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Am Karfreitag: „Tanzen nicht als Affront ansehen“

Das gesetzliche Tanzverbot an Stillen Feiertagen wie dem christlichen Karfreitag steht jedes Jahr in der Kritik. Weil Religiöses schwindet, soll auch das Verhältnis von Staat und Kirche neu diskutiert werden, sagt die Junge Liberale Anna Neumann. Der Theologe Hartmut Becks hält dagegen, dass Deutschland kein laizistischer Staat ist.
Von Norbert Schäfer
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Tanzen sei kein Verbrechen, sagen die Jungen Liberalen. Das Tanzverbot am Karfreitag wollen sie abschaffen.

In Deutschland bestimmen die Bundesländer, an welchen Feiertagen besondere Einschränkungen im öffentlichen Leben beachtet werden müssen. Zu den sogenannten „Stillen Feiertagen“ gehören unter anderem neben dem Heiligabend, dem Volkstrauertag und dem Totensonntag auch Karfreitag und der Ostersonntag. Besonders das Tanzverbot am Karfreitag steht regelmäßig in der Kritik.

Zuletzt hatte am 25. März der Bundesvorstand der Jungen Liberalen das Tanzverbot an dem christlichen Feiertag kritisiert. Ein Beschluss der FDP-nahen Jugendorganisation stellt fest, dass Tanzen kein Verbrechen ist. „Religiöse Menschen können ihren eigenen Glauben ausleben und dabei auch Tage in besonderer Ruhe und Andacht verbringen“, heißt es in dem Beschluss, und weiter: „Über die Tagesgestaltung Anders- und Nichtgläubiger steht ihnen aber kein Urteil zu.“ Daher wollen die jungen Liberalen, dass das Tanzverbot an den Stillen Feiertagen abgeschafft wird.

Es geht um gegenseitige Akzeptanz und Toleranz

Die stellvertretende Vorsitzende der Jungen Liberalen in Nordrhein-Westfalen, Anna Neumann, hält die Einschränkungen und das Arbeitsverbot am Karfreitag nicht mehr für adäquat. Bei einer Online-Diskussion der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung am Mittwoch erklärte Naumann, dass das Tanzverbot aus der Zeit gefallen sei. Gläubige Menschen sollen ihrer Meinung nach am Karfreitag an das Sterben und Leiden Christi gedenken dürfen, sollten aber andere Verhaltensweisen wie Tanzen an dem Tag nicht als Affront ansehen.

Die Debatte um das Tanzverbot drehe sich vor allem um gegenseitige Akzeptanz und Toleranz. Niemand dürfe ihrer Meinung nach an dem Tag eine Einschränkung verspüren. Weil den Kirchen die Mitglieder davonliefen, verliere der Karfreitag in der zunehmend säkularen Gesellschaft stetig an Bedeutung. „Das Verhältnis von Kirche und Staat muss beim Schwinden der Religion grundsätzlich diskutiert werden“, sagte Neumann.

„Deutschland ist kein laizistischer Staat“

Der Theologe und Gemeindepfarrer Hartmut Becks argumentierte, dass immer noch rund 50 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Kirche angehörten. Die Stillen Feiertage böten jedermann Gelegenheit zum Innehalten. Der Pfarrer konstatierte, dass sich der Charakter der Feiertage im Laufe der Zeit durchaus gewandelt habe. Mit Blick auf die Verfassung erklärte Becks: „Wir haben keinen laizistischen Staat“. Das Verhältnis zwischen Kirche und Staat sei „hinkend“. Der Staat habe zwar Verbindung zu den Kirchen, bleibe dabei jedoch grundsätzlich weltanschaulich neutral.

Becks verwies darauf, dass die Verfassung zu einer Zeit entstanden sei, in der noch weit mehr als 90 Prozent der Bevölkerung einer Kirche angehört hätten. Dennoch müsse die Politik sich die Frage stellen, ob die Verfassung in dem Punkt noch zeitgemäß sei. Der Theologe erwartet, dass grundsätzliche Debatten über das Verhältnis von Kirche und Staat mit „Festungsmentalitäten“ geführt werden und schnell mit der Diskussion um eine Leitkultur in einem christlich geprägten Land verknüpft würden.
„Deutschland ist aber multireligiös“, sagte der Pfarrer. Weil Kirche immer kleiner werde und der ganze „Apparat“ nicht mehr aufrechterhalten werden könne, solle sie sich wieder auf die Verkündigungsarbeit konzentrieren. Becks: „Dann verliert Kirche jedoch den Anspruch, Gesellschaft beeinflussen zu können.“

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6 Antworten

  1. „Stille Feiertage“, Heiligabend, Volkstrauertag und Totensonntag, Karfreitag und Ostersonntag.
    Was die “Junge Liberale” Neumann nicht begreifen will, dass es hier um Rücksichtnahme geht.

    Vielen Menschen sind diese Tage besondere und besinnliche Tage. Man lässt ja auch den Motor nicht neben einem Beerdigungszug aufheulen, läuft nicht mit dem “Ghetto-Blaster” an einem Gottesdienst vorbei, usw.
    – zumindest derjenige nicht, dem “Anständigkeit” kein Fremdwort ist.

    Letztendlich ist es eine Frage der Mitmenschlichkeit, Freundlichkeit, und ja, auch der Toleranz, sich an diesen Tagen rücksichtsvoll zu verhalten.

  2. Alle Jahre wieder. Nein, dies Jahr nicht. Fast ein Jahr keinen Tanz. Statt nur einen Tag keinen Tanz. Ist vielleicht auch ganz gut so.

  3. Die Liberalen wollen ja nicht nur die “stillen Feiertage” abschaffen, sondern auch die Sonn- und Feiertage allgemein. Unter dem Deckmantel einer sich wandelnden Gesellschaft soll hier dafür gesorgt werden, die Arbeitstage im Sinne der Wirtschaft und es Profits auszuweiten, das steckt dahinter, ein durchsichtiges Manöver. Wenn nun die Liberalen die Feiertage als überholt ansehen, sollten sich bei ihren eigenen Anschauungen mal anfangen, nämlich dem Profitgötzen. Die Liberalen glauben immer noch dem Märchen vom möglichen immerwährenden Wirtschaftswachstum als einen Garanten für Wohlstand (der sich in ihrer Sicht rein materiell definiert) für alle. Ein dummes Märchen, denn wir leben nun einmal von begrenzten Vorräten auf unserer Erde, die Menschheit wächst, es wird einen Verteilungskampf geben. Wir müssen eben weg von der Konsumdenke, Kapitalismus ist überholt, wie auch Kommunismus und Sozialismus. Wir brauchen ein neues, beziehungsorientiertes, nachhaltiges Wirtschaftssystem. Viele ehemalige, enttäuschte Unionswähler sehen nun in den Liberalen ihren vermeintlichen Heilsbringer, steigende Demoskopiefragen belegen das. Ich möchte nicht ein einem von liberalistischer Ideologie geprägtem Land leben.
    Die Liberalen verkennen völlig, daß auch für Menschen, die nicht gläubig sind, der Sonntag eine Bedeutung als Familientag hat, viele Jugendsportwettbewerbe an diesem Tag stattfinden. Aber Familie ist ja in deren Ideologie überbewertet, sie wollen einen entwurzelten, bindungsfreien Menschen, der global als Arbeits- und Konsumfaktor global umsetzbar ist. Bindungen wie Gemeinde, Sportverein, Familie, freiwillige Feuerwehr und Heimat stören da nur. Eine kaltherzige, tote Ideologie, wie auch Sozialismus, Kommunismus und Nationalismus.

    1. Karfreitag ist nicht Biblisch es ist also egal ob jemand tanzen will oder nicht dieser Feiertag genau wie Ostern ist von Menschen gemacht worden beziehungsweise von der katolisch Kirche

      1. Letztendlich geht es um Rücksichtnahme.
        Und das viele Christen es unpassend finden, wenn Lärm&Party ausgerechnet am Todestag Christi lautstark öffentlich demonstriert wird, das kann ich gut verstehen.

        Letztendlich gilt, was Paulus schon sagte:
        “Der eine hält einen Tag für höher als den andern;
        der andere aber hält alle Tage für gleich.
        Ein jeder sei seiner Meinung gewiss.
        Wer auf den Tag achtet, der tut’s im Blick auf den Herrn;

        Du aber, was richtest du deinen Bruder?
        Oder du, was verachtest du deinen Bruder?”
        (Paulus, Brief an die Gemeinde in Rom)

  4. Ein großer Teil der deutschen Feiertage ist sowieso christlich geprägt, hoffentlich kann unsere multikulti Gesellschaft und die Jungen der FDP dies in unserer freiheitlich denkenden Lebensart überhaupt noch aushalten ?
    Dies sind auf jeden Fall: Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt ( im Sprachjargon vermehrt schon Vatertag), Pfingsten und Weihnachten sowie einige Landesfeiertage wie Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt, Reformationstag und Allerheiligen. Und wer weiß es noch, Gott hat die Welt vor 5.781 Jahren nach Erschaffung der Erde , n. israel. Zeitrechnung geschaffen und hatte auch nur 1 Tag, am Sabbat frei gehabt und hatte auch keine Feiertage oder 25 – 30 Tage Urlaub ! Also laßt uns die freien Tage so genießen , wofür sie bestimmt sind, daß wird den meisten Bürgern gemütsmäßig eher gut wie schlecht tun !

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