Prostitution: Geld als Machtmittel

Heike Menzel-Kötz erforscht gerade in ihrer Doktorarbeit die Täterstrategien im Bereich der Prostitution. Diese bauten immer Nähe und Bindung auf – um die Prostituierten hinterher gezielt auszubeuten.
Von Johannes Blöcher-Weil
Heike Menzel-Kötz beschäftigt sich in ihrer Doktorarbeit mit Täterstrategien in der Prostitution

Für ihre Doktorarbeit hat Heike Menzel-Kötz mit verurteilten Straftätern gesprochen. Sie möchte herausfinden, welche Strategien die Täter nutzten, um die Frauen in die Abhängigkeit zu führen. In ihren Interviews mit Tätern habe sie regelmäßig Sätze gehört wie „Sie war freiwillig bei mir“. Wer das glaube, verstehe das System nicht. Ihre wichtigsten Ergebnisse hat sie kürzlich beim Freiheits-Kongress in Schwäbisch-Gmünd vorgestellt.

Der Kontakt werde über Nähe und Bindung aufgebaut. Die „Loverboys“ vermittelten den Frauen, dass sie ihnen neue Möglichkeiten bieten könnten. Die nach und nach aufgebaute Nähe und Bindung werde dann für eine gezielte Ausbeutung genutzt. Dadurch hätten die Täter die Chance, eine massive emotionale Gewalt aufzubauen und die Frauen einzuschüchtern.

Menzel-Kötz warnte davor, aus Täterstrategien Opfer-Beschuldigung zu machen. Sie verdeutlichte, wie sehr auch Autohändler, Makler und Handy-Läden an der Ausbeutung der Frauen verdienten. Obwohl die Frauen Geld erwirtschaften, blieben Verträge und Schulden an ihnen hängen. Das Geld diene auch als Machtmittel: „Aber die Verantwortung wird häufig auf die Frauen verschoben.“

„Stärker auf die Muster achten“

„Ich hatte den Vorteil, dass ich mit Tätern gesprochen habe, die ihre Taten reflektiert haben. Das war also nicht das große Dunkelfeld“, erklärte die Referentin. Die Gespräche hätten gezeigt, dass die Täter gezielte Kontrollstrategien einsetzten und es keineswegs um ein „freiwilliges Mitmachen“ der Frauen gehe.

Selbst ihre Interviewpartner hätten das System als gewaltvoll beschrieben. Das zeige die Größe des Problems: „Wir müssen stärker auf die Muster achten und nicht nur auf einzelne Gewalthandlungen. Die Prävention und die politische Verantwortung müssen an diesem Punkt ansetzen“, forderte Menzel-Kötz.

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