Emma Weiß: Für Gott hätte ich auf meine Karriere verzichtet

Emma Weiß stand im olympischen Aerials-Finale – gehört zur Weltspitze in ihrer Disziplin. Doch für die 26-Jährige ist Leistungssport nur Mittel zum Zweck. Sie will von Gott erzählen.
Von Martin Schlorke
Freestyle-Skierin Emma Weiß in einer roten Winterjacke zwischen zwei Olympia-Ringen

PRO: Frau Weiß, während Ihrer Olympia-Teilnahme berichteten viele Medien über Ihren Glauben. Ihre sportlichen Leistungen wurden nur am Rande erwähnt. Stört Sie das als Sportlerin?

Emma Weiß: Nein, für mich ist das überhaupt nicht schlimm. Eher das Gegenteil ist der Fall. Ich habe zu Pfingsten 2024 Gott kennengelernt. Seitdem bin ich nur noch für ihn unterwegs und will den Menschen von seiner Liebe und von seiner Schönheit erzählen. Meine sportlichen Resultate sind mir ziemlich egal.

Eine Leistungssportlerin, der ihre sportlichen Leistungen egal sind?

Ich trainiere nicht weniger. Mein sportlicher Ehrgeiz ist eher noch gewachsen, weil ich weiß, dass es nicht um mich geht. Es gibt mir Motivation zu wissen, dass ich durch meinen Sport Gott dienen kann. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass ich von Gott geliebt bin – völlig egal, welche Leistung ich im Wettkampf zeige. Trotzdem weiß ich natürlich, dass ich meine sportlichen Leistungen hart erarbeiten muss.

Hat es Sie überrascht, dass so viele säkulare Medien Ihre Glaubensgeschichte aufgegriffen haben?

Ich bin sehr dankbar, dass so viele Medien darüber berichtet haben – und dann auch noch so positiv. Die Berichterstattung über meinen Glauben hätte ja auch in eine ganz andere Richtung gehen können. Ich bete vor Interviews immer, dass Gott mich leitet und mir die richtigen Worte in den Mund legt. Und ich versuche, den Journalisten fair und auf Augenhöhe zu begegnen. Am Ende liegt es aber in Gottes Hand, wie meine Geschichte von Medien und den Menschen aufgenommen wird.

„Ich würde alles für Gott machen.“

Freestyle-Skierin Emma Weiß

Öffentliche Glaubenszeugnisse anderer Sportler wurden in der Vergangenheit medial häufig negativ bewertet.

Ich war ein wenig gespannt, ob es bei mir auch so sein wird. Trotzdem war für mich klar, dass ich über meinen Glauben spreche. Das liegt mir einfach sehr auf dem Herzen. Es geht nicht darum, ob ich mich vor negativen Reaktionen fürchte, sondern darum, von Gott zu erzählen. Aber auch schon vor meiner Bekehrung war mir wichtig, dass ich etwas der Gesellschaft zurückgebe. Wenn ich den Sport nur für mich mache, bringt das niemandem etwas. Deswegen halte ich auch Keynotes in Unternehmen. Unternehmer und Sportler können einiges voneinander lernen. Mittlerweile spreche ich aber auch in christlichen Gemeinden.

Zu Pfingsten 2024 haben Sie sich bekehrt. Wie kam es dazu?

Ein Freund von mir hatte mich schon jahrelang zu Pfingst-Festivals der Loretto-Gemeinschaft eingeladen. 2024 hat es dann auch in meinen Terminkalender gepasst. Am Pfingstsonntag gab es die Möglichkeit der Lebensübergabe. Das war für mich eigentlich keine Option, weil ich dachte, ich sei viel zu weit weg von Gott. In der Gebetszeit vor der Lebensübergabe hatte ich jedoch das Gefühl, jemand schreit mich an, ich solle nach vorn gehen und mein Leben Gott übergeben. Das habe ich gemacht – aber zunächst noch ohne große Erwartungen.

Was ist dann passiert?

Anfang ist nichts passiert. Aber plötzlich hat es sich so angefühlt, als ob ein enorm tiefer Atem in mich gekommen ist, als würde jemand anderes für mich atmen. Ich habe Liebe und einen Frieden in mir gespürt wie noch nie zuvor. Für mich war klar, dass das Gott ist. Seitdem ist mein oberstes Ziel, von Gott zu erzählen. Ich wünsche mir, dass jeder Mensch das erleben darf. Für mich stellte sich auch dann auch die Frage, was Gott nun von mir will. Soll ich weiter Leistungssport machen oder hat Gott andere Pläne?

Sie waren bereit, Ihre sportliche Karriere zu beenden?

Absolut. Pfingsten war so enorm, das hat alles verändert. Ich würde alles für Gott machen.

Sie sagten, sie fühlten sich zu weit weg von Gott. Hatten Sie vorher Berührungspunkte mit dem Glauben?

Ja, ich wurde christlich erzogen und war beispielsweise in der Kinderkirche. Aber eine persönliche Beziehung zu Gott hatte ich nicht. Auf dem Papier bin ich katholisch. Eine Gemeinde in meiner Heimat (Albstadt, d.Red.) habe ich übrigens auch nicht – vor allem, weil ich so oft unterwegs bin.

Wenn Sie so häufig weltweit unterwegs sind, ist es wahrscheinlich schwierig, dennoch christliche Gemeinschaft zu leben.

Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe in allen Ländern, in denen ich typischerweise unterwegs bin, eine Kirche, die ich besuche. Das gilt beispielsweise für Finnland oder Lake Placid in den USA. Dort werde ich immer richtig herzlich empfangen, wenn ich vor Ort bin.

Foto: Productions LastDrive
Spektakuläre Sprünge sind Standard beim Aerials

Wie gehen Ihre Konkurrentinnen damit um, dass Sie so freimütig von Ihrem Glauben erzählen?

Einige sind aktiv auf mich zugegangen, weil sie gemerkt haben, dass sich etwas bei mir verändert hat. Sie waren sehr interessiert, meine Geschichte zu hören. Aber was vielleicht Andere hinter meinem Rücken erzählen, weiß ich natürlich nicht.

Ich will einfach von Gottes Herrlichkeit und Gnade erzählen. Das ist ein Geschenk. Wir müssen dafür gar nicht viel machen, sondern es einfach für uns annehmen. Das klingt einfach, aber ich weiß, dass es auch schwierig sein kann. Bei mir hat es ja auch gedauert, bis ich das angenommen habe. Gott hat aber für jeden das richtige Timing, davon bin ich überzeugt. 

Sie wollen den Sport als Plattform nutzen, um von Ihrem Glauben zu erzählen. Wie sieht das konkret aus? Eine religiöse Botschaft ist in Wettkämpfen ja wahrscheinlich verboten.

Ich hatte tatsächlich ein kleines Kreuz auf meinem Helm. Allerdings musste ich das für Olympia entfernen. Politische und religiöse Statements sind bei Olympia verboten. Ich habe dann einfach ein kleines Kreuz auf meinem Mundschutz getragen. Aber meinen Glauben kann ich ja nicht nur mit solchen Symbolen oder mit Worten vor der Kamera bezeugen.

Bleiben noch Taten.

Ja. Ich versuche mich immer zu fragen, was würde Jesus tun, und versuche, danach zu handeln.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Bei unserem Olympia-Wettkampf in Livigno herrschten sehr schwierige Schneebedingungen. Der Schnee klebte regelrecht an den Skischuhen. Eine Amerikanerin hatte direkt vorm Wettkampf größere Probleme, den Schnee wegzubekommen. Ich bin dann einfach auf sie zugelaufen und habe meine Hilfe angeboten. Sie war ziemlich perplex. Schließlich sorge ich ja dafür, dass sie in der Konkurrenz eine gute Leistung abliefern kann. Im zweiten Durchgang hat sie mir dann übrigens ihre Hilfe angeboten.

Im Weltcup hat sich eine Chinesin bei ihrem Sprung verletzt. Ich habe sie direkt gefragt, ob ich für sie beten darf. Das durfte ich – vor laufender Kamera. Wir hatten vorher nie wirklich miteinander zu tun. Aber seitdem ist sie mir gegenüber viel aufgeschlossener.

Im Leistungssport geht es um Ruhm, Erfolg und Geld. Da scheint für solches Verhalten eigentlich kein Platz zu sein.

Und trotzdem ist es möglich. Ich versuche, Jesus ähnlicher zu werden, und das beinhaltet meiner Meinung nach gelebte Nächstenliebe. Aber das heißt natürlich nicht, dass ich besser bin als andere oder mein Verhalten immer richtig ist. Ich scheitere täglich daran. Aber genau deswegen sind wir auf die Gnade Gottes angewiesen. Und deswegen ist Jesus für uns am Kreuz gestorben.

Frau Weiß, vielen Dank für das Gespräch.

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