Krise stärker als zuvor, wie Journalisten wegen ihrer Berichterstattung angefeindet werden. In Minden wurde Ende Oktober eine Schaufensterpuppe an einer Brücke aufgehängt – mit Strick um den Hals und Schild vor der Brust, auf dem „Covid-Presse“ stand. Piel erklärte, dass man das als Journalist auch auf sich selbst oder einen Kollegen beziehe. „Da hängt ein ganzer Berufsstand am Galgen.“ Piel stellte damals klar: „Man kann Corona-Maßnahmen kritisieren und in Frage stellen. Aber es kippt eben sehr häufig auf eine unsachliche Ebene der Verschwörungstheorien.“ In der Debatte gebe es nicht nur zwei Positionen, entweder für oder gegen die Corona-Maßnahmen. „Natürlich muss es dazwischen eigentlich einen großen Bereich geben, über den man sachlich diskutieren kann.“ Er betonte: „Ich bin traurig darüber, dass uns Journalisten so stark die Rolle zugeschrieben wird: Ihr seid die, die diese Maßnahmen verteidigen.“

Mehrere Personen im Kreis betroffen

Wie Radio Lippe berichtet, traf das gefälschte Schreiben mehrere Menschen im Kreis. „Zwei Briefe gingen an Personen in Minden, zwei in Porta Westfalica“, teilte die Polizei dem Sender mit. „Wer die gefälschten Quarantäne-Anordnungen verschickt hat, ist noch unklar“, heißt es laut dem Bericht. Der Staatsschutz der Bielefelder Polizei habe die Ermittlungen übernommen. Derartige Briefe seien auch an mehrere Lokalpolitiker gegangen, hieß es. Piel sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass ihm der Briefkopf merkwürdig vorgekommen sei und er daher misstrauisch geworden sei.

Piel erhielt 2011 den Nachwuchsjournalistenpreis des Christlichen Medienverbundes KEP und mehrere weitere Journalistenpreise, etwa den renommierten Theodor-Wolff-Preis.

Von: Jörn Schumacher

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