„WamS“ porträtiert Pfarrer und ihren Umgang mit der AfD

Ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt könnte erhebliche Konsequenzen für die Kirchen haben. Viele Geistliche wehren sich gegen die Partei und extreme Rechte, darunter auch Pfarrer Justus Geilhufe. Sie suchen aber auch den Dialog.
Von Johannes Blöcher-Weil
Pfarrer Justus Geilhufe ist es ein Anliegen, mit den Vertretern der AfD im Gespräch zu bleiben

Die AfD wirft der Kirche vor, nur noch eine „Regenbogenideologie“ zu vertreten. Nach einem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt möchte die Partei Staatsleistungen an die großen Kirchen streichen und den Einzug der Kirchensteuer über die Finanzämter stoppen. Gefördert werden sollen dagegen Freikirchen und orthodoxe Kirchen, in denen laut AfD „authentischer“ Glaube praktiziert werde.

Wie es bei diesen Ankündigungen trotzdem gelingen kann, mit den Wählern der Partei zu reden und kirchliches Leben zu gestalten, hat die „Welt am Sonntag“ untersucht und sich bei einigen Pfarrern auf Spurensuche begeben. Fast alle wünschen sich und hoffen, dass die Kirche mit ihrem Wertegerüst den gesellschaftlichen Konsens fördert und der AfD die Grundlage nimmt.

Räume schaffen, um über unterschiedliche Positionen zu reden

Einer der Porträtierten ist Justus Geilhufe. Er ist Pfarrer in Großschirma, einer der am stärksten säkularisierten Regionen der Welt. Er möchte die Menschen durch die Religion ermutigen, Haltung zu zeigen und die Kirche im Osten wiederzubeleben. Die Menschen sollten ihre Unzufriedenheit überwinden und ihre Energie dafür einsetzen, etwas besser zu machen.

Als Pfarrer gehe er bewusst auf Menschen zu, die kaum Kontakt zur Kirche hätten, und lade sie zu Glaubenskursen ein, in denen er lebensrelevante Fragen behandle. Eine starke und lebendige Kirche könne aus seiner Sicht am besten gegen extreme Tendenzen ihre Stimme erheben. Daher sei es wichtig, Räume zu schaffen, um über die unterschiedlichen Positionen zu reden.

Für Geilhufe ist „Gott das Fundament einer freien, aufgeklärten, bürgerlichen Gesellschaft“. Den Erfolg der AfD wertet er als Folge der antikirchlichen Politik des Kommunismus. Die Partei hetze gegen Bestehendes und versuche, einfache Antworten auf komplizierte Sachverhalte zu geben.

DBK: AfD grenzt Minderheiten aus und gefährdet Demokratie

Aus Sicht des Magdeburger Bischofs Gerhard Feige gehe es darum, wie in DDR-Zeiten in einer kirchenfeindlichen Umgebung Haltung zu bewahren. Den Versuch der AfD, den Kirchen das Christsein abzusprechen, kritisiert er scharf. Denn die Partei selbst leugne oder relativiere die gleiche Würde aller Menschen. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte sich klar gegen die AfD positioniert, weil sie Minderheiten ausgrenze und die Demokratie gefährde.

Christian Wolff bezeichnet „Dankbarkeit als eine entscheidende Kategorie des Glaubens“. Der frühere Pfarrer der Leipziger Thomaskirche versteht es als Aufgabe der Kirchen, sich gegen die Programmatik der AfD zu positionieren. Gute Predigten könnten als „Kommunikationsmittel des Glaubens“ den Menschen dabei den Rücken stärken.

Pfarrerin Hanna Henke aus Halle-Neustadt veranstaltet einmal im Monat mit verschiedenen Akteuren aus ihrem Quartier ein Kaffeetrinken, um über aktuelle Ereignisse zu diskutieren und ehrlich miteinander zu reden. Dort dürfe jeder seine Bedenken äußern. Es gehe aber auch darum, Vorurteile zu überwinden und als Kirche zu zeigen, wie Zusammenleben und eine gerechte Gesellschaft funktionieren kann.

Wieder in zeitgemäßer Sprache von Gott reden

Ein Ansatz von Samuel Hüfken aus dem Umland von Halle/Saale ist es, Menschen in kirchlichen Handlungen zusammenzubringen. Die Kirche solle ein offener Raum für alle sein, an dem ein friedliches Miteinander gepflegt wird, ohne parteipolitische Abgrenzung. Zu den christlichen Werten, die mehr Toleranz und weniger Hetze in der Gesellschaft befördern können, gehört für ihn die biblische Vorstellung von Freiheit. Kirche könne da ein wichtiger Erprobungsraum und Raum der Freiheit sein.

Der Nürnberger Theologieprofessor Ralf Frisch bemängelt die politische Einseitigkeit der Kirchen. Alles, was nicht einer bestimmten politischen Überzeugung entspreche, werde vorschnell mit dem Etikett „rechts“ versehen. Es gehe aber darum, die Sorgen der Menschen, die den Zerfall christlicher Traditionen spürten, ernst zu nehmen und sie nicht zu isolieren. Es könne helfen, sich wieder auf den religiösen Kern zurückzubesinnen und in zeitgemäßer Sprache von Gott zu reden.

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