Dolly Parton: Die Christin, auf die sich alle einigen konnten

Dolly Parton ist tot. Die Countrysängerin gilt nicht nur als eine der erfolgreichsten Frauen im Musikbusiness und gute Seele Amerikas – sie war auch Christin.
Ein Nachruf von Anna Lutz

„Im Warten, im Suchen, im Heilen und im Schmerz, wie ein Segen, verborgen in der Zerbrochenheit, jede Minute, jeden Moment, wo ich war und wo ich hinging, sogar dann, wenn ich es nicht wusste oder nicht sah – da war Jesus.“ Diese Worte sang Dolly Parton 2019 zusammen mit dem christlichen Popsänger Zach Williams. Nicht nur sie sind Beleg für ihre tiefe Verwurzelung im christlichen Glauben. 

Dolly Parton wurde 1946 als eines von zwölf Kindern geboren und wuchs in den Smoky Mountains auf, wo sich die Familie eine Ein-Raum-Holzhütte teilte. Wer Parton als Sängerin kannte, mit langen Nägeln, aufwendigen Perücken, schicken Kleidern und viel Schminke im Gesicht, wird es kaum glauben, aber sie war die Tochter eines einfachen Tabakbauern und Bauarbeiters. Auch deshalb verehren viele die Musikikone: Sie hat den sogenannten amerikanischen Traum wahr gemacht, sich hochgekämpft aus einfachsten Verhältnissen an die Spitze der Musikindustrie. Am Ende war sie mit mehr als 160 Millionen verkauften Alben und elf Grammys die erfolgreichste Countrysängerin der Welt, und sie arbeitete mit Legenden wie Johnny Cash und Elvis zusammen.

Bekannter noch als ihr selbst gesungener Titel „Jolene“ ist ein von ihr komponierter Song, den die meisten mit einer ganz anderen Frau in Verbindung bringen: Whitney Houston und ihr Welthit „I Will Always Love You“. Das Stück stammt aus Partons Feder. Laut „Spiegel“ ist er mit mehr als 20 Millionen Verkäufen der erfolgreichste Song, den jemals eine Frau geschrieben hat. 

Vom Kirchenchor nach Nashville

Wie für viele US-Stars begann auch Partons Karriere im Kirchenchor. 1964 zieht sie nach Nashville und unterschreibt ihren ersten Plattendeal. Drei Jahre später, mit 20 Jahren, heiratet sie und bleibt bis zum Ende mit Carl Dean verheiratet. Er starb ein Jahr vor ihr. 

Wie das „Sonntagsblatt“ berichtet, war der Glaube seit ihrer Kindheit tief in ihrem Leben verwurzelt. So wuchs sie in einer religiösen Familie auf. Ihr Großvater war Prediger einer Pfingstgemeinde. Fromme Zitate von ihr finden sich zahlreiche. 2020 etwa sagte sie dem Magazin „Guideposts“, dass sie jeden Tag mit einer Gebetszeit beginne. Sie frage Gott dann: „Wie willst du mich gebrauchen? Was kann ich heute tun?“

Beim Sender „Fox News“ sagte sie vor einigen Jahren: „Mein Glaube beeinflusst alles, was ich tue. Ich glaube, dass für Gott alle Dinge möglich sind.“ Und: „Ich bitte Gott immer, alles zu segnen, was ich tue, und auch die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite.“

Einsatz für Impfstoff, Kinder und LGBTQI+

Vielleicht rührte auch daher ihr breites soziales Engagement. So gründete sie etwa die „Imagination Library“, die bis heute kostenlos Millionen Bücher an Kinder verteilt hat. Zu Beginn der Corona-Pandemie spendete sie eine Million Dollar für die Impfstoffforschung und engagiert sich nach Naturkatastrophen regelmäßig im Katastrophenschutz. 

Außerdem galt sie – und das mag besonders sein für eine US-amerikanische Christin – als starke Unterstützerin der LGBTQI+-Bewegung. Nicht nur viele ihrer Fans kommen aus dieser Gruppe. Sie sprach sich auch öffentlich für Inklusion aus, etwa im Jahr 2016 in einem Interview mit Talkhost Larry King und in Richtung der christlichen Community: „Nun, wenn du der feine Christ bist, für den du dich hältst, warum verurteilst du dann andere Leute? Das ist Gottes Job. Wir sind nicht Gott, wir sind keine Richter. Wir sollen einander lieben.“

Seit am Dienstag bekannt wurde, dass Parton einem Krebsleiden erlegen ist, häufen sich die Beileidsbekundungen Prominenter von Ex-Präsident Barack Obama bis zu Partons Patentochter Miley Cyrus. Auch viele christliche Berühmtheiten würdigen die Sängerin.  

So erklärte ihr ehemaliger Gesangspartner Zach Williams laut „Christian Post“: „Dolly, deine Lieder, dein Glaube und die Art, wie du Menschen geliebt hast, haben mich mehr bewegt, als du vielleicht je gewusst hast.“ Und weiter: „Du hast uns allen gezeigt, dass Erfolg nicht das Herz verändern muss und wir das, was Gott uns gegeben hat, nutzen können, um das Leben eines anderen ein wenig besser zu machen.“

„Sie ist nicht fort“

Country-Superstar Carrie Underwood erklärte mit Blick auf den christlichen Glauben: „Sie ist nicht fort. Ich weiß genau, wo sie ist.“ Und: „Sie war der Inbegriff von Glauben, Gnade, Talent, Schönheit und Humor. Sie hatte ein demütiges Herz für Jesus und sorgte dafür, dass jeder in ihrem Umfeld sich besonders fühlte.“ Vielleicht, so fügt Underwood hinzu, sei Parton eine der wenigen Menschen gewesen, auf die sich jeder im als zerrissen geltenden Amerika in diesen Tagen habe einigen können.

So ähnlich klingt es nun vielerorts, besonders in den Sozialen Medien an: Die Welt, so scheinen sich viele einig zu sein, hat mit Dolly Parton nun nicht nur eine Ausnahmesängerin verloren, die noch bis kurz vor ihrem Tod öffentlich auftrat. Sondern auch eine hingegebene Christin, der es gelang, Menschen unterschiedlicher Ansichten und Glaubensrichtungen zu vereinen.

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