Dieser Film braucht heutzutage eigentlich eine Triggerwarnung. Denn wer würde schon damit rechnen, dass sich ein Film über die Friedensnobelpreisträgerin und katholische Heilige Agnes Gonxha Bojaxhiu, bekannt als Mutter Teresa, um Themen wie Abtreibung, Männerdominanz in der katholischen Kirche und verbohrte Ordensschwestern dreht? Noch dazu untermalt mit modernen Rockhymnen? „Teresa – Ein Leben zwischen Licht und Schatten“, der dieser Tage im Kino anläuft, ist irritierend, allerdings nicht unbedingt auf gute Art und Weise. Irgendwie fühlt man sich auf weiten Strecken wortwörtlich in falschen Film.
Es ist das Jahr 1948. Mutter Teresa (Noomi Rapace) ist Oberin des Klosters der Loreto-Schwestern im ostindischen Kalkutta. Und sie ist nicht zufrieden damit. Allabendlich verlässt sie ihr Domizil, um bei den Armen und Kranken auf den Straßen Klakuttas zu sein. Sie verbindet Wunden, verteilt Essen und Wasser und hilft manchmal sogar Gebärenden, ihre Kinder auf die Welt zu bringen. Blutverschmiert kehrt sie im Morgengrauen heim, um sich von einer Mitschwester dann Kritik anhören zu müssen: „Warum treibt ihr euch außerhalb des Ordens herum?“
„Ich bin eine Frau in einem System, das Männer führen“
„Ich bin eine Frau, in einem System, das Männer führen“, beklagt sie gleich zu Beginn des Films, weil sie auf einen Brief aus dem Vatikan wartet, der es ihr erlauben soll, einen eigenen Orden zu gründen. Jenen der Missionarinnen der Nächstenliebe, die sich dann tatsächlich darauf fokussierten, auf den Straßen Kalkuttas bei den Ärmsten zu sein anstatt hinter sicheren Klostermauern. Das bleibt allerdings der einzige Beleg für die Frauenfeindlichkeit der katholischen Männerwelt in diesem Film, die es unbestritten gab und gibt. „Teresa“ hingegen konzentriert sich eher darauf, die Hässlichkeiten der Frauen untereinander zu zeigen.
Denn Oberin Teresa hat ein Problem. Und das besteht nicht darin, dass der Vatikan ihr die Ordensgründung nicht erlaubt. Ganz im Gegenteil, der lang ersehnte Brief trifft ein, sie darf loslegen mit ihrer neuen Arbeit, allerdings fehlt eine Nachfolgerin für sie als Oberin. Zu dieser hat sie Schwester Agnieszka (Sylvia Hoeks) auserkoren. Nur kommt etwas dazwischen. Agnieszka wird schwanger. Teresa reagiert bestürzt statt gnädig, sieht ihre Zukunft in Gefahr und tut alles, um den Zustand der potenziellen Nachfolgerin zunächst geheim zu halten.
Gute Männer und das Thema Abtreibung
Was tun? Agnieszka bittet sie um Hilfe, einen Arzt für eine Abtreibung zu organisieren. Teresa hingegen will sie lieber aus dem Kloster verbannen. Doch wie soll es dann mit ihr selbst weitergehen? Ausgerechnet ein Mann, ihr Beichtvater Friedrich, ist es, der Teresa ins Gewissen redet („Nach meinem Ermessen ist Abtreibung nur dann eine Sünde, wenn die Frau dazu gedrängt wird.“). Als gute Seele des Films tritt auch der zweite männliche Darsteller, Arzt Dr. Kumar, auf, der Teresa ebenfalls kritisiert, als sie ihn bittet, keine Abtreibung durchzuführen und die Schwester stattdessen bei sich wohnen zu lassen: „Sie wollen, dass ich sie aufnehme, damit Sie sie loswerden. Ist das nicht auch eine Sünde?“
„Teresa“ soll laut Ankündigung den Konflikt der Protagonistin zwischen Berufung und geistlicher Hingabe zeigen. Man erwartet, dass sie hin- und hergerissen sein müsste zwischen Vertuschung und Ehrlichkeit, zwischen Schwangerschaftsabbruch und dem Ende ihrer eigenen Ambitionen. Richtig einleuchten will das alles aber nicht, denn Teresa zieht eine Abtreibung nie in Betracht, was glücklicherweise historischen Fakten entspricht, denn sie war zeit ihres Lebens eine harte Gegnerin legaler Schwangerschaftsabbrüche. Stattdessen wird man das Gefühl nicht los, dass dieser Film die Rückwärtsgewandtheit der katholischen Kirche versinnbildlichen will, und zwar am sehr speziellen Thema Abtreibung und das auch noch zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Mutter Teresa ausgerechnet dafür zur Kronzeugin zu erklären, ist gelinde gesagt respektlos gegenüber der Porträtierten.
Und zum Schluss ein Hard Rock Hallelujah
Noch irritierender, wenn auch weniger schwerwiegend, ist der Versuch eines Kunstgriffes, der noch am Anfang des Films durchaus charmant wirkt. Denn die erste Szene zeigt Teresa in Nahaufnahme, Tränen auf den Wangen, untermalt von harten E-Gitarrensounds. Genau die richtige Portion positiver Verwirrung an dieser Stelle, der Zuschauer wird neugierig. Doch das ganze steigert sich in ungesunder Weise, bis irgendwo in der Mitte des Films in einer surrealen Szene Schwestern des Ordens entrückt zum Lordi-Song „Hard Rock Hallelujah“, Gewinner des Eurovision Song Contests 2006, tanzen. Man erinnert sich, das waren jene als Dämonen verkleideten Musiker mit den fiesen Gesichtsmasken.
Das alles mag nicht nur für christliche Nerven zu viel sein. Was schade ist, denn Regisseurin Teona Mitevska hat sich bereits einen Namen gemacht mit dem Film „Gott existiert, ihr Name ist Petrunya“, der vor einigen Jahren auf der Berlinale einen Preis der Ökumenischen Jury gewann. Auch darin ging es um Feminismus, auch dieser Film war skurril, aber alles in allem doch zumindest wesentlich unterhaltsamer als der farbenarme und zu bemüht wirkende neue Film von Mitevska.