„Kirchen brennen, Christen werden verfolgt – aber die Christenverfolgung passiert eben auch viel subtiler. Macht das öffentlich: man kann sich nur wehren, wenn man die Gefahr sieht“, warnt Beatrix von Storch, evangelische Christin und eine der bekannteren AfD‑Bundestagsabgeordneten, auf der Plattform „X“. Worum geht es hier? Menschenrechtsverletzung? Religionsfreiheit? Konversionsverbot?
Nein, was von Storch hier mit „subtil“ meint, ist ein Fall für die oder besser von der Grillparty. Wie auch immer ihr das aufgefallen sein mag: In Großbritannien war es bei der Firma „Heinz“, also die mit dem Ketchup, bisher nicht möglich, seine Bratwurstgarnitur nach dem Gottessohn zu benennen. Eine namentliche Beschriftung der Flaschen ließ der Onlineshop zwar zu, nur eben nicht mit dem Wort „Jesus“. Und noch schlimmer: Die Worte „Allah“ und „Satan“ waren erlaubt.
Man kann bei Heinz Thomatenketchup seine Ketchup-Flasche personalisieren, z.B. mit Malte-Sören. Oder auch mit ALLAH. Oder SATAN.
— Beatrix von Storch (@Beatrix_vStorch) August 18, 2026
Nur JESUS geht nicht.
Die satanischen, islamischen und sonstigen Programmierer bei Heinz fürchten die Macht des Namens JESU. Kirchen brennen, Christen… pic.twitter.com/S383ThNsp1
Das wirft viele Fragen auf: Liegt die Ächtung des Wortes „Jesus“ schlicht an einem Fehler im System? Oder ist er vielmehr systematische Verleugnung Gottes? Oder sind die Leute da bei „Heinz“ sogar besonders fromm und nehmen das Zweite Gebot ernst: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.“? Und dann noch grundlegender: Fällt das Bedrucken von Saucenflaschen unter Gotteslästerung?
Klingt witzig, ist aber ernst
Wie das alles auch sei, das Büro von Storch ist dem Problem nachgegangen und wohl auch dank des tatkräftigen Einsatzes der AfD im Bundestag dürfen alle nun Jesus-Ketchup bestellen. Die Firma hat das Namensverbot im System mittlerweile aufgehoben. Halleluja. Oder auch nicht.
Was witzig klingt, ist es aber eigentlich gar nicht, denn Skandalisierung und Verschwörungsdenken gehören zum Markenkern des Rechtspopulismus. Ein sehr viel ernsteres Beispiel zeigte dies jetzt in Sachsen‑Anhalt.
Dieser Tage veröffentlichte der dortige Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ein Video in den sozialen Medien, in dem er vor Wahlmanipulation warnte. Und zwar im Seniorenheim. Aus „einer linken oder grünen Ecke“ wäre es ja möglich, dass dort „die Hand gelenkt wird“, warnt Siegmund lächelnd, als käme ihm das gerade recht. Was er da raunt, übersetzt sich so: Pfleger, die eher links oder grün wählen, könnten die Briefwahlunterlagen der Bewohner fälschen oder in die Stimmabgabe eingreifen. Das ist in Deutschland übrigens strafbar.
Briefwahl im Pflegeheim – wir brauchen DEINE Hilfe!
— Ulrich Siegmund (@UlrichSiegmund) August 16, 2026
Wenn du in einer Pflegeeinrichtung arbeitest oder Angehörige hast, die dort gepflegt werden: Bitte schau genau hin. Sorge mit dafür, dass diese historische Wahl sicher, frei und demokratisch abläuft.
Wir alle wissen, dass in… pic.twitter.com/zYDxMmP1vH
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) reagierte entsprechend angefressen auf die Vorwürfe. Ohne Belege werde ein ganzer Berufsstand unter Generalverdacht gestellt. Die Empörung ist nachvollziehbar, immerhin sind gerade jene in Pflegeberufen schon gebeutelt genug. Es braucht nicht noch eine wilde Verschwörungstheorie über links-grün-versiffte Machenschaften in ihren Reihen.
Keinerlei Belege
Siegmund hingegen wird sich gedacht haben: Die Idee der geheimen Verschwörung, gegen die die AfD sich stellt, ja, die sogar nur sie wirklich aufzudecken bereit ist, kommt im Wahlkampf gerade recht. Beatrix von Storch hat das auch erkannt.
Egal also, ob es um Jesus auf Ketchup-Flaschen geht oder um hilfsbedürftige Senioren, die ihr Kreuz auf dem Briefwahlzettel machen: Die AfD wittert Gewinnmaximierung. Belege für den mutmaßlichen Kulturkampf hüben wie drüben bleibt die Partei zwar schuldig. Die Saat für stimmbringende öffentliche Empörung aber ist ausgestreut. Wahr ist aber eine Weisheit, die seit der Erfindung sozialer Medien gilt: Wohl dem, der seine Wahlentscheidung nicht vom Netz-Raunen abhängig macht.