Deutscher Presserat verhängte Rekordzahl an Rügen

Der Deutsche Presserat hat im vergangenen Jahr so viele Rügen ausgesprochen wie nie zuvor. Zeitgleich ist auch die Zahl der Beschwerden angestiegen – die meisten wegen der Berichterstattung über den Nahostkonflikt.
Von Martin Schlorke
Bild von verschiedenen Zeitungen

Der Deutsche Presserat hat 2025 so viele Rügen ausgesprochen wie noch nie in seiner Geschichte. Insgesamt hat die Organisation 102 Rügen gegen Redaktionen ausgesprochen. Im Vorjahr sprach der Presserat 86 Rügen aus. Das teilte er am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz mit.

In 43 Fällen bemängelte der Presserat gravierende Verstöße gegen die journalistische Sorgfaltspflicht. 30 Rügen sprach die Organisation aufgrund von Verletzungen des Persönlichkeitsschutzes aus. Wegen der Vermischung von Werbung und redaktioneller Arbeit wurden 21 Rügen ausgesprochen. Rügen wurden außerdem wegen Sensationsberichterstattung verteilt.

Nahost-Berichterstattung im Blick

Mit insgesamt 2.636 Beschwerden verzeichnet der Presserat ebenfalls einen Anstieg bei den eingegangenen Beschwerden. Im Vorjahr wurden 2.215 Beschwerden eingereicht. Die meisten bezogen sich auf Texte in Regional- und Lokalzeitungen (812), gefolgt von Boulevardzeitungen (386) und von Publikumszeitschriften (190).

Inhaltlicher Schwerpunkt der Beschwerden war mit 429 Fällen die Berichterstattung über den Nahostkonflikt. Dabei ging es laut Presserat um die Kriegs- aber auch Politikberichterstattung, sowie um die Artikel über Demonstrationen im Kontext des Nahostkonfliktes in Deutschland. Laut der Pressereferentin des Presserates, Anna Ernst, stach ein Artikel der „Bild“-Zeitung besonders hervor. Dieser führte zu 328 Beschwerden. Nach dem Tod des Al-Jazeera-Korrespondenten Anas Al-Sharif im Gazastreifen titelte „Bild“: „Als Journalist getarnter Terrorist in Gaza getötet.“ Zum damaligen Zeitpunkt habe es für diese Behauptung jedoch keine Beweise gegeben. Diese Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht habe die persönliche Ehre des Journalisten verletzt. Der Presserat sprach deshalb eine Rüge aus.

Laut Presserat gibt es jedoch keine Indizien dafür, dass parallel zum Anstieg der Rügen die Qualität der Medien in den letzten Jahren abgenommen habe. Gründe für den Anstieg an Beschwerden und Rügen lägen vielmehr an der wachsenden Bekanntheit des Presserates, der zunehmenden Bereitschaft, Beschwerden einzureichen oder der größerem Zahl an online verfügbaren journalistischen Erzeugnissen.

Der Presserat ist die freiwillige Selbstkontrolle der Printmedien in Deutschland. Er wacht darüber, dass Medien den ethischen und beruflichen Standards gerecht werden, die im Pressekodex festgehalten sind. Dem Verein gehören je zwei Verleger- und Journalistenverbände an. Er agiert nicht proaktiv, sondern prüft Beschwerden, die Leser zu konkreten Beiträgen einreichen. Die schärfste Sanktion, die der Presserat zur Verfügung hat, sind Rügen für Verstöße gegen den Pressekodex, die die gerügten Medien abdrucken müssen.

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