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Zum Tod von Walter Scheel: Bürgerpräsident mit Visionen

Walter Scheel war ein Bundespräsident, der den Menschen nah sein wollte und dem die Menschen nahe sein sollten. Der evangelische Christ packte für ihn notwenig gesehene Wege kompromisslos an und kämpfte dafür – immer mit dem erfahrbaren Respekt für sein Gegenüber. Ein Nachruf von Patrick Meinhardt
Von PRO
Im Österreich-Urlaub: Der am Mittwoch verstorbene Walter Scheel in seiner Zeit als Bundespräsident mit seiner Ehefrau Mildred und den Kindern Simon Martin, Cornelia und Andrea (von links) im August 1974
Im Österreich-Urlaub: Der am Mittwoch verstorbene Walter Scheel in seiner Zeit als Bundespräsident mit seiner Ehefrau Mildred und den Kindern Simon Martin, Cornelia und Andrea (von links) im August 1974
Es ist schon ein besonders mitnehmendes Jahr voller Herzenstrauer – drei ehemalige liberale Außenminister, die unser Land geprägt und die unserem Land gedient haben, mussten wir verabschieden; Guido Westerwelle, Hans-Dietrich Genscher und nunmehr auch Walter Scheel. Scheel wollte als singender Bundespräsident mit dem bis heute gängigen Lied „Hoch auf dem gelben Wagen“ ein Zeichen setzen – er war ein Bürgerpräsident, der den Menschen nah sein wollte und dem die Menschen nahe sein sollten. Und ihm war es wichtig, die dankbare Fröhlichkeit, die seiner Überzeugung nach ein Volk auch als Grundhaltung auszeichnen müsste, als Botschafter jedem einzupflanzen.

Nachkriegsdeutschland benötigte Politiker mit Vision und Bodenhaftung

Für Scheel war Herzlichkeit im eigentlichen und wahren Sinn des Wortes Ausdruck einer Grundhaltung, die selbstbewusste und mündige Bürger auszeichnen sollte: Leistung erbringen und die Freude über das Geleistete auszustrahlen und zu leben, waren für ihn zwei Seiten ein und derselben Medaille. Dies galt für ihn gerade auch in den nicht einfachen Zeiten des Nachkriegsdeutschlands, in denen unser Land Politikerpersönlichkeiten mit Visionen und Bodenhaftung zugleich bitter nötig hatte. Und die beiden Pole Freiheit und Verantwortung prägten ihn vom ersten Moment seines politischen Wirkens. Dass er der erste Entwicklungshilfeminister unseres Landes wurde, war kein zufälliges Ereignis, sondern Ausdruck seiner gelebten Verantwortungskultur: Vom ersten Moment an war ihm klar, dass gerade ein Land wie die Bundesrepublik Deutschland in einer globalen Verantwortung steht und als friedensstiftende und die Menschenrechte achtende Kraft international aktiv sein muss.

Neue Ostpolitik

Dies prägte ihn auch, als er nach den Jahren der Großen Koalition 1969 die Freie Demokratische Partei in eine Koalition mit den Sozialdemokraten führte, um dann als Außenminister und Vizekanzler die neue Ostpolitik zu formulieren, zu postulieren und zu akzentuieren. Ihn trieb die tiefe, innere Überzeugung an, Deutschland breiter aufzustellen und damit die Handlungsoptionen für seine Heimat zu weiten – und natürlich spürte er auch den Gegenwind und wusste darum, dass er einen dünnen Grat beschritt. Hier konnte dann sehr schnell eine klare Kante spürbar werden, da Scheel einen von ihm für notwendig gesehenen Weg auch kompromisslos anpackte und dafür kämpfte – immer mit dem erfahrbaren Respekt für sein Gegenüber, aber stets hart in der Sache. Denn wenn ihn irgendetwas im Kern wirklich angetrieben hat, dann die Überzeugung, dass Politiker für ihre Überzeugung einstehen und Rückgrat zeigen müssen. Scheel hat es einmal so formuliert: „Es kann nicht Aufgabe eines Politikers sein, die öffentliche Meinung abzuklopfen und dann das Populäre zu tun. Die Aufgabe des Politikers ist es, das Richtige zu tun und es populär zu machen!“

Patrick Meinhardt saß von 2005 bis 2013 für die FDP im Deutschen Bundestag. Er war Sprecher seiner Fraktion für Bildung sowie Sprecher der Gruppe „Christen in der FDP-Bundestagsfraktion”. Heute gehört er dem FDP-Bundesvorstand an und ist Präsident der Deutschen Gruppe der Liberalen Internationalen. (pro)

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