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Abendmahl bald nur für Geimpfte?

Außenminister Heiko Maas hat Bevorzugung von Geimpften im öffentlichen Leben erwogen. Der Gedanke stellt christliche Gemeinden in der Corona-Pandemie vor Fragen. Ein Kommentar von Norbert Schäfer
Von PRO
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Die Verkündigung von Sterben und Auferstehung Jesu Christi im Abendmahl sollte keiner Covid-Impfung bedürfen

Foto: David Weber on Unsplash

Die Verkündigung von Sterben und Auferstehung Jesu Christi im Abendmahl sollte keiner Covid-Impfung bedürfen

Bislang galt als Konsens auf der Regierungsbank: Keine Bevorzugung für Menschen, die gegen Corona geimpft sind. Als erster Regierungsvertreter hat Außenminister Heiko Maas (SPD) in Erwägung gezogen, Corona-Geimpfte mit Privilegien bei den geltenden Maßnahmen gegen das Virus auszustatten und sozusagen wieder ein Stück in Richtung Normalität zu entlassen. Ginge es nach dem Willen des Ministers, dürften Menschen nach vollzogener Corona-Impfung früher Restaurants und Kinos besuchen dürfen, als solche Bürger, die bislang nicht geimpft sind. Der Gedanke, dass gegen Covid-19 Geimpfte im öffentlichen Bereich nicht länger gravierende Einschnitte und Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen erdulden müssen, hat einen gewissen Charme.

Aber dem Gedanken, sich „freiimpfen“ zu lassen, wohnt auch Sprengkraft inne. Bei schleichendem Fortgang der Impfungen und stockendem Nachschub der Impfdosen dürfte es noch geraume Zeit dauern, bis in Sachen Corona von einer allgemeinen Entwarnung gesprochen werden kann. Mindestens solange sind Bevorzugungen – oder Sonderrechte -, wie sie Maas wünscht, bedenklich. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht davon aus, dass erst zum Sommer allen Menschen in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden konnte. Das ist eine lange Zeit. Dabei hat die Debatte um die Coronamaßnahmen bereits einen Keil in die Gesellschaft getrieben. Die einen fühlen sich in ihren Grundrechten beschnitten, drangsaliert oder stehen wirtschaftlich vor dem Ruin, anderen gehen die Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen nicht weit genug.

Das, worunter die Gesellschaft ächzt, ist längst in den christlichen Gemeinden angekommen und zum Problem geworden. Corona zwingt den Gemeindeleitungen einen Balanceakt auf. Hin- und hergerissen in der Frage, ob Präsenzgottesdienste durchgeführt werden sollten, wie die Gemeinden trotz weitreichender Kontaktbeschränkungen am Leben erhalten werden können, stehen die Gemeindeleitungen unter enormen Druck. Der Umgang mit den verordneten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus hat ihnen viel abverlangt. Auf dem Weg zurück zur Normalität zeichnen sich für christliche Gemeinden ebenfalls Herausforderungen ab.

Jesu Liebe und Gnade sind bedingungslos

Verantwortliche in den Gemeinden sind gut beraten, sich frühzeitig mit dem Thema der „Bevorzugung“ auseinander zu setzen – jetzt, wo der rosa Elefant im Raum genannt ist. Zwar gibt es derzeit kein gesichertes Wissen darüber, ob Geimpfte andere Menschen anstecken können oder eben nicht. Aber der soziale Druck, die Corona-Maßnahmen irgendwie wieder zu lockern, wird mit deren Fortdauer weiter steigen und auch in den Gemeinden spürbar werden. Dürfen Geimpfte vor allen anderen wieder Abendmahl feiern oder im Gottesdienst singen? Sollten sich geimpfte Kinder wieder in den Gruppenstunden der Gemeinde treffen dürfen, toben und spielen, während denen ohne Covid-Impfung das weiterhin verweigert bleibt?

Der Gedanke an Präsenzgottesdienst mit gemeinsamem Gesang und Abendmahl nur für Geimpfte, lässt mich aufmerken. Im Kern bedeutete es eine Ausgrenzung der Christen, die ihrerseits das Grundrecht auf körperliche Selbstbestimmung und Unversehrtheit beanspruchen und aus persönlichen Gründen eine Impfung für sich ablehnen. Auch junge Christen mit Kinderwunsch, Schwangere oder andere, die derzeit wegen möglicher gesundheitlicher Risiken die Impfung scheuen, würden ausgeschlossen. Dazu kommt, dass derzeit keine gleichen Bedingungen beim Zugang zu dem Impfstoff herrschen – wann das sein wird, ist unklar.

Wenn jetzt Alte, Kranke und Menschen mit erhöhtem Risiko bevorzugt geimpft werden, um deren Leben zu schützen, ist das moralisch vertretbar. Es ist ein Akt der Nächstenliebe. Es sollte aber denen, die noch auf den Impfstoff warten müssen, weil sie jung und gesund sind, nicht zum Nachteil gereichen. Aus Nächstenliebe. Das gilt auch für jene, die aus anderen Gründen auf eine Impfung verzichten. Abendmahl und Gesang gegen die Auflage der Impfung – das widerspräche auch der christlichen Botschaft: Jesu Liebe und Gnade sind bedingungslos. Es wäre ein fatales Signal, wenn die Teilhabe an Formen christlicher Gemeinschaft und des Lobpreises Gottes an Bedingungen geknüpft wäre – zumal, wenn diese außerhalb theologischer Gründe lägen. Gemeinden sollten sich daher bald überlegen, wie sie sich in dieser Frage positionieren. Noch ist sie nicht akut, aber sie kann es werden.

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3 Antworten

  1. Da werden die Kirchen also bald Farbe bekennen müssen. Gottesdienste sind öffentliche Veranstaltungen zu denen Ungeimpfte dann keinen Zutritt mehr haben werden. Aber vielleicht sind Ungeimpfte ja ohnehin nicht die richtigen Christen, da sie ja das Gebot der Nächstenliebe missachten, wie es manche Theologen bereits auslegen. Unfassbar, mit welcher Selbstverständlichkeit die “guten” Hirten ihre Schafe preisgeben.

  2. Habe ich es richtig verstanden? Es ist Nächstenliebe, einem Erpresser nachzugeben?
    Sollten die Christen auch an dem Punkt “Gottesdienst nur für Geimpfte” nachgeben, könnte es interessant werden.
    Bin schon gespannt, wie ein Gottesdienst aussieht, in welchem Jesus fehlt oder meint Ihr, ein Jesus, der eines Tages sagt “ihr habt mich nicht im Krankenhaus und Gefängnis besucht” wird sich zu denen stellen, denen er nach der dahinter stehenden Logik sagen kann “Ihr habt mich aus Euren Versammlungen ausgegrenzt”?
    Schon vor 85 Jahren haben Christen dem Kaiser, was Gottes ist und beriefen sich dabei auf einen Paulus, der ja niemals ins Gefängnis gekommen wäre, wenn er es so gemeint hätte.

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