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Zwischen Punk und Evolutionstheorie

Greg Graffin ist nicht nur Sänger der Punk-Band "Bad Religion", sondern auch Dozent für Evolutionsbiologie. In seinem neuen Buch will er deutlich machen, dass man auch glücklich sein kann, wenn man nicht an Gott glaubt. In dem überraschend langweiligen Buch erklärt der Punk-Rocker auch seinen Lebenssinn: die Evolutionstheorie.
Von PRO

Foto: Riva Verlag / Ricapar /Wikipedia)

Aufgewachsen ist Greg Graffin, mittlerweile 46, wohlbehütet in einer amerikanischen Vorstadt. Es ging ihm immer gut, "Ich hatte mächtig Glück", diese Formulierung fällt sehr oft in seinem Buch "Anarchie und Evolution", das nun auf Deutsch im "Riva-Verlag" erschienen ist. Kein Grund also, an einen Gott zu glauben. Der Mann, dem es prima geht, hat als Teenager beschlossen, nicht mehr an Gott zu glauben. Und seither konzentriert sich sein Weltbild auf die Evolutionstheorie von Charles Darwin.

Eigentlich ist die Evolutionstheorie ja eine Theorie darüber, dass Zellen zufällig mutieren, dann entweder einem Organismus den Tod bringen, oder einen Gewinn darstellen, der an die Nachkommen weitergegeben wird. Ein ziemlich trockenes, wissenschaftliches Thema, doch für Graffin das spannendste überhaupt. Wer in seinem neuen, autobiographischen, 287 Seiten umfassenden Werk aufregende Berichte erwartet, wie man es sich bei einem Punkrocker vorstellt, könnte enttäuscht werden. "Survival of the fittest" – für Graffin Trost und Lebenssinn.

Laut der "natürlichen Selektion" von Charles Darwin erhalten Lebewesen neue Merkmale zufällig. Die Giraffe etwa bekommt durch Zufall einen langen Hals, und wenn es nützlich ist, überlebt sie, ihre Nachfolger übernehmen den langen Hals. Ist es hinderlich beim Überleben, stirbt die "Schnapsidee" der Evolution wieder aus. Die Natur "testet" demnach dank zufälliger (und übrigens meistens tödlicher) Mutationen einfach mal verrückte Dinge aus: Tarnmuster, Hände, Augen usw. Alles ist nur ein riesiger Zufall. Aber sinnlos? Nein, sinnlos ist das Leben nicht, denn es gibt ja die Liebe, findet Graffin. Und ein Leben nach dem Tod ist unwichtig, da wir unsere ganze Aufmerksamkeit darauf richten sollten, uns um die "Menschen, die uns nahe stehen" zu kümmern.

Atheismus – keine "Bad Religion"?

Graffin listet zunächst einmal alle Argumente auf, die man von Atheisten oder Religionskritikern immer wieder hört. Fernsehprediger sind ätzend, Religiöse sind entweder Bombenbauer oder  Abtreibungsgegner. "Priester, Pastoren und Imame" erzählen Geschichten, um Angst zu machen. "In der Werbung, in Filmen, im Radio, in Fernseh-Talkshows, selbst in Musik und Büchern sind wir permanent mehr oder weniger subtilen Botschaften ausgesetzt, wie wir uns verhalten sollen." Klar: "Die da oben" wollen uns nur unterdrücken mit Angst. Grund genug, sich gegen jede Religion zu wenden. Womit wir beim häufig vorgebrachten, aber dadurch nicht besser werdenden Argument wären: Weil ich etwas gegen Autorität habe, lehne ich einen Glauben an Gott ab. So als würde mein Nicht-Glauben Gott selbst automatisch abschaffen.

Ganz sicher ist sich Graffin aber darüber, wie das Leben entstand: "Für mich ist absolut unbestreitbar, dass die Evolution stattgefunden hat. Die Ansicht, dass Gott sämtliche Fossilien in die Erde gesteckt hat, um den Glauben auf die Probe zu stellen, ist einfach absurd." Mit anderen Worten: Die Evolution ist gesichert, deswegen können die Fossilien in der Erde NUR eines erklären: dass die Evolution wahr ist. Angesichts dieses Zirkelschlusses ist es wohl auch ganz überflüssig zu sagen, dass gerade ein Argument von Evolutionskritikern eben jene Fossilien-Funde sind: Sie zeigen ihrer Meinung nach nämlich keine eindeutigen Übergänge zwischen den Arten, was sie eigentlich müssten.

Der Punk-Rocker und Doktor der Evolutionsbiologie bringt dann noch den bekannten, alten Irrtum zum Begriff Atheismus selbst. Denn Atheisten glauben ja zu wissen, dass es keinen Gott gibt. Aber es gibt jede Menge Menschen, die nicht glauben, dass es einen Gott gibt, es ist ihnen aber egal, oder sie geben einfach zu, es nicht zu wissen. Diese nennt man gewöhnlich Agnostiker. Sie haben ganz einfach keine klare Meinung zu der Frage. Atheisten hingegen haben eine Meinung, und von der sind die unangenehmsten felsenfest überzeugt: nämlich dass es mit Sicherheit keinen Gott gibt. Graffin will sich aber nicht darauf festlegen, dass Atheismus eine Glaubensauffassung wie der Theismus ist.

Vor dem Einschlafen Darwin

Für Graffin ist klar: Je religiöser ein Land ist, desto dümmer seine Bewohner. Er gibt zu: "Unsere Existenz hat kein definiertes Ziel", ist aber zugleich überzeugt: "Die Sinnlosigkeit der natürlichen Welt unterstreicht nur die enorme Bedeutung, die unserer menschlichen Welt innewohnt." Graffin bezeichnet sich als Naturalisten, was bedeutet, dass er nur an das glaubt, was in Form von Materie und Naturgesetzen sichtbar vor uns liegt. Konsequent weiter gedacht hieße das, dass sein Wunsch, ein dickes Buch über sich und seine Faszination über den Naturalismus zu schreiben, schon im Moment des Urknalls festgeschrieben war. Denn einen freien Willen können Naturalisten naturgemäß nicht erklären.

Der Sänger von "Bad Religion", der schon als Jugendlicher Literatur über Evolution "jeden Abend vor dem Einschlafen" las, hat seine Religion gefunden. Die biologische Evolution könne "eine gute Quelle für die Beschäftigung mit Themen des täglichen Lebens sein", schreibt er. Zur Erinnerung: Die biologische Evolution basiert auf zwei Prinzipien: Zufall der Mutation von Zellen und die Selektion von Lebewesen. Graffin: "Immer wenn ich über mein Leben nachdachte, kamen mir zwangsläufig Analogien zur Evolution in den Sinn." Und: "Die Beschäftigung mit der Evolution war wesentlich befriedigender als alles, was ich von den politischen, religiösen oder kulturellen Schlüsselfiguren zu hören bekam."

Wie die erste lebende Zelle entstanden ist, ist weder geklärt, noch für Graffin bedeutend. Ein paar Moleküle, eine Brühe, irgendwie wird daraus schon eine Zelle entstanden sein. Gleichzeitig wirft er aber Kreationisten vor, "intellektuell unaufrichtig" zu sein. Sie hätten gar kein "wissenschaftliches Interesse". Es darf dann auch der alte Zirkelschluss nicht fehlen: Argumente gegen die Evolutionstheorie, und seien sie auch noch so seriös und präzise formuliert, werden nicht ernstgenommen, sondern als Unverschämtheit zurückgewiesen. Sie sind, wie auch Graffin schreibt, "nur ein Mittel zum Zweck". Sprich: Ich brauche als Evolutionist Gegenargumente gar nicht anzuhören, da sie ja sowieso nur ein Ziel haben, nämlich Gott verteidigen. Es gibt in den Augen Graffins schließlich "keine kontroversen Standpunkte" zur Evolutionstheorie. "Wenn die Fundamentalisten (Menschen, die nicht an die Evolutionstheorie glauben, d. A.) sich durchsetzen, kommt vermutlich eine neue Ära der Intoleranz und der starren Überzeugungen auf uns zu." Wahrlich eine Theorie, auf der man ein ganzes Leben aufbauen kann. (pro)

Greg Graffin: "Anarchie und Evolution – Glaube und Wissenschaft in einer Welt ohne Gott"
Riva Verlag
19,99 Euro
ISBN 978-3-86883-158-0

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