„KI kann ein tolles Werkzeug sein, aber leider kennt die menschliche Fantasie keine Grenzen, wenn es darum geht, mächtige Technologien in Waffen zu verwandeln“, sagt Benanti im Interview mit der „Zeit“. Der Franziskaner promovierte über Cyborgs und ist heute Professor für Technologie-Ethik an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Regelmäßig tauscht er sich mit Papst Leo XIV. zum Thema KI aus. Im Interview sagt er: „Ich habe mehr Angst vor natürlicher Dummheit als vor künstlicher Intelligenz.“
„Glaubensgemeinschaften müssen sagen: Nicht in unserem Namen!“
In der Bibel gebe es die berühmte Verheißung, dass die Völker und Nationen „ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden“. Das sei die Mission der Kirche auch bei der KI: „eine Waffe in ein Werkzeug zu verwandeln.“ Denn die Menschenwürde sei bedroht, wenn „Entscheidungen nicht mehr im Interesse der Menschen getroffen werden, sondern nur noch auf Basis von Daten“. Diese Gefahr sieht er bei den Tech-Giganten im Silicon Valley. Benanti: „Bei Grok herrscht das Recht des Stärkeren. Wie hier Freiheit und Menschenwürde missachtet werden, das erinnert mich an den Faschismus. Die Glaubensgemeinschaften müssen sagen: Nicht in unserem Namen!“
Andererseits sei im Silicon Valley die Sehnsucht nach spiritueller Orientierung groß. Es sei daher ein guter Ort zum Missionieren. „Es würde sich lohnen, dort ein Kloster zu eröffnen. Ich denke ernsthaft darüber nach“, erklärt Benanti.
Diese spirituelle Sehnsucht habe auch zur Folge, dass manche Menschen Technik verehrten wir einen Gott: „Es ist nicht das erste Mal, dass Menschen einen Götzen verehren. Schon Moses hatte der Bibel zufolge dieses Problem: Während er auf dem Berg Sinai war, um mit Gott zu sprechen, erschufen die Israeliten ein goldenes Kalb, das sie anbeteten.“
Einen davon sieht er im umstrittenen Tech-Millardär Peter Thiel. „Er vermischt die biblische Prophezeiung vom Ende der Welt mit seinen Fantasien vom Ende unserer Zeit“, sagt Benanti, und warnt: „Er erhebt seine Ideen zu einer Religion.“