Die ZDF-Fernsehratssitzung am Freitag lieferte ein weiteres Beispiel dafür, was in Teilen des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks (ÖRR) gehörig falschläuft.
Denn einerseits fragten sich die Mitglieder des Aufsichtsgremiums in Mainz, wie sie Vertrauen gewinnen können. Wie löblich. Ein Soziologe blendete Zahlen und Umfragen ein. Demokratie sei ohne den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk schlicht nicht denkbar – „Punkt“, hieß es aus der Runde. Die Senderspitze ließ verlauten, jeder solle sich in der Berichterstattung ZDF wiederfinden können, und daran arbeite man kontinuierlich.
Wie gewinnt man denn Vertrauen zurück, wenn es um Berichterstattung geht? Vielleicht bei einer Verbesserung des Datenschutzes, über den es auf der Fernsehratssitzung einen ausführlichen Bericht gab? Oder mit der kontinuierlichen Auswertung einer Studie über die Haltung der Bürger zum ÖRR, deren Erkenntnisse man ja beharrlich umzusetzen versuche?
Völlig absurd wäre es natürlich, mit dem einfachsten Mittel zu beginnen: an der eigenen Fehlerkultur zu arbeiten. Fehler öffentlich zugeben und die Konsequenzen daraus ziehen, zum Beispiel im Umgang mit Programmbeschwerden. Es ist nicht so, dass das ZDF (und alle anderen ÖRR-Sender) viele Programmbeschwerden ablehnt. Sondern so gut wie alle. Unabhängig davon, wie schwer der Verstoß war.
Doch statt klarste Verstöße gegen die Programmgrundsätze demütig als solche anzuerkennen – und damit Vertrauen zu gewinnen – entschied sich das ZDF vergangenes Jahr für noch weniger Transparenz: Mit der neuen Beschwerdeordnung vom Dezember 2025 muss das ZDF nicht mehr jede Programmbeschwerde einzeln behandeln, sondern kann eine einzige „Leitbeschwerde“ auswählen. Alle Beschwerdeführer bekommen also dieselbe Antwort. Und zwar auf die Leitbeschwerde, nicht auf ihre eigene. Seltsam genug.
Was aber noch verheerender ist: Programmbeschwerden, die es in den Fernsehrat schaffen, werden nun nur noch dann in der öffentlichen Sitzung debattiert, wenn der entsprechende Beschwerdeausschuss sich nicht einig war. Was bedeutet: Die meisten Beschwerden werden hinter verschlossenen Türen abgebügelt. Natürlich folgt irgendwann eine schriftliche Begründung.
Keine Diskussionen im Fernsehrat
Das ZDF arbeitet mit solch einer Mentalität beharrlich daran, Vertrauen selbst bei denen zu verlieren, die dem ÖRR eigentlich wohlgesinnt sind. Die Verantwortlichen erwecken den Eindruck, als wollten sie Kritik möglichst weitgehend aus der Öffentlichkeit heraushalten. In Zeiten von Internet und Social Media bewirkt so ein verkrampfter Umgang mit Fehlern das genaue Gegenteil.
Zum heftig kritisierten „logo“-Beitrag über Kirchen hätte der Fernsehrat diskutieren können. Er hätte der Öffentlichkeit zeigen können, dass es tatsächlich in den eigenen Reihen unterschiedliche Stimmen gibt.
Und natürlich hätte er der Programmbeschwerde stattgeben müssen. Alleine schon deshalb, weil der ZDF-Intendant Norbert Himmler in einer sehr selbstkrischen, wenn auch etwas späten Reaktion den Kritikern in sehr vielen Punkten Recht gegeben hatte.
Das ZDF ist es den Beitragszahlern schuldig, offen und ehrlich über Fehler zu sprechen. Dann wird es auch wieder etwas mit dem Vertrauen.