Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland hält an demokratischen Grundwerten fest. Das zeigt eine Studie der Forschungsstelle Terrorismus/Extremismus beim Bundeskriminalamt. Laut der „Motra“-Studie (Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung) bekennen sich rund 86 Prozent zur liberalen Demokratie. Etwa 14 Prozent gelten als demokratiedistant.
Die Ergebnisse der Studie beruhen auf mehreren Befragungen. Seit 2021 wurden in fünf Erhebungswellen insgesamt 21.899 Personen ab 18 Jahren befragt. Die Studie untersucht Einstellungen, gesellschaftliche Krisenwahrnehmungen und mögliche Radikalisierungstendenzen.
Demnach ist der „absolut überwiegende Anteil der Bevölkerung positiv zu grundlegenden Prinzipien einer liberalen, rechtsstaatlichen Demokratie eingestellt“. Die Forscher sehen aber Risiken. Viele Menschen erleben Krisen und verlieren Vertrauen in staatliche Institutionen. Eine Folge ist wachsende Unsicherheit. „2025 ist mit 54,8 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung von derartigen grundlegenden Verunsicherungen betroffen“, heißt es in der Studie.
Menschen unter 40 anfälliger für Radikalisierung
Was rechtsextreme Einstellungen angeht, zeigt die Studie unterschiedliche Entwicklungen in verschiedenen Gruppen. Der Anteil klar rechtsextremer Einstellungen bleibt insgesamt relativ stabil. Er stieg nur leicht von 4,9 Prozent im Jahr 2021 auf 5,4 Prozent im Jahr 2025. Doch die Offenheit für autoritäres Denken wächst – besonders bei jüngeren Menschen. Bei den unter 40-Jährigen zeigen 27,3 Prozent eine Offenheit für rechtsextreme Ideen. „Zusammen mit 5,7 Prozent manifest rechtsextrem eingestellten Personen ist damit rund ein Drittel der jüngeren Generation mindestens offen für autoritäres, rechtsextremes Gedankengut.“
Die Studie zeigt außerdem: 11,5 Prozent der unter 40-jährigen Muslime vertreten „manifeste islamistische Einstellungen“. Zusätzlich zeigen 33,6 Prozent in dieser Gruppe „latente islamismusaffine Einstellungen“. Die Autoren halten fest: „Insgesamt sind im Jahr 2025 damit 45,1 Prozent der jüngeren Altersgruppe der in Deutschland lebenden Muslim:innen latent oder manifest islamismusaffin eingestellt.“
Antisemitismus nimmt zu
Die Studie belegt auch einen Anstieg antisemitischer Einstellungen. 2021 lag der Anteil „manifest antisemitisch eingestellter“ Personen bei 3,5 Prozent. Vier Jahre später sind es 7,2 Prozent. Zusammen mit latenten antisemitischen Einstellungen ergibt sich: 14,5 Prozent der Bevölkerung sind mindestens offen für antisemitische Vorurteile.
Deutlich häufiger als in der Gesamtbevölkerung sind antisemitische Vorurteile bei Muslimen zu finden. Unter Muslimen liegt der Anteil mit „manifest antisemitischen Einstellungen“ mit 27,2 Prozent (2021: 12,5 Prozent) fast viermal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Auch hier seien es jüngere Erwachsene im Alter unter 40 Jahren, bei denen die Zunahmen besonders stark ausfallen. Die Rate stieg demnach hier von 11,3 Prozent im Jahr 2021 auf 29,1 Prozent im Jahr 2025. Die Studie beschreibt eine deutlich stärkere Radikalisierungsanfälligkeit in dieser Gruppe als in der Gesamtbevölkerung.