Wales: Ärzte stellen sich gegen legale Sterbehilfe

Mehr als 250 Ärzte und Pflegekräfte haben sich gegen die Legalisierung von Sterbehilfe in England und Wales gestellt. In einem offenen Brief kritisieren sie einen „zutiefst fehlerhaften Gesetzentwurf“.
Von Anna Lutz

Nicht nur in Deutschland ist Sterbehilfe immer wieder ein Thema im Parlament. Nun steht ein Gesetzesentwurf in Großbritannien in der Kritik. Mehr als 250 medizinische Fachkräfte aus Wales haben sich in einem offenen Brief gegen einen Vorschlag gewandt, der im November das britische Unterhaus passierte. Das berichtet die BBC.

Damals stimmten 330 Abgeordnete für ein entsprechendes Gesetz, 275 stimmten dagegen. Es räumt Menschen in England und Wales die legale Möglichkeit zur Suizidbeihilfe unter bestimmten Bedingungen ein. Konkret geht es um Todkranke über 18 Jahren mit einer Lebenserwartung von weniger als sechs Monaten, die einen klaren und freien Willen zur Selbsttötung äußern. Notwendig für die legale Beihilfe wäre zudem die Zustimmung von zwei unabhängigen Ärzten und eines Richters. 

Schottland arbeitet derzeit an einer eigenen Regelung und ist hiervon ausgenommen. Bisher ist Suizidbeihilfe in Großbritannien illegal und wird mit Haftstrafen geahndet. Damit das neue Gesetz in Kraft treten kann, steht eine weitere Lesung im britischen Oberhaus aus. Nun plädieren Ärzte und Pflegekräfte an Waliser Politiker, die notwendige Zustimmung zu verweigern. Konkret kritisieren sie, dass der Gesetzesentwurf das Risiko von Fehldiagnosen nicht berücksichtige. Genaue Prognosen der Lebenserwartung seien „unmöglich“.

Gesetzentwurf „zutiefst fehlerhaft“

Außerdem sehen die Fachkräfte Patienten durch das neue Gesetz unter Druck gesetzt. Mancher könne sich schon dadurch gezwungen sehen, seinem Leben ein Ende zu bereiten, weil die medizinische Versorgung nicht ausreichend gegeben sei oder er seinen Zustand als Bürde für Angehörige betrachte. Am Ende des Briefes bezeichnen die Autoren den Gesetzesentwurf deshalb als „zutiefst fehlerhaft“.

Eine Abstimmung über den Entwurf im walisischen Parlament, dem Senedd, war zunächst für den 20. Januar vorgesehen und wurde jetzt auf den 27. Januar verschoben. 

Auch in der deutschen Politik tobt seit Jahren eine Debatte um die Legalisierung von Sterbehilfe. Zuletzt scheiterte ein Anlauf für ein neues Gesetz im Jahr 2023. Zwei Gesetzesentwürfe fielen im Bundestag durch. Zugleich hat das Bundesverfassungsgericht Sterbewilligen im Jahr 2020 per Urteil ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben eingeräumt. Mediziner und Angehörige leben seitdem mit einer Rechtsunsicherheit. Abgeordnete verschiedener Fraktionen arbeiten deshalb an einem neuen Gesetz. Wann es im Parlament diskutiert wird, ist noch offen.

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