Während Kirchen über die Rolle Künstlicher Intelligenz (KI) diskutieren und Regeln zur Nutzung erarbeiten, nutzen Menschen die Technik bereits millionenfach, um religiöse Texte zu verstehen. Das zeigt die Datenanalyse eines Anbieters. Demnach stellen weltweit Menschen dem KI-Chatbot ChatGPT jede Woche mehr als 70 Millionen Anfragen zu Religion, Glauben und Spiritualität. Das geht aus dem Bericht „Faith, Community & AI“ hervor, den das US-Technologieunternehmen OpenAI, der Anbieter von ChatGPT, am 8. Oktober veröffentlicht hat. Die Untersuchung zeigt, dass Künstliche Intelligenz zunehmend auch beim Studium heiliger Schriften, bei der Vorbereitung religiöser Feiern und bei persönlichen Glaubensfragen zum Einsatz kommt.
Der Löwenanteil entfällt auf das Studium religiöser Texte mit rund 22 Millionen Anfragen pro Woche. Nutzer lassen sich schwierige Textstellen erklären oder suchen nach wissenschaftlichen und theologischen Auslegungen. Weitere 16 Millionen Anfragen beschäftigen sich mit religiösen Praktiken, Feiertagen und Gottesdiensten. Weitere rund 16 Millionen betreffen Glaubensüberzeugungen, Sinnfragen und geistliche Orientierung. „Das Gemeinsame ist, dass Menschen KI nutzen, um ihr Verständnis ihres Glaubens zu vertiefen, und nicht, um ihn zu ersetzen“, lautet es in dem Bericht.
Anfragen zum Islam dominieren
Nach Angaben aus dem OpenAI-Bericht entfielen zwischen September 2025 und September 2026 rund 45 Prozent der religionsbezogenen Anfragen auf den Islam. Das Christentum folgte mit 34 Prozent. Weitere vier Prozent betrafen den Hinduismus, zwei Prozent das Judentum und ein Prozent den Buddhismus. Die Anfragen spiegeln zudem den religiösen Jahresverlauf wider. So steigt die Häufigkeit der Fragen zum Islam während des Fastenmonats Ramadan, zu christlichen Themen wird besonders um Ostern herum häufiger nachgefragt.
Trotz dieser Einsatzmöglichkeiten betont OpenAI, dass Künstliche Intelligenz weder religiöse Autoritäten noch persönliche Glaubensgemeinschaften ersetzen soll. Fragen des Glaubens, der geistlichen Begleitung und der religiösen Autorität müssten bei den Menschen und ihren Gemeinschaften bleiben. KI könne aber helfen, religiöse Traditionen besser zu verstehen und sich intensiver mit ihnen auseinanderzusetzen.
Die Untersuchung beruht auf der Auswertung von ChatGPT-Anfragen durch den Anbieter des Dienstes. Die genannten Zahlen beziehen sich auf Eingaben, nicht auf einzelne Nutzer, und erlauben daher keine Rückschlüsse darauf, wie viele Menschen ChatGPT für Glaubensfragen verwenden oder welcher Religion sie selbst angehören.