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Am Abgrund von Glaube und Zweifel

Was für ein Drama: Der Film "The Ledge – Am Abgrund" mit Hollywoodstar Liv Tyler thematisiert nicht nur eindringlich den ideologischen Kampf zwischen Christentum und Atheismus, sondern auch das Verzweifeln der Menschen an der Schwere des Lebens und der Theodizee-Frage. Jetzt ist er in Deutschland auf DVD und Blu-Ray erschienen.
Von PRO

Foto: Universum Film

Der junge Hotelmanager Gavin Nichols (Charlie Hunnam) steht auf dem Dach eines Hochhauses und droht, sich in den Tod zu stürzen. Der Polizist Hollis Lucetti (Terrence Howard) will ihn davon abhalten. Dafür hat er nur knapp zwei Stunden Zeit, denn Punkt 12 Uhr mittags will Gavin springen. Vor dieser Ausgangssituation erzählt Regisseur und Drehbuchautor Matthew Chapman sein Drama "The Ledge – Am Abgrund" in Rückblenden, unterbrochen durch die Geschehnisse auf dem Dach.

Nichols stellt die schüchterne Studentin Shana Harris (Liv Tyler) als Zimmermädchen ein und freundet sich mit ihr an. Shana und ihr Mann Joe (Patrick Wilson) sind gläubige Christen, während Nichols überzeugter Atheist ist. Einen ersten Zusammenprall der beiden Denkrichtungen gibt es bei einem Abendessen, zu dem Shana und Joe Gavin und seinen schwulen Mitbewohner Chris (Christopher Gorham) eingeladen haben. Der vom ersten Moment an zwielichtig gezeichnete Joe konfrontiert seine Gäste plump mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber Homosexualität, was Gavin dazu veranlasst, wütend zurück in seine Wohnung zu stürmen (beide Parteien wohnen im gleichen Apartementhaus). "Wie kann man da nicht wütend werden", sagt er später zu Shana, "wie kann ein rationaler Mensch Homosexuelle in ihren Rechten einschränken?"

Gavin und Joe verabreden sich zu einem "Gespräch über Philosophie", bei dem sie sich bekannte Positionen an den Kopf werfen: "Was hat Gott getan, dass du so wütend auf ihn bist", fragt Joe, und Gavin spottet: "Euer Gott lässt Erdbeben und Völkermorde zu. Und wenn wir das alles überstanden haben, dann kommen die meisten von uns doch in die Hölle." Das Gespräch mündet in eine emotionale Diskussion über Willensfreiheit, Wunschdenken und den Umgang mit Zweifel – und eine wütende Trennung der Kontrahenden.

Philanthrop mit gewissen Absichten

Gavin wird zunächst als Philanthrop dargestellt, der sich nicht etwa aus Naivität heraus, sondern aus aufrichtigem Herzen um seine Mitmenschen sorgt und kümmert. Seine altruistische Fassade beginnt zu bröckeln, als er sich mehr und mehr in Shana verliebt und versucht, sie zu manipulieren und ihre Ehe zu zerstören. "Was will so eine Frau mit einem wie dem?" Der Plan geht auf, auch deswegen, weil Joe ein nicht sehr interessierter und gefühlvoller Ehepartner zu sein scheint. Gavin bringt Shana nicht nur dazu, mit ihm zu schlafen, sondern auch, an ihrem Glauben zu zweifeln. "Als Kind habe ich auch an Gott geglaubt", sagt er zu ihr, "wie an Santa Claus und die Zahnfee. Aber man wird doch erwachsen."

Die Katastrophe in diesem beklemmenden Kammerspiel nimmt ihren Lauf, als Joe auf dem Handy seiner Frau eine E-Mail liest, in der sie sich mit Gavin zum Sex verabredet und schließlich dabei zuhört, wie sie sich in der Nachbarwohnung lieben. Er konfrontiert Gavin einen Tag später und versucht ein weiteres Mal, ihm seinen Glauben zu verdeutlichen – mit Tränen in den Augen und einer Waffe in der Hand. Es stellt sich in dem Gespräch heraus, dass Joe bereits einmal verheiratet war, seine Frau, die Kinder und den Job aber wegen seiner Alkohol- und Sexsucht verloren hatte. Damals kam er zum Glauben: "Ich musste äußerlich so intensiv leben, weil ich innerlich am Sterben war", berichtet er. "Dann kam Jesus zu mir. Ich wurde wiedergeboren. Diese Freude der Erleichterung, neu zu sein, du weißt nicht, wie sich das anfühlt." Joes Leben kam wieder ins Lot, ein Jahr später heiratete er Shana. Als er die beiden belauscht habe, habe er zunächst Gavin und Shena, dann sich selbst umbringen wollen. Die beiden Männer zitieren Bibelstellen über Sünde, Rache und Vergebung, und Joe kommt zu einer fatalen Schlussfolgerung: "Ich bin wohl mehr so der Typ Altes Testament."

Film sollte Ansporn für Christen sein

"The Ledge – Am Abgrund" ist ein ungewöhnlicher und intensiver Film mit starkem Spannungsaufbau und einer tiefen Traurigkeit. Thema ist zum einen der innere Kampf der Menschen um Glauben und Verstehen, den Umgang mit Verrat, Enttäuschung und dem Tod geliebter Angehöriger. Die Protagonisten ringen um die Frage: Wofür lohnt es sich zu leben, wofür wäre ich bereit, zu sterben?"

Zum anderen zeigt der Film natürlich in Joe ein sehr negatives und fanatisches Beispiel christlicher Frömmigkeit, in der Absicht, die christliche Position zum im Film mehrfach angesprochenen Thema Homosexualität zu kritisieren. Laut Abspann ist der Film Ben Duncan und Dick Chapman gewidmet, einem homosexuellen Paar, das sich bereits 1952 gefunden hatte, aber erst 2005 in England heiraten durfte.

Christen sollten sich den Film und das schockierende Verhalten Joes zum Anlass nehmen, nicht etwa ihre theologischen Positionen aufzugeben, sondern sich vielmehr um ihr Bild in der Öffentlichkeit zu kümmern. Der Film arbeitet hervorragend heraus, dass im Leid und der Ratlosigkeit vieler Menschen ein großes Potential liegt, sie mit Liebe und Anteilnahme zu gewinnen, statt mit Besserwisserei und Ablehnung. "The Ledge – Am Abgrund" kann Christen nicht nur dazu anspornen, Antworten auf drängende Fragen Andersdenkender zu finden, sondern auch, durch liebevolles, anteilnehmendes Verhalten Vorurteile abzubauen. (pro)

The Ledge – Am Abgrund. Universum Film, 112 Minuten, Freigegeben ab zwölf Jahren. 9,32 Euro (DVD, amazon.de), 11,75 Euro (Blu-Ray, amazon.de), 16,99 Euro (download, iTunes).

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Eine Antwort

  1. Ein sehr guter und aufwühlender Film wo an sieht, zu was Fanatismus führen kann!!!

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