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Buch zum Streitthema Nummer eins

„Jetzt pack doch mal das Handy weg.“ Diesen Satz hören viele Kinder und Jugendliche von ihren Eltern. In dem gleichlautenden Buch von Thomas Feibel beschäftigt sich der Autor mit einem allgegenwärtigen Thema, das viele Familien bewegt. Eine Rezension von Johannes Weil
Von PRO
Autor Thomas Feibel nimmt auch die Eltern in die Pflicht, wenn sie ihre Kinder zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Handy anleiten

Foto: Hoffotografen

Autor Thomas Feibel nimmt auch die Eltern in die Pflicht, wenn sie ihre Kinder zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Handy anleiten

Das Buch „Jetzt pack doch mal das Handy weg“ befasst sich mit einem großen Streitthema in vielen Familien: dem Handy. Autor Thomas Feibel beleuchtet, wo Eltern an ihre Grenzen stoßen und bietet Lösungsvorschläge an, wie digitale Erziehung gelingen kann. Der Vater von vier Kindern gilt als einer der führenden Medienexperten der Branche.

In seinem Buch befinden sich die Erfahrungen seiner zahlreichen Vorträge. Feibel geht es um einen eigenverantwortlichen Umgang der Heranwachsenden mit dem Handy. Er bilanziert aber auch, dass seine eigenen Kinder eine viel zu tiefe Bindung zu dem Gerät haben. Für ihn sind die Erwachsenen in der Pflicht, als gutes Vorbild zu dienen.

Kindheit ohne Smartphone „verdammt unrealistisch“

Eltern müsse bewusst sein, dass Erziehung auch immer Selbsterziehung sei. Viele Kinder wollten und bräuchten autoritäre Eltern. „Je unklarer die Eltern, desto orientierungsloser die Kinder“, findet der Autor. Wenn Eltern sich mit ihren Kindern beschäftigten und zeitgleich mit dem Handy spielten, sei das bedenklich. „Die Kinder wollen wahr- und ernstgenommen werden.“

Eltern müssten ihre Kinder vor den Gefahren der Medien schützen und für einen klugen Umgang damit sorgen. Die Thesen des Wissenschaftlers Manfred Spitzer, der die Nutzung der Geräte durch Kinder ablehnt, findet Feibel zu schroff. Eine Kindheit ohne Smartphone, Internet und Fernseher sei zwar möglich – „nur eben verdammt unrealistisch“. Die Angst-Szenarien von Befürwortern und Gegnern seien nicht fahrlässig zu unterschätzen, noch dramatisch zu überhöhen.

Aus Kindern werden Kunden

Fakt ist für Feibel, dass ein Smartphone für Erwachsene und nicht für Kinder konzipiert ist. Kinder könnten schlecht unterscheiden, ob Inhalte, die ihnen das Smartphone präsentiere, wirklich wahr seien. Die junge Generation müsste sensibel für FakeNews und Hate-Speech sein. Genauso wichtig seien Datenschutz und Privatsphäre. Schließlich machten die Kaufangebote aus Kindern ganz schnell Kunden.

„Kinder mögen keine Regeln, aber sie brauchen sie, um Grenzen kennenzulernen“, ist ein weiteres Credo des Autors. An einer Grenze könnten sie sich orientieren, „auch wenn ich die Grenze selbst nicht toll finde“. Medienerziehung sei eine viel zu wichtige Aufgabe, um sie elektronischen Geräten zu überlassen. Kinder, die das Handy oft nutzten, seien erschöpft und überfordert, findet der Wissenschaftler Klaus Hurrelmann.

Feibel rät dazu, mit dem Begriff Sucht vorsichtig umzugehen. Viele Eltern seien hier beunruhigt. Davon sollten sie sich nicht verrückt machen lassen, denn Kinder nutzten das exzessiv, wofür sie sich begeisterten. „Wir sollten Kinder stark machen für das Leben. Und Smartphones und Internet gehören zum Leben dazu. Dafür müssen wir ihnen Rüstzeug an die Hand geben“, schreibt der Autor.

Tiefer Wunsch nach Beziehung

Kinder und Jugendliche hätten in der heutigen Zeit eine große Angst, etwas zu verpassen. Sie wollten dazugehören und viele Freunde haben. Dahinter stecke der tiefe Wunsch nach Beziehung. „Darum ist das Smartphone für Jugendliche nicht nur ein Teil ihrer Identität, sondern auch ihr bester Begleiter und das ideale Instrument zur Identitätsfindung. Wer diese Rolle des Smartphones begriffen hat, kann auch besser erkennen, warum Töchter und Söhne bei Entzug ausflippen.“

Eltern müssten Bescheid wissen über die Dinge, mit denen sich Kinder beschäftigten und oft auch ihre Anerkennung holten. Kinder und Jugendliche sollten das Smartphone eher als Werkzeug, denn als reines Unterhaltungsprogramm betrachten. Dabei müssten Erwachsene ihnen helfen. Einen kompletten Verzicht auf das Handy hält der Autor für unrealistisch, „aber es muss Pausen geben“. Kinder müssten es lernen, auch Langeweile auszuhalten: „Je digitaler die Welt, desto wichtiger werden das Analoge und die Dinge zum Anfassen. Das ist ein sehr gutes Rezept, um herunter zu kommen und sich in etwas zu vertiefen.“

Feibel wünscht wieder mehr Qualitätszeit für die Familien. Dafür bietet er in seinem Buch einige praktische Bausteine an, wie Offline-Hobbys, einen Offline-Tag in der Woche, oder nicht sofort immer auf alles zu reagieren. Neben den praktischen Aspekten beleuchtet er aber auch die vielen schwierigen Fragen, die Medien und die Erziehung in diesem Zeitalter nach sich ziehen. Von daher kann dieses Buch nicht nur Eltern und Pädagogen weiterbringen, sondern auch Großeltern und alle anderen, die mit kleinen Kindern zu tun haben.

Thomas Feibel: „Jetzt pack doch mal das Handy weg: Wie wir unsere Kinder von der digitalen Sucht befreien“, Ullstein, 272 Seiten, 9,99 Euro. ISBN: 9783548377193,

Von: Johannes Weil

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