Deutschland schrumpft

Das Statistische Bundesamt meldet für 2025 die niedrigsten Geburtenzahlen seit 1946 – und gleichzeitig rund 106.000 Schwangerschaftsabbrüche. Auf je sechs Geburten kommt damit rechnerisch fast eine abgebrochene Schwangerschaft.
Von Norbert Schäfer
Baby liegt in einem Bett

In Deutschland werden immer weniger Kinder zur Welt gebracht. Gleichzeitig werden etwa einhunderttausend Schwangerschaften vorzeitig beendet. Das zeigt die amtliche Statistik.

654.300 Kinder wurden laut einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts (Destatis) vom Dienstag im Jahr 2025 in Deutschland geboren. Das sind 3,4 Prozent weniger als im Vorjahr (2024). Damit erreichte die Geburtenzahl laut amtlicher Statistik den niedrigsten Stand seit 1946, dem ersten vollständigen Nachkriegsjahr. Gleichzeitig überstieg die Zahl der Sterbefälle (rund 1,01 Millionen) die Zahl der Geburten um 352.000 – das größte Geburtendefizit der Nachkriegszeit.

106.000 Abtreibungen

Den Geburtenrückgang erklärt Destatis mit zwei Faktoren: Die zahlenmäßig kleinen Jahrgänge der 1990er Jahre treten in das wichtige fruchtbare Alter Anfang 30 ein, außerdem sinkt die Geburtenziffer seit 2022 weiter.

Zudem meldete das Statistische Bundesamt 106.000 Abtreibungen im Jahr 2025. In absoluten Zahlen ist das zwar ein leichter Rückgang um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr – aber die Zahl bleibt laut einer Mitteilung von Destatis vom Dienstag deutlich über dem Niveau der Jahre 2014 bis 2020, als sie stets zwischen 99.000 und 101.000 lag.

Verhältnis 6:1

Stellt man beide Zahlen nebeneinander, ergibt sich ein eindrückliches Bild: Auf rund sechs Geburten kommt rechnerisch ein Schwangerschaftsabbruch.

Destatis betont ausdrücklich, dass die Gründe für die Abtreibungen auf Basis der Daten nicht bewertbar sind. 96 Prozent der Abbrüche erfolgten den Angabe zufolge nach der sogenannten Beratungsregelung – also ohne medizinische oder kriminologische Indikation. Nur vier Prozent wurden wegen medizinischer Gründe oder Sexualdelikten vorgenommen.

Wie sind Abtreibungen in Deutschland geregelt?

In Deutschland ist Abtreibung grundsätzlich strafbar (Paragraf 218 StGB). Sie bleibt jedoch unter bestimmten Voraussetzungen straffrei:

  • Beratungspflicht: Schwangere müssen sich bei einer anerkannten Stelle beraten lassen. Diese soll nicht nur neutral informieren, sondern auch ausdrücklich dazu ermutigen, das Kind auszutragen. Ziel ist es, Hilfen und Perspektiven aufzuzeigen, um das Kind auszutragen.
  • Frist von zwölf Wochen: Ein straffreier Abbruch ist bis zur zwölften Schwangerschaftswoche nach Empfängnis möglich. Zwischen Beratung und Eingriff müssen mindestens drei Tage Bedenkzeit liegen.
  • Medizinische und kriminologische Indikation: Nach der zwölften Woche ist ein Abbruch erlaubt, wenn das Leben oder die Gesundheit der Mutter ernsthaft gefährdet sind, oder die Schwangerschaft die Folge einer Vergewaltigung ist.

Wie kam es zu dieser Regelung?

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass der Staat verpflichtet ist, das Recht auf Leben ungeborener Kinder zu schützen, da es durch das Grundgesetz garantiert ist. Gleichzeitig müsse der Staat aber die Rechte und die Selbstbestimmung der Schwangeren achten. Die gesetzliche Regelung versucht, beide Interessen zu vereinbaren. Die heutige Regelung gilt daher als Kompromiss, der die Balance zwischen dem Schutz des ungeborenen Menschen und den Grundrechten der Schwangeren sucht.

Erstmals wurde 2025 die Mehrheit der Abtreibungen (45 Prozent) mit einem Medikament durchgeführt. Bislang war die Absaugung die dominante Methode. 49 Prozent der Abbrüche fanden innerhalb der ersten sechs Schwangerschaftswochen statt, 2015 waren es noch 36 Prozent.

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