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Auf Kreuzzug mit der AfD

Die AfD ist laut Umfragen im Osten Deutschlands stärkste Kraft. Ein Kreisverband hält das für Gottes Willen – und bedient sich der Sprache der Kreuzzüge. Das ist nicht nur geschichtsvergessen und gotteslästerlich, sondern auch unfassbar dumm. Ein Kommentar von Nicolai Franz
Von Nicolai Franz
Mit diesem Bild will die AfD Saalekreis auf Umfrageerfolge im Osten hinweisen

Foto: AfD Saalekreis / Screenshot pro

Mit diesem Bild will die AfD Saalekreis auf Umfrageerfolge im Osten hinweisen

„Gott will es“, überschreibt der AfD-Kreisverband Saalekreis in Sachsen-Anhalt einen verstörenden Gruß zum Ostersonntag: „Keine Amtskirche und keine verstaubten Kleriker, (sic!) tragen das Wort Gottes nach außen“, schreibt die Partei. „Nur die Zeichen sind es, welche davon zeugen, was Gott will: AfD stärkste Partei im Osten!“ Darunter eine in AfD-Blau eingefärbte Christus-Statue und ein Jesuswort aus dem Johannesevangelium: „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“

Ostersonntag: Die Auferstehung! Keine Amtskirche und keine verstaubten Kleriker, tragen das Wort Gottes nach außen. Nur…

Gepostet von AfD Kreisverband Saalekreis am Sonntag, 21. April 2019

Selten hat es in der jüngeren Geschichte einen dreisteren Missbrauch des christlichen Glaubens für die eigenen politischen Ziele gegeben. Jesus Christus, der sein Reich auf Liebe gründete, muss als Galionsfigur für eine Partei herhalten, die mit einflussreichen Politikern wie Björn Höcke regelmäßig die Grenzen zum Rechtsradikalismus überschreitet.

Jesus ist kein blauer Parteisoldat

Die AfD im Saalekreis reiht sich damit verbal in eine lange Geschichte ein, in der Herrscher ihre Machtansprüche als gottgewollt zu legitimieren versuchten – und damit immer Unheil über die Welt brachten. „Gott will es“, „Deus lo vult“ soll auch das Volk geantwortet haben, als Papst Urban II. im Jahr 1095 zum Kreuzzug gen Jerusalem rief, das damals arabisch dominiert war. Er wollte die heilige Stadt militärisch erobern und für das christliche Abendland gewinnen. Millionen Menschen starben.

Wer diesen Slogan heute noch nonchalant benutzt, hat im Geschichtsunterricht entweder nicht aufgepasst oder nimmt die Verbindung zum massenhaften Mord im Namen Gottes bewusst in Kauf. Wer Jesus zum blauen Parteisoldaten macht, verzerrt den Sohn Gottes zur Karikatur. Wer das Licht Jesu im Johannesevangelium implizit mit der eigenen Partei gleichsetzt, wirft große Fragen nach der eigenen religiösen Bildung auf.

Da scheint es fast möglich, dass die AfD im Saalekreis einen Witz machen wollte. Dann wäre er gehörig nach hinten losgegangen. Wenn die Alternativen ihren Facebook-Post hingegen auch nur ansatzweise ernst meinten, dann ist die Sorge um das christliche Abendland angesichts solch pseudochristlicher Verirrungen höchst angebracht.

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