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Bild-Chef: Artikel über Corona-Wissenschaftler „unglücklich“

In einer Diskussionsrunde haben Wissenschaftler mit dem Bild-Chef Johannes Boie über die Berichterstattung der größten Boulevardzeitung Europas in der Pandemie gesprochen. Dabei zeigt vor allem der Bild-Chef Verständnis.
Von Martin Schlorke
Bild-Zeitung

Foto: Traveller_40 | CC BY-NC-ND 2.0 Generic

Der Artikel „Die Lockdown-Macher“ beschäftigt aktuell den Presserat

Bild-Chef Johannes Boie hat den heftig kritisierten Bild-Artikel „Die Lockdown-Macher“ über Corona-Maßnahmen als „unglücklich“ bezeichnet. In dem im Dezember erschienenen Artikel machte die Boulevardzeitung mehrere Wissenschaftler für strengere Corona-Regeln verantwortlich. Auf einer Podiumsdiskussion am Freitag erklärte Boie, dass er den Artikel so nicht nochmal bringen würde. Niemand und vor allem keine Wissenschaftler sollten einen Shitstorm abbekommen. Schließlich würden sie nur das Beste für die Gesellschaft wollen, sagte Boie.

Zugleich sei aber auch klar, dass viele Wissenschaftler aus den Laboren in die Öffentlichkeit getreten seien und so eine öffentliche Rolle im Diskurs bezüglich der Pandemie eingenommen hätten. Dann sei es die Aufgabe des Journalismus, eben jene Aussagen zu bewerten und auch zu kritisieren. Laut Boie sei das umso wichtiger, weil sich politische Entscheidungsträger direkt auf diese Aussagen bezögen.  

Zu der Diskussionsrunde mit dem Titel „Dialog zur Rolle des Boulevardjournalismus in Zeiten der Pandemie“ waren neben Boie mehrere Wissenschaftler eingeladen. Der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Otmar D. Wiestler, betonte, dass die Pandemie sowohl für die Wissenschaft, als auch für den Journalismus eine besondere Herausforderung darstelle. Mit dem Artikel „Die Lockdown-Macher“ habe die Zeitung jedoch „eklatant“ gegen wesentliche Grundregeln verstoßen.

Der Internist Michael Hallek warnte weiterhin vor einer „Unkultur des Diffamierens und der Polarisierung“. Mit dieser dürfe sich der Boulevard nicht gemein machen. Hassek forderte Mindeststandards in der Kommunikation. Zudem sollte es anstatt einer Personalisierung und Zuspitzung lieber um die Sachfrage gehen. Boie zeigte zwar Verständnis für diese Forderung, betonte aber auch, dass der Boulevard weiter Boulevard bleiben müsse. Ansonsten würden Millionen von Menschen nicht mehr erreicht.

Derweil betonten alle Teilnehmer die Notwendigkeit, den Dialog zwischen Wissenschaft und Journalismus weiter fortzuführen. So schlug der Infektionsforscher Michael Meyer-Hermann vor, eine Seite für eine neutrale Wissenschaftsberichterstattung in der Bild einzurichten.

In dem im Dezember erschienen Artikel „Die Lockdown-Macher“ hat die Bild-Zeitung mehrere Wissenschaftler für strengere Corona-Richtlinien verantwortlich gemacht. Nachdem mehr als 94 Beschwerden über die Berichterstattung beim Presserat eingegangen waren, hat dieser ein Beschwerdeverfahren gegen Bild eingeleitet. Im Mittelpunkt des Verfahrens stehe die Frage, ob die Redaktion das Wahrhaftigkeitsgebot und die Sorgfaltspflicht des Pressekodex verletzt habe. Ein Ergebnis wird in der nächsten Sitzung am 24. März erwartet.

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