Deutschland diskutiert schon lange ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Politiker und Experten sind sich dabei uneinig: Einige fordern ein komplettes Verbot für Unter-16-Jährige, andere drängen auf mehr Regulierungen durch die Plattformen. Wieder andere halten nichts von Verboten und wünschen sich stattdessen, mehr in die Medienkompetenz von jungen Menschen zu investieren. Eine Expertenkommission hat kürzlich ihre Einschätzung zu dem Thema vorgelegt.
Nicht nur in Deutschland ist das ein Thema. Social-Media-Verbote für Jugendliche oder bestimmte Altersgrenzen für die Plattformen gibt es mittlerweile in mehreren Ländern. Welche Länder haben ein Social-Media-Verbot für Kinder? Ein Überblick, welche Regelungen in Ländern weltweit gelten.
Australien:
Prominentestes Beispiel der vergangenen Zeit ist Australien. Dort gilt seit Ende 2025 ein striktes Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige. Eine aktuelle Studie zeigt aber: Das Verbot zeigt wenig Wirkung. Jugendliche finden einfache Wege, um das Verbot zu umgehen. Der Großteil der Zwölf- bis 15-Jährigen nutzt die Kanäle weiterhin. Sie gaben etwa ein falsches Alter an oder posteten ein Selfie einer Person, die von der jeweiligen Plattform als alt genug akzeptiert wurde.
Die Regierung plant deshalb eine Verschärfung des Gesetzes – unter anderem mit Geldstrafen für die Social-Media-Konzerne.

Brasilien:
In Brasilien gibt es kein generelles Social-Media-Verbot. Im März trat das neue brasilianische Digitalgesetz in Kraft. Darin finden sich auch Regeln für die Social-Media-Nutzung von Jugendlichen. Es verpflichtet Social-Media-Plattformen zur zuverlässigen Altersverifikation der Nutzer. Eine Selbstauskunft reicht nicht aus. Außerdem dürfen die Plattformen Unter-18-Jährigen keine Videos mehr anzeigen, die selbstständig starten oder in Endlosschleife laufen, auch zielgerichtete Werbung dürfen sie den Jugendlichen nicht mehr in den Feed spülen. Außerdem müssen die Konten von Unter-16-Jährigen mit denen der Erziehungsberechtigten verknüpft sein.
Dänemark:
Ende 2025 einigte sich das dänische Parlament auf ein Social-Media-Verbot für Unter-15-Jährige. Die genauen Details und wann das Verbot in Kraft treten soll, sind aber noch unklar. Lediglich einig sei man sich, dass es Ausnahmen geben könne: Wenn die Eltern zustimmen, könnte der Nachwuchs die entsprechenden Plattformen schon ab 13 Jahren nutzen.
Frankreich:
Anfang April stimmte der Senat in Frankreich für ein Verbot für Jugendliche. Es soll für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren gelten. Das Gesetz soll im September in Kraft treten.
Griechenland:
Ab dem 1. Januar 2027 soll in Griechenland ein Social-Media-Verbot für Unter-15-Jährige gelten. Das kündigte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis im April an.
Nach Angaben von „ZDF heute“ plant die Regierung darüber hinaus, das Verbot nicht nur durch die Plattformen umsetzen zu lassen, sondern auch mithilfe einer App. Die „Kids Wallet App“ soll eine verifizierte Altersprüfung ermöglichen und dann direkt auf den Geräten den Zugang zu Plattformen verhindern. Diese App könne dann zudem dafür genutzt werden, dass Jugendliche unter 18 Jahren für Websites mit Pornografie, Glücksspiel und Alkohol gesperrt werden.
Foto: European People's Party - EPPGroßbritannien:
Großbritannien will die Social-Media-Nutzung für Unter-16-Jährige verbieten. Der scheidende Premierminister Keir Starmer erklärte kürzlich, dass ein entsprechendes Gesetz zum Social-Media-Verbot Anfang 2027 in Kraft treten soll.
Indien:
Mehrere Bundesstaaten prüfen aktuell ein Social-Media-Verbot für Minderjährige. Nur im Bundesstaat Karnataka gibt es schon einen Beschluss für ein Verbot für Unter-16-Jährige. Wann ein entsprechendes Gesetz allerdings in Kraft treten soll, ist unklar.
Indonesien:
Seit Ende März gilt in Indonesien ein Verbot sozialer Netzwerke für Unter-16-Jährige. Sie können sich auf den Plattformen keine neuen Konten anlegen, bisherige Konten werden gesperrt. Das Verbot soll schrittweise kommen – wie genau, ist noch unklar.
Italien:
Italien möchte ein Social-Media-Verbot für junge Menschen unter 15 Jahren. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde schon 2024 vorgelegt. Daraus geht auch hervor, dass Jugendliche von 15 bis 18 Jahren eine Erlaubnis der Eltern nachweisen müssen, um die Netzwerke zu nutzen. Allerdings blockiere der italienische Senat den Entwurf bis heute, berichtet „ZDF heute“.
Kanada:
Auch Kanada plant ein komplettes Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde Anfang Juni vorgelegt. Gleichzeitig will die Regierung auch stärker gegen problematische KI-generierte Angebote vorgehen. Wann solch ein Gesetz in Kraft treten könnte, ist noch nicht bekannt. Das Thema ist auch in Kanada politisch hart umkämpft. Außerdem ist noch unklar, wie eine verlässliche Alterskontrolle gewährleistet werden könne, berichtet der „Spiegel“.
Malaysia:
Seit Anfang Juni gilt ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige. Die Regelung verpflichtet die Plattformbetreiber dazu, Altersprüfungen einzuführen. Halten sich Unternehmen nicht an das Gesetz, drohen Strafen von umgerechnet bis zu 2,5 Millionen US-Dollar.
Norwegen:
Norwegen möchte ebenfalls ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige einführen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf soll bis Ende des Jahres ins Parlament eingebracht werden. Das kündigte Ministerpräsident Jonas Gahr Store im Frühjahr an.
Nicht nur Social-Media-Verbot, auch neues Pflichtfach
Österreich:
Im Nachbarland Österreich hat sich die Regierungskoalition im Juni auf einen Gesetzesentwurf für ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren geeinigt. Anschließend wird er im Parlament beraten. Neben dem Verbot soll in den Oberstufen der Schulen auch ein neues Pflichtfach eingeführt werden, in dem die Jugendlichen den Umgang mit Medien und Demokratie lernen. Das soll helfen, wahre von falschen Nachrichten unterscheiden zu können und demokratiefeindliche Inhalte zu erkennen.
Portugal:
Im Februar verabschiedete das Parlament in Portugal einen Gesetzesentwurf für ein Social-Media-Verbot für Minderjährige. Welches Mindestalter gelten soll, ist aber bisher nicht klar. Der Entwurf wird derzeit von einer Kommission geprüft.
Schweden:
Eine Regierungskommission in Schweden schlug dieses Frühjahr vor, ein Social-Media-Verbot für Unter-15-Jährige einzuführen. Konkrete Maßnahmen stehen aber noch nicht fest.
Slowenien:
Slowenien arbeitet derzeit an einer Regelung für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 15 Jahren.
Spanien:
Spanien will ebenfalls ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige. An dem entsprechenden Gesetz wird derzeit gearbeitet. Außerdem sollen die Plattform-Anbieter verpflichtet werden, Systeme zur Altersüberprüfung einzuführen.
Thailand:
Die thailändische Regierung prüft derzeit ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige.
» Ethikrat spricht sich gegen Social-Media-Verbot aus
Türkei:
Das Parlament in der Türkei hat im April einen Gesetzesvorschlag für ein Social-Media-Verbot für Unter-15-Jährige verabschiedet. Das Gesetz soll Ende Oktober in Kraft treten. Es verpflichtet die Plattformen dazu, Systeme zur Altersverifizierung einzuführen und Kontrollmechanismen für Eltern zu schaffen. Die Abwicklung könnte über das staatliche E-Government-System „e-Devlet“ passieren, berichtet „ZDF heute“.
Zudem sollen Plattformen mit mehr als zehn Millionen täglichen Zugriffen aus der Türkei dazu verpflichtet werden können, „behördliche Anordnungen“ innerhalb einer Stunde umzusetzen. Zum Beispiel dürfen gelöschte oder gesperrte Inhalte nicht erneut veröffentlicht werden. Bei Verstößen drohen Geldstrafen für die Unternehmen. Überdies soll die Datenübertragung zu den Plattformen dann verlangsamt werden können.
Vereinigte Arabische Emirate:
Im Juni beschloss die Regierung in Abu Dhabi ein Verbot für Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres. 15- und 16-Jährige dürfen die Netzwerke nur nutzen, wenn Inhalte und Interaktionen altersgerecht und Nutzungszeiten begrenzt sind. Eltern müssten außerdem eine Kontrollmöglichkeit behalten. Das berichtet unter anderem die „Evangelische Zeitung“.
Die Plattformen müssen zudem zuverlässige Mechanismen zur Altersüberprüfung einführen, berichtet „ZDF heute“. Dazu gebe es drei Möglichkeiten: über eine Regierungs-ID – also so etwas wie den Personalausweis –, per KI-basierter Altersschätzung und über lizenzierte Drittanbieter, die Altersüberprüfungen zur Verfügung stellen.
Weiterhin verbietet das Gesetz den Unternehmen, gewonnene Daten aus Online-Aktivitäten von Minderjährigen zu kommerziellen Zwecken oder für Werbung zu nutzen. Die Vorschriften müssen innerhalb eines Jahres umgesetzt werden.