Kommentar

Christliche Jugendarbeit: Verantwortung verpflichtet

Diese Woche hat der Verband Christlicher Pfadfinder (VCP) eine relevante Studie vorgestellt. Das Ergebnis ist wichtig für Aktive in der Kinder- und Jugendarbeit und ein Auftrag, den Schutzraum, den sie Kinder und Jugendlichen bieten, ernst zu nehmen.
Von Johannes Blöcher-Weil
Christliche Jugendarbeit steht für viel geteilte Zeit mit jungen Menschen und die Verpflichtung, den Schutzraum ernst zu nehmen.

Letzte Woche habe ich etwas zu meinen musikalischen Vorlieben geschrieben und ein Hoch auf die Posaunenchor-Musik angestimmt. Diese Woche soll es wieder etwas aus meinem persönlichen Leben sein. Allerdings ist das Thema sehr viel „schwerer“. Auch dieses Mal hat es mit meinem Engagement im CVJM zu tun und einem Thema, über dass ich in dieser Woche berichtet habe.

Ich habe an einer digitalen Pressekonferenz des Verbandes Christlicher Pfadfinder (VCP) teilgenommen. Der Verband ist den mutigen, aber notwendigen Schritt gegangen, die sexualisierte Gewalt in seinem Verband unabhängig wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen. Und das Ergebnis ist ernüchternd.

Seit Gründung des VCP 1973 wurde gegen mindestens 344 Menschen im Verantwortungsbereich des Verbandes sexualisierte Gewalt verübt. Das ergab die Auswertung von qualitativen Interviews mit (ehemaligen) VCP-Mitgliedern und circa 1.300 Seiten Aktenmaterial. Der Verband bezeichnete die vorgestellten Ergebnisse als „eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte“, dem man sich jetzt stelle.

Strahlende Kinderaugen zur Belohnung

Vermutlich liegt die Dunkelziffer der Fälle noch viel höher. Und es ist natürlich unstrittig, dass jeder Vorfall einer zu viel ist. In der Pressekonferenz ging es auch um gewisse Abhängigkeiten und Strukturen, die Vorfälle begünstigt haben. Mehr als die Hälfte der Taten fand etwa auf Lagern oder Fahrten statt.

Ich habe in meiner Mitarbeit im „Christlichen Verein junger Menschen“ (CVJM) schon an vielen solcher Freizeiten teilgenommen. Auch die Jungschar vor Ort ist aktuell nur schwer aus meinem Terminkalender wegzudenken. Ich genieße strahlende Kinderaugen nach zehn Tagen Zeltlager, einer Kanutour oder einem Geländespiel, bei dem man sich so richtig verausgaben konnte.

Kinder und Jugendliche kommen zu uns und nehmen unsere Angebote wahr. Hier können sie etwas erleben – und zwar im positiven Sinne. Hier können sie die Probleme in der Schule und Familie hoffentlich mal links liegen lassen. Dass wir zudem noch eine frohe Botschaft für sie haben, ist für manche Teilnehmer nicht immer so relevant. Aber die Eltern vertrauen uns ihre Kinder an – und das ist ein starkes Zeichen.

Lob und Verpflichtung zugleich

Als ich eine Mutter einmal fragte, ob es in Ordnung sei, dass ihr Sprössling so viel Zeit hier im Gemeindehaus verbringe, antwortete sie: „Na klar. Ich weiß ja, dass er im CVJM gut aufgehoben ist.“ Das ist Lob und Verpflichtung zugleich. Der VCP hat das Thema auf die Agenda genommen und ein Konzept zu Prävention entwickelt, um ehrlich und mutig hinzusehen und die Verantwortung für das Geschehene zu übernehmen: „Unser Ziel ist ein Verband, in dem Menschen geschützt sind – und in dem Betroffene jederzeit Unterstützung finden“, betonten die Verantwortlichen.

Vergangenes kann man nicht mehr ungeschehen machen. Die Tränen einer Betroffenen am Dienstag haben mich aber noch mal dafür sensibilisiert, das Thema in den Gemeinden und Jugendverbänden auf dem Schirm zu haben. Viele sind hier schon auf einem guten Weg. Aber es gibt immer noch viel zu tun, damit christliche Kinder- und Jugendarbeit einen Schutzraum bietet, in dem für sexualisierte Gewalt kein Platz ist.

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