US-Psychologe: „Keine KI-Freunde für Kinder!“

Der Sozialpsychologe Jonathan Haidt ist für ein Social-Media-Verbot für Kinder. Im Interview mit der „Zeit“ fordert der Social-Media-Kritiker zudem Smartphone-Verbote in Schulen und warnt vor KI-Freunden.
Von Norbert Schäfer
Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren sollen keine sozialen Medien nutzen: das sieht ein CDU-Parteitagsbeschluss vor.

Der US-amerikanische Sozialpsychologe Jonathan Haidt hat im Interview mit der „Zeit“ seine Forderung nach einem Social-Media-Verbot für Kinder bekräftigt. Der Autor des Bestsellers „Generation Angst“ argumentiert, dass unter anderem Kinder der Generation Z in Umfragen selbst berichten, dass soziale Medien ihrer psychischen Gesundheit schaden. Eltern, Lehrer und Therapeuten bestätigten dies. Zudem zeigten interne Dokumente von Meta, bekannt geworden durch die Whistleblowerin Frances Haugen, dass der Konzern hinter Facebook und Instagram wusste, dass seine Produkte Kinder schädigen.

Dass Kinder durch soziale Medien traumatisiert werden, belegt Haidt an einem Beispiel. Allein bei Snapchat gingen laut internen Dokumenten monatlich 10.000 Hinweise auf sogenannte Sextortion ein – Fälle, in denen Kinder mit Nacktbildern erpresst werden.

Deutsche befürworten Verbot

Ende 2025 trat in Australien ein Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige in Kraft – das erste seiner Art weltweit. Haidt zeigt sich im „Zeit“-Interview begeistert: Die Plattformen hätten das Gesetz umgesetzt, Umgehungsversuche per VPN seien schnell zurück gegangen.

Laut einer deutschen Umfrage befürworten über 80 Prozent der Erwachsenen ein solches Verbot – und sogar 47 Prozent der betroffenen Kinder selbst. Haidt: „Mir hat noch niemand überzeugend dargelegt, warum eine Elfjährige besser dran sein sollte, wenn sie sich Nachrichten mit Freundinnen hin- und herschickt, anstatt sich mit ihnen zu treffen und zu quatschen.“

Handyfreie Schulen lobt Haidt in dem Interview ausdrücklich. Das Konzept sei nicht, Smartphones im Unterricht auszuschalten – sondern sie morgens abzugeben und erst nachmittags wieder abzuholen.

Warnung vor KI-Freunden

Haidt kritisiert im Gespräch mit der „Zeit“ die Digitalisierung von Schulen. Computer im Klassenzimmer seien eine schlechte Idee gewesen. Selbst Schweden und Norwegen, frühe Vorreiter, ruderten inzwischen zurück. Haidt erinnert daran, dass viele Techpioniere ihre eigenen Kinder auf Waldorfschulen schicken – Schulen ohne Computer.

Haidt warnt im Gespräch bereits vor der nächsten Bedrohung für Kinder: Künstliche Intelligenz, die in Spielzeug oder als virtuelle Freunde vermarktet wird. Seine Forderung: „Keine KI-Freunde für Kinder!“ Haidt: „Kinder müssen in der wirklichen Welt aufwachsen. Reden, lachen, spielen.“

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