Alluni, der aus Syrien stammt und seit einigen Jahren in Spanien lebt, soll als „Briefträger“ Geld für Al-Qaida nach Afghanistan geschmuggelt haben. Außerdem wird er beschuldigt, Kontakte zu dem Al-Qaida-Führer Abu Dahdah gepflegt zu haben. Dahdah wird vorgeworfen, er habe afghanische Ausbildungscamps organisiert und Terroristen in Krisegenbiete eingeschleust.
„Al-Dschasira“: „Wir glauben an Unschuld unseres Mitarbeiters“
Der Fernsehsender „Al-Dschasira“ kritisiert die Entscheidung des Gerichts auf seiner Internetseite und hat Revision angekündigt: „Das Urteil ist sehr enttäuschend und ungerecht. Wir glauben immer noch an die Unschuld unseres Mitarbeiters“, erklärt der redaktionelle Leiter des Senders, Waddah Chanfar.
Auch Hajthem Manna, Sprecher der Kommission für arabische Menschenrechte, nennt das Urteil ungerecht. Die spanische Justiz habe das Urteil nur deshalb gefällt, um „ihr Gesicht zu wahren“, so Manna nach Berichten von „Al-Dschasira“. Er gibt zu, dass Alluni tatsächlich Geld nach Afghanistan gebracht habe. Jedoch sei dieses Geld nicht für Al-Qaida, sondern für die Familie eines befreundeten Syrers bestimmt gewesen.
„Alluni hat Menschen interviewt, die man in Europa nicht sehen oder hören will“, erklärt Manna. Auch Allunis Ehefrau sieht das Urteil als Komplott gegen ihren Mann, der keine engeren Kontakte zu Terroristen wie Abu Dahdah gehabt haben soll als andere.
Interview mit Bin Ladin kurz nach Terroranschlägen
Tayssir Alluni war bis zu seiner ersten Verhaftung im Jahr 2003 der Star seines Fernsehsenders. Bekannt wurde der Journalist durch ein Interview mit Usama Bin Ladin, das er nur einige Wochen nach den Anschlägen vom 11. September mit dem Terroristen führte. Auch als Korrespondent in Afghanistan und im Irak verfügte Alluni immer über mehr Informationen als seine Kollegen, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) in ihrer heutigen Ausgabe berichtet.
Gestern hatte der Al-Dschasira-Reporter Mohammed Vall – unabhängig von dem Urteil gegen Alluni – gegenüber der „FAZ“ erklärt, dass sich sein Sender hauptsächlich als „Augenzeuge“ sehe, der verschiedene Meinung zulasse und nicht so einseitig berichte wie der amerikanische Nachrichtensender „CNN“.