Lage der Pressefreiheit verschlechtert sich

Weltweit lebt nur noch ein Prozent der Weltbevölkerung in Ländern mit „guter“ Pressefreiheit. Das zeigt die Rangliste von „Reportern ohne Grenzen“. Deutschland hat sich in der Rangliste verschlechtert – auch wegen der Nahostberichterstattung.
Von Martin Schlorke
Rangliste Pressefreiheit 2026

Nur noch ein Prozent der Weltbevölkerung lebt in Ländern mit „guter“ Pressefreiheit. Das geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit von „Reportern ohne Grenzen“ hervor. Demnach bewertet die Organisation in nur sieben Ländern die Lage als „gut“. Platz eins belegt wie im Vorjahr und damit zum zehnten Mal in Folge Norwegen, gefolgt von den Niederlanden und Estland.

Wie „Reporter ohne Grenzen“ erklärt, seien zudem erstmals in der 25-jährigen Geschichte der Rangliste mehr als die Hälfte aller Länder in die Kategorien „schwierig“ oder „sehr ernst“ eingestuft worden. 94 der 180 untersuchten Länder erhielten diese Einstufung. Hauptgrund sei demnach eine Verschlechterung der rechtlichen Rahmenbedingungen in vielen Ländern. Journalismus werde weltweit immer häufiger kriminalisiert. Das gelte auch für demokratische Länder.

Israel verschlechtert, palästinensische Gebiete verbessert

In Deutschland ist die Lage „zufriedenstellend“. Die Bundesrepublik belegt den 14. Platz und verschlechtert sich im Vergleich zum Vorjahr um drei Positionen. Grund dafür sei eine wachsende Bedrohungslage von Journalisten „auf der Straße und im Netz“. Zudem erschwerten „polarisierte Themen wie die Nahostberichterstattung“ die Arbeitsbedingungen in den Redaktionen. Aber auch die Berichterstattung über rechtsextreme Milieus erhöhe den Druck auf Medienschaffende, erklärt Christian Mihr, Geschäftsführer für Politik und Strategie bei „Reporter ohne Grenzen“.

In mehreren Ländern nennt „Reporter ohne Grenzen“ Kriege und bewaffnete Konflikte zudem als Ursachen für eine Verschlechterung der Pressefreiheit. So verschlechtert sich Israel (116) um vier Plätze wegen des „unerbittlich geführten“ Krieges im Gazastreifen. Die Palästinensischen Gebiete liegen mit Rang 156 hinter Israel, haben sich aber um sieben Plätze verbessert.

Laut „Reporter ohne Grenzen“ haben die Angriffe auf Medien und Journalisten in den USA mittlerweile System. Das Land fällt um sieben Plätze auf Rang 64. Als Hauptgrund wird die Einwanderungsbehörde ICE genannt, die auch gegen Journalisten vorgeht. Den stärksten Rückgang auf der Rangliste verzeichnet Niger. Das westafrikanische Land verschlechtert sich um 37 Positionen. Gründe dafür sind Angriffe bewaffneter Gruppen und die eingeschränkte Berichterstattung durch die Militärjunta. Die deutlichste Verbesserung ist in Syrien zu beobachten. Das Land macht einen Sprung um 36 Plätze, belegt aber immer noch Platz 141.

Den letzten Platz belegt Eritrea, vor Nordkorea und China. Russland hat sich um eine Position verschlechtert und findet sich auf Platz 172 wieder.

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