Christliche Politik darf nicht extremistisch sein. Diese Position vertritt der Magdeburger Bischof Gerhard Feige gegenüber dem Deutschlandfunk. Aufgrund der politischen Entwicklung habe sein Bistum die Aktion „Bewusst wählen“ initiiert, die dazu anrege, eine bewusste Wahlentscheidung zu treffen und deren Konsequenzen zu durchdenken.
Aktuell nehme er in der Gesellschaft eine angespannte Stimmung war. In der Bevölkerung herrsche Angst und Misstrauen, das von Verantwortungsträgern noch geschürt werde. Aus seiner Sicht spielten die allgemeine Großwetterlage sowie Verlustängste und erlebte Ungerechtigkeiten dabei eine wichtige Rolle.
„Kirche als schöpferische Minderheit verstehen“
Seine Kirche verstehe er als „schöpferische Minderheit“, die einen konstruktiven Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenleben leisten wolle. Kirche solle sich nicht gegen etwas positionieren oder von der Kanzel Wahlempfehlungen abgeben. Aber sie müsse sich zu Wort melden, wenn sie gewisse Entwicklungen kritisch sehe. Das gelte für alle Parteien.
Das Evangelium sei nie unpolitisch. Deswegen gelte es, christliche Werte in die Diskussion einzubringen, etwa wenn es um Menschenwürde oder Freiheitsrechte gehe. Der Theologe riet dazu, sich Wahlentscheidungen reiflich zu überlegen und deren Konsequenzen für das persönliche und gesellschaftliche Leben abzuwägen.
In Sachsen-Anhalt seien nur drei Prozent Mitglied der katholischen und elf Prozent Mitglied der evangelischen Kirche. Er nehme auch insgesamt eine starke antikirchliche Haltung wahr, die vor allem der AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Hans-Thomas Tillschneider, schüre. Die Kirche sei bereits zu DDR-Zeiten lächerlich gemacht worden. In dieser Intensität habe das aber eine neue Qualität bekommen.
„Grundrechte nicht nach eigenem Gusto gestalten“
Vieles, was die AfD im Entwurf ihres Regierungsprogramms fordere, sehe er skeptisch und könne auch gar nicht auf Länderebene umgesetzt werden. Es befremde ihn, wenn die Partei das Grundrecht der Religionsfreiheit nach ihrem Gusto anpassen wolle. Er selbst identifiziere sich auch mit seiner Heimat, wolle aber auch keine Mauern aufbauen und Menschen ausgrenzen.
Leider sei es schwer, mit den Kritikern ins Gespräch zu kommen. Von Argumenten ließen sie sich kaum überzeugen. Als Bischof und Christ habe er aber eine „Berufung und Sendung“. Er sei mit vielen Menschen unterwegs, die das teilten. Dadurch habe er die Hoffnung, dass die Entwicklung gut wird.