Papst bei Amerikanern beliebter als Trump

Papst Leo XIV. kommt bei den US-Amerikanern besser an als Präsident Donald Trump. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage. Darin geht es auch um Einstellungen zur Nation. Es zeigt sich: Christen haben dazu sehr unterschiedliche Ansichten.
Von Jonathan Steinert
Eine Fotomontage von Papst Leo auf der linken und Donald Trump auf der rechten Seite. Donald Trump hält eine Bibel in die Kamera und schaut grimmig.

Am 4. Juli feiern die USA ihren 250. Geburtstag. Zu diesem Anlass hat das amerikanische Public Religion Research Institute Anfang Mai mehr als 5.400 Amerikaner aus allen Bundesstaaten online repräsentativ dazu befragt, wie sie über ihr Land und den Präsidenten denken. Die Forscher haben dabei auch ausgewertet, welche Ansichten unter Christen verschiedener Strömungen vorherrschen. Da gibt es deutliche Unterschiede.

Papst oder Präsident?

Seit vorigem Jahr ist der Papst ein US-Amerikaner. Unter seinen Landsleuten erfreut sich Leo XIV. insgesamt einer höheren Beliebtheit als Präsident Trump. 56 Prozent bewerten das Oberhaupt der Katholiken positiv, während Trump auf 34 Prozent kommt – mit abnehmender Tendenz. Die größte Zustimmung erfährt Trump bei weißen Evangelikalen, von denen ihn zwei Drittel favorisieren. Leo hat seine stärksten Befürworter – wenig überraschend – unter weißen Katholiken, die ihn zu drei Vierteln positiv einschätzen.

Potenziell gefährlicher Diktator

59 Prozent der Amerikaner halten Trump für einen potenziell gefährlichen Diktator, dessen Macht begrenzt werden sollte, bevor er die Demokratie des Landes zerstört. Unter den Christen stimmen schwarze Protestanten dieser Aussage mit 80 Prozent am stärksten zu. Weiße Katholiken und Mainline-Protestanten (historisch etablierte Kirchen wie Lutheraner, Presbyterianer, Anglikaner) halten sich ziemlich genau die Waage bei der Zustimmung zu dieser Aussage und der Meinung, dass Trump ein starker Führer ist, dem Macht gegeben werden sollte, um Amerikas Größe wiederherzustellen. Weiße Evangelikale sehen zu mehr als zwei Dritteln in Trump den starken Anführer, knapp ein Drittel von ihnen hält ihn für einen potenziellen Diktator.

Stolze Amerikaner

Amerikanische Christen sind mehrheitlich stolz darauf, Amerikaner zu sein. Bei Weißen ist das noch stärker ausgeprägt (64 bis 76 Prozent) als bei spanischsprachigen Christen. Von ihnen sind vor allem die Katholiken zurückhaltender und stimmen dem nur zu 47 Prozent zu. Am wenigsten stolz auf ihre Nationalität sind schwarze Protestanten mit 39 Prozent. Ganze 83 Prozent der Anhänger des Christlichen Nationalismus sind stolz, Amerikaner zu sein, während es bei jenen, die diese Ideologie ablehnen, nur 23 Prozent sind.

Göttlicher Auftrag für Amerika

Von allen Amerikanern sagen 44 Prozent, dass Gott ihrem Land eine besondere Rolle für die Menschheitsgeschichte zugewiesen hat. 2012 waren das noch mehr als 60 Prozent. Christen sehen das unterschiedlich. Insbesondere weiße Evangelikale sowie Protestanten der spanischsprachigen sowie der schwarzen Community unterstützen diese Aussage mehrheitlich. Von weißen Katholiken und Mainline-Protestanten sehen es etwas weniger als die Hälfte so. Am stärksten sehen Mormonen diese besondere Rolle der USA. Aufs Ganze gesehen unterscheiden sich schwarze, weiße und hispanische Amerikaner kaum in ihrer Einschätzung dazu. Religiös Ungebundene können damit am wenigsten anfangen.

Amerika – ein verlässlicher Nachbar?

70 Prozent der Amerikaner wünschen sich, dass ihr Land ein verlässlicher Nachbar ist, der mit anderen kooperiert und nur im Notfall militärische Gewalt einsetzt. Diese Ansicht teilen auch die meisten Christen, insbesondere schwarze Protestanten. Sie liegen mit 82 Prozent Zustimmung deutlich über dem Durchschnitt – übrigens auch die religiös Ungebundenen (79 Prozent). Am geringsten unter allen Religionsgruppen fällt die Zustimmung zu dieser Vision bei weißen Evangelikalen aus. Zwar stimmt dem noch eine knappe Mehrheit zu, aber 47 Prozent wünschen sich ein machtbewusstes Amerika, das nicht zögert, seine Interessen militärisch zu verteidigen. Anhänger des Christlichen Nationalismus und Republikaner sind die einzigen Gruppen, die sich mehrheitlich ein starkes Amerika wünschen.

Eher keine christliche Nation

Ein Drittel der amerikanischen Bevölkerung würde es befürworten, wenn ihre Gesellschaft in erster Linie aus Christen bestünde. Von weißen Evangelikalen sagen das zwei Drittel, christliche Nationalisten zu 80 Prozent. Abgesehen von den hispanischen Protestanten, die mit einer knappen Mehrheit ebenfalls für eine überwiegend christliche Bevölkerung plädieren, sind andere christliche Gruppen mehrheitlich für eine Gesellschaft, in der verschiedene Religionen ihren Platz haben. Am stärksten vertreten diese Position zu jeweils mehr als 80 Prozent Anhänger nichtchristlicher Religionen sowie religiös Ungebundene.

Helfen Sie PRO mit einer Spende
Bei PRO sind alle Artikel frei zugänglich und kostenlos - und das soll auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unterstützen Sie jetzt PRO mit Ihrer Spende.

Ihre Nachricht an die Redaktion

Sie haben Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen? Dann schreiben Sie gerne eine Nachricht direkt an die PRO-Redaktion.

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen