Filmkritik

Böhmermann lobt Kirche als antifaschistisch

In seiner ersten Sendung nach der Sommerpause beschäftigt sich Satiriker Jan Böhmermann mit der „antifaschistischen Kirche“ im Osten. Mit vielen Aussagen liegt er richtig, übersieht jedoch einen entscheidenden Punkt.
Von Martin Schlorke
Jan Böhmermann

Dass Kirche, deren Geistliche und Christen allgemein in den Medien häufig ihr Fett wegbekommen, ist eher die Regel denn die Ausnahme. Und auch der Satiriker Jan Böhmermann hat sich in der Vergangenheit in seiner Sendung „ZDF Magazin Royale“ etwa schon über Christfluencer lustig gemacht.

Doch in der aktuellen Sendung des „ZDF Magazin Royale“ fand er (fast) nur lobende Worte für die Kirche – genauer: die Kirche im Osten. Denn diese, so macht Böhmermann zu Beginn der 30-minütigen Sendung vom Freitag klar, sei die „letzte antifaschistische Hoffnung“ im Osten. Sie sei gar Antifa. Denn sie sei mutig und warne vor der AfD. Und in der Tat, erst in der Vorwoche hat sich die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) erneut klar von der AfD distanziert. Ebenso wird seit Jahr und Tag die evangelische Kirche nicht müde, zu betonen, dass die AfD für Christen nicht wählbar sei.

Neben der Angrenzung zur AfD ist für Böhmermann auch die praktische Arbeit der Kirche Grund für diese These: Seenotrettung, Hilfe für afghanische Ortskräfte oder das Kirchenasyl. Oder wie Böhmermann es nennt: antifaschistische Praxisarbeit. Zudem betreibe die Kirche Kindergärten, Schulen, Frauenhäuser und Jugendklubs und stärke so demokratische Strukturen.

Böhmermann übersieht biblischen Auftrag

In der Sendung kommen auch zwei Pfarrer aus Frankfurt/Oder und Cottbus zu Wort, die aufgrund ihres kirchlichen und gesellschaftlichen Engagements Anfeindungen erlebt haben. Erwähnt wird ebenso die Feindschaft des SED-Regimes gegenüber der Kirche und die Rolle der Kirche während der friedlichen Revolution. Auch das dunkle Kapitel der Kirchengeschichte während des Nationalsozialismus findet Erwähnung. Doch die Kirche habe aus diesen ihren Fehlern gelernt, heißt es in der Sendung.

Böhmermann kann sich in den 30 Minuten – wenig überraschend – Seitenhiebe (Stichwort Missbrauchsskandal) oder Provokationen („In der Kirche wird auch nicht eine dusselige Deutschlandfahne angebetet, sondern etwas Anständiges. Ein genderfluider bi-neugieriger halb nackter POC-Otter.“) nicht verkneifen. Oder auch, dass die Bibel nicht nur links, sondern linksextrem sei. Dazu hält er eine Bibel hoch, unter deren Einband sich „Das kommunistische Manifest“ befindet. Ohne bewusste – und in dem Fall auch schlechte – Provokationen kommt keine Sendung Böhmermanns aus.

Blendet man diese Provokationen jedoch aus, stellt man fest, dass vieles von dem, was Böhmermann in seiner Sendung sagt, stimmt oder zumindest einen wahren Kern hat und die Kirche in einem positiven Licht erscheinen lässt. Das ist bemerkenswert. In einem irrt der Moderator jedoch gewaltig. All diese Dinge tut die Kirche im Osten nicht, weil sie Demokratie stärken, extreme Strömungen bekämpfen oder eine bestimmte politische Haltung vertreten will. Die Motivation ist eine andere. Denn sie tut es, weil es biblischer Auftrag ist. Und sie tut es, weil Jesus Christus selbst vorgelebt hat, sich den Schwachen zuzuwenden, Menschen in Not zu helfen und für die Wahrheit einzustehen.

Helfen Sie PRO mit einer Spende
Bei PRO sind alle Artikel frei zugänglich und kostenlos - und das soll auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unterstützen Sie jetzt PRO mit Ihrer Spende.

Ihre Nachricht an die Redaktion

Sie haben Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen? Dann schreiben Sie gerne eine Nachricht direkt an die PRO-Redaktion.

Unabhängigen christlichen Journalismus häufiger bei Google sehen

PRO bei Google bevorzugen

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen