KI statt Arzt oder Therapeut

Junge Depressionskranke sprechen lieber mit einem Chatbot als mit einem Arzt. Das zeigt eine Studie.
Von Norbert Schäfer
Sorgen

35 Prozent der jüngeren Menschen mit Depression reden mit Künstlicher Intelligenz über ihre Erkrankung, zehn Prozent sogar in längeren, dialogischen Gesprächen als mit einem menschlichen Gegenüber. Das zeigt eine repräsentative Befragung, die die „Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention“ veröffentlicht hat. Dazu wurden 2.500 Personen zwischen 16 und 39 Jahren online befragt.

Als Hauptgrund für die Nutzung von Chatbots gaben mehr als die Hälfte (56 Prozent) der jüngeren depressiv Erkrankten an, einfach mit jemandem über Probleme reden zu wollen. 46 Prozent hoffen, damit ihre Erkrankung selbst in den Griff zu bekommen. 85 Prozent der Nutzer mit Depressionshintergrund beschreiben die Gespräche als hilfreich. Die KI wird als verständnisvoll (92 Prozent) und respektvoll (89 Prozent) erlebt.

Suizid-Gedanken nach KI-Nutzung verstärkt

62 Prozent der Nutzer mit Depression sind der Meinung, die KI habe bei ihnen den Gang zum Arzt oder Psychotherapeuten überflüssig gemacht. Darin sieht der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Ulrich Hegerl, eine Gefahr. „KI ersetzt weder eine professionelle Diagnostik – etwa mit Laboruntersuchungen zum Ausschluss einer Schilddrüsenüberfunktion – noch stellt sie eine leitliniengerechte Behandlung dar“, erklärt Hegerl.

Dazu kommt: 53 Prozent der befragten Nutzer mit Depression hatten nach der KI-Nutzung verstärkt Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid. Die Stiftung hält KI nicht zur Diagnosenstellung oder der alleinigen Behandlung geeignet. Zudem seien die antidepressive Wirksamkeit und mögliche unerwünschte Folgen kaum erforscht. Hegerl: „Depression ist eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung. Betroffene sollten sich unbedingt weiterhin an Hausärzte, Psychiater oder Psychologische Psychotherapeuten wenden.“

Hilfe bei Suizidgedanken

Denken Sie darüber nach, sich das Leben zu nehmen? Holen Sie sich Hilfe, zum Beispiel bei der Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

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